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Nach der Auslosung der ersten Runde war die Frage bei den VfL-Fans natürlich,
wie kommt man günstig an das Schwarze Meer?
Die Angebote reichten von 595,- bis 785,- (glaub ich) für einen Tagesausflug
oder mit Übernachtung, wobei man sich fragte, warum ausgerechnet
das Angebot des VfL eines der teuersten war oder sogar das teuerste!
Da waren die Bemühungen einen günstigeren Reisepartner für
die Anhänger zu finden wohl nicht ganz so groß.
Letztendlich waren es so um die 800 Bochumer die mit einer der angebotenen
Möglichkeiten nach Trabzon flogen, darunter auch 7 "Treue".
Nach dem Flug von Düsseldorf über Istanbul erreichte man am
späten Abend den Militärflughafen von Trabzon, wo man von mit
Maschinenpistolen bewaffneten Soldaten empfangen wurde.
Schon am Abend vor dem Spiel waren es etliche Bochumer, die in den Kneipen
um den Atatürkplatz und im VIP-Hotel des VfL-Trosses die erste Teilnahme
am UEFA-Cup feierten.
Morgens quälte man sich dann aus dem Bett, um später für
lau bei McDonalds zu frühstücken. Dabei erfuhr man dann auch
von Pansensuppe mit der einige in der Nacht Erfahrung gemacht haben. Ist
aber scheinbar ganz gut bekommen.
Im Laufe des Spieltages trafen immer mehr Tagesflieger ein und blau und
weiß begann zu dominieren.
Nach einigen Stunden des Feierns und Gesangsduellen mit Trabzon-Fans,
welche uns sozusagen vor unserem Kneipenbalkon huldigten, machten sich
die Bochumer entweder zu Fuß oder per Taxi (geiler Fahrstil da unten)
auf zum Avni-Aker-Stadion .
Wie auch eine Runde später in Brügge hatte man auch hier den
Eindruck, dass es die UEFA nicht überall so ganz genau nimmt mit
der Einhaltung ihrer Auflagen bezüglich der Veranstaltungsorte.
Die sanitären Anlagen waren schon eine Zumutung und das Stadion wurde
gerade umgebaut .
Am Spieltag kam bei der UEFA plötzlich doch der Gedanke auf, das
Spiel wegen Sicherheitsbedenken abzusagen. Passierte dann ja glücklicherweise
doch nicht .
Die VfL-Fans Standen und saßen auf zwei verschieden Tribünen
und konnten schon nach knapp einer Minute das 1:0 durch Baluszinsky bejubeln.
Am Ende siegte Trabzonspor mit 2:1 und ließ uns somit alle Chancen
fürs Rückspiel .
Von der Stimmung der Türken war man nicht so sehr angetan, die Hölle
von Trabzon war wohl gerade abgekühlt .
Erwähnenswert noch, dass eine halbe Stunde vor dem Anpififf ein
Mitglied der "Treuen" beim ersten internationlen Auftritt seines
Teams auf der Tribüne einschlief, aber pünktlich zum Anpfiff
war er wieder wach.
Nach dem Spiel wurde man mit Bussen dann wieder zum Atatürk-Platz
gefahren, wo man mit Böllern empfangen wurde, die über die Busse
auf uns flogen . Ansonsten gab es aber keinen großen Streß
mit den Heimfans, so dass man noch einige gemütliche Stunden hatte,
um von der Schwarzmeermetropole Abschied zu nehmen .
Am Flughafen gab es dann noch 4 nervige Stunden Wartezeit bis der Flieger
Richtung Köln abhob.
Um 10 Uhr morgens war man dann wieder in Bochum, wo dann noch das eine
oder andere Abschiedsbierchen geschlürft wurde .
So fand die im Nachhinein schönste und unvergessliche UEFA-Cup-Fahrt
ihr Ende .
Kasi
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Selten war ich vor einem Spiel so nervös, wie vor diesem UEFA-Cup-Rückspiel.
Seit wir zwei Tage vorher die Blockfahne zum Lüften in der Ostkurve
hochgezogen haben, drehte sich bei mir alles nur noch um den VfL.
Vor dem Spiel machten einem die türkischen Fans, die man traf, klar,
dass wir heute fünf Tore kassieren würden.
Rund um das Ruhrstadion waren ganz klar die türkischen Fans in der
Mehrheit und alle paar Meter wurden Souvenirs türkischer Vereine
verkauft.
Nachdem man sich das Treiben eine Weile angeschaut hatte, unterzog man
sich den strengen Kontrollen und betrat das Ruhrstadion.
Dort wurden in der Ostkurve und auf den Tribünen einige Tausend blau-weiße
Ballons verteilt. Nebenbei sah man auch wie die Leute, die schon am Vortag
ihre Schwenkfahnen im Stadion abgegeben hatten, diese nun wiedererhielten.
Leider nicht für lange, denn ein besonders aufmerksamer Beamter,
sah dies und erkannte darin irgendeine Gefahr.
Nach einer heftigen Diskussion zwischen dem damaligen Fan-Beauftragten
Funny Heinemann und mehreren Polizisten mussten diese dann wieder abgegeben
werden.
Inwiefern diese aber eine Gefahr für den türkischen Ministerpräsidenten
darstellten, weiß ich bis heute nicht, denn wegen ihm gabs bei diesem
Spiel die strengen Sicherheitsvorkehrungen.
Nachdem ich mir ein Bier gegönnt habe (wobei man bei Alkoholfreiem
kaum von gönnen sprechen konnte), bahnte ich mir meinen Weg in die
Ostkurve um endlich die UEFA-Cup-Atmosphäre im Ruhrstadion zu spüren.
In der Dank UEFA nur mit 6500 Leuten (vielleicht doch ein paar mehr) gefüllten
Ostkurve herrschte schon lange vor dem Anpfiff eine Superstimmung, und
auch Stadionsprecher Frank Papke zeigte sich von seiner besten Seite.
Nachdem die Manschaftsaufstellungen durchgegeben waren erklang Herbies
"Bochum", und die von den "Fantastic Supporters" initiierte
Zettel-Choreographie machte deutlich, dass die Gegentribüne heute
fest zu Blau-Weiß stand.
So konnte man auf blauem Grund den Schriftzug "VfL Bochum 1848"
lesen.
Währenddessen versanken die Ostkurve und die Blöcke L+M in einem
Meer aus weißen Luftballons.
Dann begann das Spiel, welches ich über Alzheimer hinaus bestimmt
nie vergessen werde.
Mit dem Anpfiff steigerte sich die Stimmung noch einmal und erreichte
so Ausmaße, wie ich sie vorher noch nicht erlebt habe.
Als unser Fußballgott dann in der 21.Minute das 1:0 erzielte, erreichte
die Stimmung ihren ersten Siedepunkt.
Vom Bereich der Ehrentribüne über die Ostkurve bis zu Block
D auf der Gegentribüne standen alle Blau-Weißen auf und sangen
"Steht auf für den UEFA-Cup" .Einfach gänsehauterregend!
Der VfL musste die gesamte zweite Halbzeit, nach einem Platzverweis für
Waldoch kurz vor dem Halbzeitpfiff, mit zehn Spielern überstehen.
Umso unglaublicher, dass unsere Jungs zwischendurch mit 5:1 gegen die
Manschaft vom Schwarzen Meer davonzog.
Die Stimmung, die nun herrschte, kann man gar nicht beschreiben. Wer das
nur am Fernseher erlebt hat, kann das gar nicht nachvollziehen, denn dort
kam die Atmosphäre nicht annähernd so genial rüber, wie
sie im Stadion war.
Als Trabzonspor dann auf 3:5 gegen unsere sichtlich erschöpfte Mannschaft
herankam und ihnen dann ein weiteres Tor gereicht hätte um weiterzukommen,
machte sich Entsetzen breit und die Angst, doch noch auszuscheiden, war
groß.
Währenddessen hörte man die türkischen Fans auch gelegentlich
mal wieder, wobei von den ursprünglich mehr als 8000 Fans nun vielleicht
noch die Hälfte da war. Die Anderen waren nach dem 5:1 abgezogen.
Überhaupt war ich von der Stimmung bei den Türken enttäuscht,
hatte man doch vorher gelesen, sie würden das Rückspiel zu einem
Heimspiel machen. Aber bis auf einige einheitliche Rufe kam nicht viel
rüber.
Nachdem wir die letzten bangen Minuten überstanden hatten und jeder
Befreiungsschlag frenetisch bejubelt wurde, kannte der Jubel keine Grenzen.
Wahnsinn!!! Das Unternehmen UEFA-Cup war für Bochum nach der ersten
Runde noch nicht beendet, obwohl dies so viele erwartet hatten.
Zwanzig Minuten blieben wir noch in der Kurve um zu feiern und zu realisieren,
was geschehen war. Danach ging es dann Richtung Innenstadt, wo bei Siggi
noch kräftig gefeiert wurde.
Anschließend zog es einige noch in die Rote Laterne.
Gegen halb sieben endete dann die Nacht.
Nach der Morgenlektüre fiel ich dann in einen tiefen glücklich
Schlaf, der mich von der zweiten Runde träumen ließ.
Kasi
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