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Teil 1
Sonntag der 16.10. 2005.
Zeitig macht sich das Law aus den Federn, um die Abfahrt der Linie 83
ins schöne Braunschweig nicht zu verpassen. Zeitig ja, aber nicht
zeitig genug, um sich die gewohnten morgendlichen 2 Liter Kaffee einzuflößen.
Egal, darob etwas mürrisch, aber dennoch in gespannter Erwartung
der Dinge, schmeißt sich das Law in den Bus, verlässt diesen
in Absprache mit einer freundlichen Fahrerin noch einmal, um die vergessenen
Fluppen zu besorgen (wenig Kaffee ist nicht gut, aber wenig Kaffee und
kein Qualm ist für die Laune erstmal tödlich), bedankt sich
brav und ist dann endlich auf dem Weg.
Nach ca. 5 Minuten Fahrzeit verlässt es den kuscheligen Bus, um
mit freundlicher Unterstützung der Linie 308/318 die Anfahrt zum
Bahnhof fortzusetzen (Bus ist bequemer, Bahn aber schneller).
Ein freundliches "Morgen" tönt dem Law entgegen und Lars
erkennt ein bekanntes Gesicht aus der Szene der Bochum-Ultras. Dieses
hat auf einer vorabendlichen Feier offensichtlich den Zeitpunkt zum
Absprung und nun beinahe die Abfahrt seines Reisegefährtes verpasst.
"Beinahe" deshalb, weil ein Telefonat des Übernächtigten
die Gesellschaft bewegen konnte, mit der Abreise noch auf den werten
Mitstreiter zu warten. Übrigens das erste und letzte Mal an diesem
Wochenende.
"Dämon" ist jedenfalls nicht so böse, wie der Name
glauben machen könnte. Er und das Law unterhalten sich angeregt
über dies und das - eine willkommene Abwechslung auf der ansonsten
stets eintönigen Anfahrt.
Am Bahnhof trennen sich die beiden erst einmal, nicht ahnend, dass es
nicht die letzte gemeinsame Fahrt am heutigen Tag sein soll.
Das Law konzentriert sich nun auf die Begrüßung der lieben
Menschen, die gemeinsam in Linie 83 die Tour antreten wollen.
Treue (natürlich), Ostler, verwandte Ostler, BoJus, verwandte BoJus,
Eagles, Freischaffende, Betreuungspersonal, aus diversen Gaststätten
bekannte Gesichter... Leider kann das Law nicht jeden einem Fanclub
zuordnen oder umgekehrt.
Es geht das Gerücht, im Bus der Ultras sei ein wenig schlechtere
Stimmung aufgekommen, da der Fahrer eine Ansage gemacht habe, dass er
das Rauchen und Herumlungern in den Gängen in seinem Bus nicht
dulden werde. Lars überprüft den Wahrheitsgehalt nicht, kichert
aber innerlich (was er später innerlich bereuen wird).
Die Fahrt geht los und entgegen der Aussage seines Präsidenten,
die erste Flasche werde auf der Autobahn geöffnet, plöppt
das Law zum ersten Mal beim Erreichen der ersten Hauptverkehrsstraße
(in diesem Fall die Wittener Str.).
Aufgrund des oben erwähnten zeitlichen Engpasses, hatte es nur
Zeit, zwei schockgekühlte Flaschen Fiege Radler einzupacken und
sollte mit seinen Ressourcen vernünftiger umgehen. Das Law pfeift
drauf und bereut zutiefst, als es dem Fahrer seine erste Flasche Krombacher
abkaufen muss. Außer einer guten Kühlung hat das Bier dem
Law nur wenig Vorzüge zu bieten. Ein paar Flaschen später
ist es ihm dann aber egal.
Ganz andere Probleme treten plötzlich auf:
Einige Damen verlangen den Besuch einer Raststätte. Angeblich sei
ihnen die Toilette - nein, nicht zu dreckig - zu schmal! Das Law und
einige andere sinnieren darüber, ob der weibliche Hintern tatsächlich
so breit gesessen werden kann, dass seine Trägerin mit ihm in einer
Bustoilette stecken bleibt.
Aber die Erörterung solcher und anderer Fragen muss nun hintenanstehen!
Nächstes Problem: Was tun mit einem platten Reifen. Die Schwester
des Verfassers entdeckt und der Präsident des Verfassers meldet
dem Schaffner, dass es ungesund aussieht, wenn der Hinterreifen eines
Reisebusses auf 40cm Länge direkten Fahrbahnkontakt hat. Der Fahrer
bestätigt und beschließt, dass etwas Luft das Problem lösen
könnte. Das Law und die meisten anderen Fahrgäste sind weniger
optimistisch, da zwischenzeitlich eine Schraube als Ursache und mögliches
Hindernis für die Lösung des Problems ausgemacht wurde.
(Noch) Frohen Mutes begibt sich der Fahrer an die Luftpumpe. Nach kurzer
Zeit, muss er einsehen, dass die Druckluft für PKW-Reifen eventuell
nicht die für den Bus erforderlichen 8-9 bar aufbringen könnte.
Er beschließt, es mal beim Stand für große Autos zu
probieren. Er drückt und drückt und drückt...es tut sich
nicht viel. Er bittet das Law zur Tat und dieses drückt und drückt
und drückt...es tut sich immer weniger und der Fahrer telefoniert.
Erste Panik macht sich unter den Reisenden breit: Die einen fragen sich,
ob mit einem längeren Verweilen zu rechnen und unter diesen Umständen
das Spiel rechtzeitig zu erreichen ist, die anderen fragen sich, ob
unter diesen Umständen das Bier reicht.
Die Antwort auf diese und weitere spannende
Fragen (z.B. warum wir nicht einfach den Reifen gewechselt haben) lest
ihr hier ab dem 24.10.2005 im zweiten Teil der Geschichte.
Euer Law
Teil 2
Die Lage wird immer dramatischer!
Der Vorschlag eines mitfahrenden KFZ-Fachmanns, den Reifen mit dem buseigenen
Kompressor zu füllen, muss aus verschiedenen Gründen verworfen
werden:
1. Ein Schlauch zum Befüllen fehlt
2. Der Schlauch, mit dem ein hilfsbereiter, betriebsfremder Busfahrer
aushelfen will, passt vielleicht auf einen Hydranten, aber sicher nicht
auf die entscheidenden Ventile (auch wenn er heute wahrscheinlich immer
noch das Gegenteil behauptet)
3. Da können alle eh so viel pusten, wie sie wollen, der Reifen
hat innerhalb einer Viertelstunde wieder 1 bar Luft verloren, was eine
entspannte Weiterreise nicht wirklich ermöglichen kann
Es wird auch immer bizarrer:
Dem Law sein ostlerscher Partner in diversen Plauzen-Contests schlägt
vor, in Gütersloh (auf der Raststätte stecken die Gefährten
nämlich fest) zu bleiben und bei deren Heimspiel gegen Rheine einzufallen.
Ja ne, is klar!
Fragen werden laut, warum man nicht einfach den Reifen wechsle. Prima
Idee, aber wie? Ohne Werkzeug, ohne Ersatzreifen?
Der Fahrer nähert sich dem Law und teilt diesem euphorisch mit,
der Ersatzbus habe sich gemeldet! "Er befindet sich am Kamener
Kreuz! In 15 Minuten ist er da!" Das Law überschlägt
kurz die Faktoren Geschwindigkeit eines Reisebusses und Fahrtstrecke
Kamener Kreuz-Gütersloh. Zusätzlich erinnert er sich an die
Aussage des Fahrers "Mit dem anderen Bus kann ich richtig Gas machen!
Dieser macht bei 101 km/h zu, aber mit dem anderen mach ich bis 103
km/h!". Das Law verliert ob solcher Aussagen sein Vertrauen.
Ralf vom Fanprojekt bietet Alternativen an:
Der U-16 Bus ist noch nicht vorbei. Einige könnten dabei sein,
aber...kein Rauchen und kein Alkohol! Er sortiert vertrauenswürdige,
nüchterne Personen, die den dringenden Wunsch zur Weiterfahrt verspüren,
aus und die Gesellschaft trennt sich in zwei Gruppen:
1. Die "Hauptsache VfL"-Gruppierung und
2. Die "Der Weg ist das Ziel"-Fraktion.
Auch weitere Businsassen versuchen irgendwie, mit anderen Fahrzeugen
Richtung Spielort zu gelangen. Nicht jedem gelingt dies.
Die Zeit verstreicht, es wird viel geredet, getrunken und gewartet. Einige
begeben sich zur Raststättengastronomie, um sich dort die Zeit
zu vertreiben und irgendwann trifft tatsächlich ein Ersatzbus ein.
Dass dieser am Tag zuvor von Fans eines Essener Eishockey-Fanclubs verschmutzt
wurde, interessiert niemanden. Der eigene Dreck wird dekorativ darüber
verteilt und alle sind froh, dass es endlich weitergeht.
Der Bus war bei Antritt der Reise gut gefüllt, jetzt hat man viel
Platz. So gesehen macht die Fahrt nun richtig Spass und immerhin bekommen
die Insassen einen viel beachteten Auftritt vor der Bochumer Kurve -
pünktlich zur Halbzeitpause.
Lars macht sich auf den Weg zum Eingang, zeigt seine Karte vor, lässt
sich begrabbeln und bekommt die lustige Mitteilung, dass das Fotografieren
hier nicht gestattet sei. Er diskutiert mit freundlichen Ordnern darüber,
dann diskutiert er mit deren freundlichem Vorgesetzten darüber.
Es nutzt ihm nix. Lex Braunschweig duldet solche Eskapaden nicht und
das Law rückt zähneknirschend seine Akkus raus.
Im Stadion trifft es seinen Bahngenossen von den Ultras und quatscht
kurz mit ihm. Auch andere Bekannte hören ihm kurz zu und es begibt
auf die Ränge.
Die Bochumer Seite ist recht ansprechend gefüllt. Der VfL startet
furios in die zweite Halbzeit und Lars hofft auf eine Steigerung gegenüber
der ersten. Die soll aus VfL-Sicht nämlich ziemlich bescheiden
gewesen sein.
Bochum kann den Druck nicht aufrecht erhalten und Braunschweig spielt
wieder munter mit. Einige gute Möglichkeiten auf beiden Seiten.
Das Braunschweiger Publikum kann ganz schön Krach machen, fällt
dem Law auf.
Noch mehr fällt ihm allerdings ein junger Mann (oder älteres
Kind) auf, der schräg hinter ihm deutliche Probleme hat, seine
Gesichtszüge und den Inhalt seiner zwei Bierbecher unter Kontrolle
zu halten. Lars warnt den Kasper. Er weiß, dass dieser nicht drauf
steht, wenn ihm ein Fremder plötzlich von hinten in den Nacken
bricht.
Nachdem der junge Mann seine Becher geleert hat (nicht dass er viel
davon getrunken hätte) verlässt er unsere Freunde kurz, kehrt
aber bald mit einem frisch gefüllten Humpen zurück. Das Law
fragt ihn ehrlich besorgt, welch verantwortungsloser Mensch ihm den
ganzen Alkohol verkaufen würde. Der junge Mann zuckt - Unwissenheit
vortäuschend - mit den Achseln.
Das Spiel endet 0:0 und Lars begiebt sich, wie viele andere auch zum
Bus. Dabei geht er noch kurz über "Los" und kassiert
seine Akkus ein (er sucht und findet sie selbst, denn Ette an der Kiste
ist nicht fähig, seine wiederaufladbaren Batterien anhand eines
Aufklebers mit 4stelliger Nummer zu erkennen).
Am Bus trifft das Law erneut auf den Dämon und die beiden verquatschen
sich etwas. Für den freundlichen Ultra mit dem unfreundlichen Namen
etwas zu lange, denn diesmal wartet seine Truppe nicht auf ihn.
Hilfsbereit, wie die Treuen sind, kümmern sie sich um den verwaisten
Menschen und nehmen ihn gastfreundlich in ihr Gefährt auf (übrigens:
so richtig prall gefüllt waren die Reifen auch bei diesem Bus nicht,
dafür war der treulose Rest vom Beginn der Reise nun wieder mit
an Bord).
Ein wenig Ärger kommt auf, weil die Treuen auf ihre angestammten
Plätze der Hinfahrt (vor dem Skandal) beharren. Einige fühlen
sich hierdurch diskriminiert, aufgeweckt oder sonstwas. Das Law führt
ein brisantes Gespräch und beseitigt endgültig alle Klarheiten,
oder so. Interessiert auch keinen!
Moppel tritt ihm zeitweise seinen Platz ab, so dass Law und Dämon
noch etwas über die Bochumer Fanszene filosofieren können.
Nach stundenlangen Gesprächen kommen sie auf einen gemeinsamen
Nenner, der hier grob zusammengefasst werden soll: Die Treuen und die
Ultras sind die coolsten Säue in der Fanszene! Hä hä,
war nur Spass. Nicht ernstnehmen, nicht aufregen.
Na ja, die beiden sind sooo nüchtern nun auch nicht mehr ;-)
Die Fahrt vergeht, man verkürzt sich die Zeit mit Schlaf, Trank
und kurzweiligem Palaver, bis man die heimatlichen Gefilde schließlich
erreicht.
Am Bahnhof trifft man auf mehrere Bekannte und Lars lernt einen weiteren
Ultra persönlich kennen, mit dem er bisher nur über VfL4u
ins Gespräch kam.
Dieser wird, wie sein Kollege, noch kurzerhand mit eingeladen, dem neuen
Treuen-Domizil einen Besuch abzustatten. Der Fahrer fährt, das
ist er ihnen allen schuldig!
In der Kneipe treffen so einige Treue und zwei Ultras (von denen einer
ununterbrochen mit seinem Handy zugange ist) ein und obgleich diese
nicht wirklich gut gefüllt, ehrlich gesagt komplett leer ist, gesellen
sie sich um einen winzigen Stehtisch, wo mit einem kurzfristig eingetroffenen
Roland der Abend für die meisten ausklingt.
Bilder gibt es in dieser Geschichte diesmal nicht, aber wenn jemand
sehen möchte, wie zunächst alle frohen Mutes sind, bis der
Reifen die Luft abließ, wie sie verloren an der Raststätte
stehen und einige wenige sich später reichlich Platz im Bus teilen,
wie das Law sich rührend um den verlorenen Sohn kümmert, während
dieser verzweifelt Freundin, Freunde o.ä. um Hilfe anruft usw.,
usw., dann klickt er hier.
Wer Bilder aus dem Stadion sehen möchte, klickt woanders!
Euer Chronist
das Law
P.S.: Diese Tour ist Kasis Premiere als Organisator gewesen. Ein Schelm,
wer Böses dabei denkt ;-)
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