11.12.04 VfL Bochum-Hamburger SV und Weihnachtsfeier

Tja, da stand es also an, das finale Spiel einer bis dahin völlig verkorksten Hinrunde.
Der Hamburger SV war der letzte Gegner in diesem Jahr und ich war ehrlich gesagt schon vor dem Match ganz glücklich, dass mir nun erst einmal ein paar Wochen der (Fußball-) Ruhe bevorstehen.
Auch wenn ich hoffte, unser Team würde wenigstens zum Abschluss noch den dringend benötigten Sieg einfahren, so kreisten meine Gedanken dennoch in erster Linie um die am Abend anstehende Weihnachtsfeier des Fanclubs.
Da die Feier diesmal von einem eigens gebildeten Komitee organisiert wurde und auch an anderem Ort als gewöhnlich stattfinden sollte, stellten sich mir im Vorfeld doch einige Fragen:
Ist das Vereinsheim einer Schrebergartenkolonie der geeignete Ort für eine weihnachtlich-besinnliche Zusammenkunft?
Würden wir wieder bis zur Besinnungslosigkeit den Klassikern Bingo und Tombola frönen?
Würde ich im Sack endlich mein großes Glück erkrabbeln?
Und hat das Komitee einen Weihnachtsmann bestellt, der sich dann als die von mir seit Ewigkeiten geforderte Stripperin entpuppt?
Fragen über Fragen, zu deren Beantwortung wir später kommen. Noch befand ich mich schließlich im Stadion...nur...ehrlich gesagt, habe ich nicht wirklich Lust, über diesen erneuten Reinfall noch großartig etwas zu schreiben.
Naja, in aller gebotenen Kürze: Das Spiel war Scheiße, obwohl in dieser Saison schon schlimmer gespielt wurde, und sie ham wieder verloren (2:1).
Das Drumherum war eigentlich auch wie immer:
Auf Bochumer Seite war die Stimmung so lala (übrigens meinte ich auch vereinzelte "Neururer raus!"-Rufe vernommen zu haben). Am lautesten war noch das tragikomische "Wir steigen auf, wir steigen ab und zwischendurch UEFA-Cup"-Lied, welches nach 2:0 Rückstand skandiert wurde. PN fand das, so war im Nachhinein zu vernehmen, irgendwie nicht so toll.
Ich find's witzig (auch wenn es eigentlich traurig ist), und ein gewisser Wahrheitsgehalt lässt sich ja auch nicht verleugnen.
Jedenfalls zeigte das Plakat, welches vom Team vor Beginn hochgehalten wurde, nicht unbedingt die gewünschte Wirkung. "Gemeinsam schaffen wir das!" fand ich persönlich jetzt auch nicht sooo toll. Hatte irgendwie für mich schon was depressives.
Die Hamburger waren mal wieder recht zahlreich vertreten, konnten aber auch nicht an die gewohnte Lautstärke aus den Vorjahren anknüpfen.
Ich hatte es jedenfalls recht gemütlich, was vielleicht auch an meiner zuvor im Fanshop erworbenen Wollmütze lag.Mit Getränken hielten wir uns allgemein etwas zurück, wollten wir doch ein oder zwei Stündchen der Weihnachtsfeier mit halbwegs klarem Kopf erleben. Schweppes übertrieb in meinen Augen die Zurückhaltung ein wenig - ganz abgesehen davon, dass Kaffee in höherem Alter nur maßvoll oder in der Schonversion genossen werden sollte.
Einigen Hamburgern, die sich in Block A verirrt hatten, hätte dieses Getränk allerdings gut getan. Lautstark und vollsteif präsentierten sie sich und als nach dem 2:0 die Provokationen unerträglich zunahmen, hätte es beinahe ein Revival des legendären Buchstabenverkäufers gegeben. Schön, dass solche Schreihälse ungestraft ihrer Passion nachgehen können - Polizei und Ordnungsdienst passen schon auf, dass diesen Affen nix passiert. Gott sei Dank hatten sie dann irgendwann doch ein Einsehen und geleiteten die Trunkenbolde aus dem Block in einen anderen Bereich des Stadions, der für sie angemessener war.
Geiler fand ich da schon den Disput zwischen zwei Bochumern auf der Toilette. Worum es ging, weiß ich auch nicht genau - drängeln oder so - aber dass der eine (nicht älter als ich, eher jünger) großen Wert darauf legte, von dem anderen (in etwa gleiches Alter) nicht geduzt zu werden, hatte schon was skurriles. Ich hab's bisher auf jeden Fall noch nie erlebt, dass sich bei Zoff unter VfLern im Stadion gesiezt wird. Mein Pinkelnachbar war da auch ganz meiner Meinung und gab mir grinsend Bestätigung.
Ich traf zwischendurch übrigens auf einen größeren Trupp blau-weißer Freunde von Block A, die sich offensichtlich nicht für das Spiel unserer Helden interessierten und mich zwangen, ihre Fähigkeiten im Grölen schlimmer kölscher Folklore zu bewundern. Batkes prahlte noch mit seiner neuesten Errungenschaft aus dem Bereich digitaler Fototechnik, machte aber keinerlei Anstalten, mir meinen alten Apparat zurückzugeben. Was solls? Ich hab ja auch ne neue, wenn auch lange nicht so tolle, Kamera.
Das Spiel war dann auch irgendwann vorbei, wieder nicht gewonnen, überwintern auf einem Abstiegsplatz. Blöd, aber leider nicht zu ändern.
Wir beobachteten kurz einige Bochumer Spieler, wie sie ihre Trikots ins Publikum warfen und die Hamburger, wie sie einen Freudentanz auf unserem Rasen vollführten, beschlossen dann, dass das alles irgendwie doof ist und es Zeit wäre, uns die Minuten bis zur Feier, mit einenem Bierchen im 1848 zu verschönern.
Die Auffassungen über Heftigkeit und Dauer dieser Zeitverschönerung gingen bei einigen leicht auseinander, sodass in kleineren Trüppchen, zu unterschiedlichen Zeiten, der Weg zum Festraum angetreten wurde.
Dieser war von hilfsbereiten Wichteln und Wichtelinnen aufs Prächtigste dekoriert worden und bereits recht gut besucht. Die ersten Getränke wurden noch ungezwungen und bei nettem Plausch an der Theke eingenommen, bevor wir langsam aber sicher zum offiziellen Teil des Abends übergingen.
Fragt mich bitte nicht, was jetzt genau in welcher Reihenfolge stattfand, darauf kommt es auch gar nicht an.
Zunächst ist festzuhalten, dass an diesem Abend auch die Prominenz den Weg zu unserem besinnlichen Beisammensein nicht scheute: Ralf Zenger vom Bochumer Fanprojekt war wie immer unser Ehrengast und der von ihm verbreitete Glanz in unserer Hütte wurde nur durch die Anwesenheit von "Funny" Heineman und "Zwetschge" Misimovic übertroffen. Wobei letzterer eine gewisse Ähnlichkeit mit einem Sänger namens Ben zumindest an diesem Abend nicht leugnen konnte.
Nachdem reichlich geredet und begrüßt wurde, kamen wir zum ersten echten Hightlight des Tages, dem allseits beliebten Krabbelsack.
Ich erwischte diesmal wieder nicht das große Glück, aber immerhin ein Geschenkset mit einem Glas und zwei Flaschen Potts Landbier, wobei eine der beiden Löten bereits undicht war. Selbst war diesmal auch nicht gerade der Brüller aller Geschenke eingefallen - eine DVD vom "Texas Kettensägenmassaker" war auch nicht gerade ein Zeugnis der hohen Kunst des Krabbelsackschenkens. Immerhin, weil wir uns gerade in einer so friedlich-besinnlichen Zeit befinden, habe ich mich für die wesentlich günstigere FSK 16-Version entschieden. Die macht gerade bei diesem Film so wundervoll Sinn.
Auch sonst waren wieder einige echte Brüller im Sack:
Zörnchen gewann ein nettes Fiegeschild mit kleinen Lämpchen weihnachtlich beleuchtet, ein hübscher Weinflaschenhalter, auf für andere Zwecke zu gebrauchen, war dabei und Star des Abends war diesmal der "Macho Man", der zu gleichnamigem Lied den Leopardenmantel öffnete und aufreizend sein Glied vibrieren ließ. Wie immer war der Krabbelsack eine angenehme Mischung aus Hintersinnigem, feingeistigem Humor, Nutzvollem und totalem Schachsinn:
Die Mädels bekamen übrigens iheren eigenen Sack und ich vermute, dass mein Schätzchen ihre Enthaarungscreme aus eben diesem gezogen oder getauscht hat. Martin und ich freuten uns jedenfalls riesig, da so eine weitere Saison glatter, haarloser Pöter in Block A gesichert werden kann.
Irgendwann, nachdem die Geschenke getauscht und/oder überschwenglich bejubelt wurden, ging es an die Fütterung der Raubtiere.Das Buffet war eröffnet! Genau kann ich nicht sagen, was es alles gab und ob es überhaupt einer meiner angekreuzten Wünsche auf den reich gedeckten Tisch geschafft hat, aber letztendlich ist es auch egal, denn es hat geschmeckt und alle wurden dicke satt. Später wurden auch noch kleine Ferkeleien nachgereicht.
Ich glaube, dass im Anschluss an die Völlerei unser jährliches Geschenk an die Mitglieder vorgestellt wurde. Vorgestellt, weil unser neuester Beitrag zur optischen Bereicherung der Fanszene leider noch nicht ganz fertiggestellt war. Jedenfalls nicht in ausreichender Menge und Größe. Aber zwei Anschauungsobjekte gab es schon, die dann von erfahrenen Models vomFanclub und vom VfL professionell präsentiert wurden.
Echt coole Joppen hat der Vorstand da bestellt. Ich, der immer was zu meckern hat, hätte sie lieber ohne Wappengenommen, ist aber reine Geschmackssache. Nichtsdestotrotz gefallen die Dinger sehr gut, wenn ich sie in passender Größe bekomme und mir nicht wieder anhören muss, ich sehe aus, wie das Sams.Ansonsten: Wirklich schicker Fummel, der auch unseren beiden Gästen vom Team als Präsent überreicht wurde.
Bingo stand an - einer der ganz besonders wichtigen Bräuche zur Weihnachtszeit. Wie immer zog sich die Angelegenheit ziemlich lange hin, aber sie lohnte sich ausnahmsweise mal. Man höre und staune, zwar nicht das Law himself, aber immerhin dem Law seine Gattin griff den Hauptpreis ab: Ein Gutschein für ein BL-Spiel des VfL mit Besuch des VIP-Bereichs im Morrizz. Zwar nur für eine Person, was die Angelegenheit verkompliziert, aber immerhin. Ich staune jedenfalls, dass Fortuna auch mal ihr Füllhorn auf meiner Seite des Tisches ausgeschüttet hat.
Wer Platz zwei holte weiß ich nicht mehr genau (Macke?), ist aber auch egal, da Blumis Caroline als Dritte "Bingo" rufen konnte und ich so den Abend zwischen zwei Siegerinnen verbrachte. Ich meine, Platz zwei und drei waren je eine Brauereiführung bei Fiege.
Damit war für diesen Abend aber noch lange nicht Schluss mit Geschenken und Preisen, denn es begann die ebenfalls traditionelle Tombola.
Wer hier was gewonnen hat entzieht im Großen und Ganzen meiner Kenntnis. Klar ist, ich habe gemogelt, indem ich meiner Frau meine Gewinnlose gab und behauptet habe, ich hätte nur Nieten gezogen (haben andere bestimmt auch gemacht), was aber auch egal ist, da am Ende immer noch reichlich Lose wie Sauerbier angeboten wurden und ich durch Gewinn der von mir gespendeten Schmersal-Werbegeschenke bestraft wurde.
Die Verlosung zog sich dann leider etwas lange hin, sodass nach Beendigung bei den meisten Anwesenden Aufbruchstimmung herrschte. Schade, denn wir hatten uns u.a. für einen solchen Raum entschieden, damit auch mal ein bisschen mehr Party gemacht werden kann und wir nicht nur an den Tischen sitzen müssen. Ganz so extrem war es diesmal auch wirklich nicht und selbst wenn, ist das auch das einzige, was an diesem Abend nicht ganz so toll war.
Ansonsten gilt den den Organisatoren höchstes Lob und Anerkennung. Vielen Dank für Arbeit und Mühe (allen Helfern natürlich auch) und macht es beim nächsten Mal wieder so gut.
Einen ganz herzlichen Dank übrigens auch an Ivi für die freundliche und schnelle Bedienung. Bei mir hat's auf alle Fälle für ne ordentliche Bettschwere gereicht.

Jetzt noch eine schnelle Entschuldigung, für die erneute Verzögerung. Aber persönliche und technische Unpässlichkeiten zwangen mich zu dieser Verspätung.

Bis dahin wünsche ich allen ein frohes, gesegnetes und besinnliches Weihnachtsfest und denen, die ich Silvester nicht treffen werde, einen guten Rutsch ins neue Jahr.
Euer Weihnachtslaw


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