|
Tja, da stand es also an, das finale Spiel einer bis dahin völlig
verkorksten Hinrunde.
Der Hamburger SV war der letzte Gegner in diesem Jahr und ich war ehrlich
gesagt schon vor dem Match ganz glücklich, dass mir nun erst einmal
ein paar Wochen der (Fußball-) Ruhe bevorstehen.
Auch wenn ich hoffte, unser Team würde wenigstens zum Abschluss
noch den dringend benötigten Sieg einfahren, so kreisten meine
Gedanken dennoch in erster Linie um die am Abend anstehende Weihnachtsfeier
des Fanclubs.
Da die Feier diesmal von einem eigens gebildeten Komitee organisiert
wurde und auch an anderem Ort als gewöhnlich stattfinden sollte,
stellten sich mir im Vorfeld doch einige Fragen:
Ist das Vereinsheim einer Schrebergartenkolonie der geeignete Ort für
eine weihnachtlich-besinnliche Zusammenkunft?
Würden wir wieder bis zur Besinnungslosigkeit den Klassikern Bingo
und Tombola frönen?
Würde ich im Sack endlich mein großes Glück erkrabbeln?
Und hat das Komitee einen Weihnachtsmann bestellt, der sich dann als
die von mir seit Ewigkeiten geforderte Stripperin entpuppt?
Fragen über Fragen, zu deren Beantwortung wir später kommen.
Noch befand ich mich schließlich im Stadion...nur...ehrlich gesagt,
habe ich nicht wirklich Lust, über diesen erneuten Reinfall noch
großartig etwas zu schreiben.
Naja, in aller gebotenen Kürze: Das Spiel war Scheiße, obwohl
in dieser Saison schon schlimmer gespielt wurde, und sie ham wieder
verloren (2:1).
Das Drumherum war eigentlich auch wie immer:
Auf
Bochumer Seite war die Stimmung so lala (übrigens meinte ich auch
vereinzelte "Neururer raus!"-Rufe vernommen zu haben). Am
lautesten war noch das tragikomische "Wir steigen auf, wir steigen
ab und zwischendurch UEFA-Cup"-Lied, welches nach 2:0 Rückstand
skandiert wurde. PN fand das, so war im Nachhinein zu vernehmen, irgendwie
nicht so toll.
Ich find's witzig (auch wenn es eigentlich traurig ist), und ein gewisser
Wahrheitsgehalt lässt sich ja auch nicht verleugnen.
Jedenfalls zeigte das Plakat, welches vom Team vor Beginn hochgehalten
wurde, nicht unbedingt die gewünschte Wirkung. "Gemeinsam
schaffen wir das!" fand ich persönlich jetzt auch nicht sooo
toll. Hatte irgendwie für mich schon was depressives.
Die Hamburger waren mal wieder recht zahlreich vertreten, konnten aber
auch nicht an die gewohnte Lautstärke aus den Vorjahren anknüpfen.
Ich hatte es jedenfalls recht gemütlich, was vielleicht auch an
meiner zuvor im Fanshop erworbenen Wollmütze lag. Mit
Getränken hielten wir uns allgemein etwas zurück, wollten
wir doch ein oder zwei Stündchen der Weihnachtsfeier mit halbwegs
klarem Kopf erleben. Schweppes übertrieb in meinen Augen die Zurückhaltung
ein wenig - ganz abgesehen davon, dass Kaffee in höherem Alter
nur maßvoll oder in der Schonversion genossen werden sollte.
Einigen Hamburgern, die sich in Block A verirrt hatten, hätte dieses
Getränk allerdings gut getan. Lautstark und vollsteif präsentierten
sie sich und als nach dem 2:0 die Provokationen unerträglich zunahmen,
hätte es beinahe ein Revival des legendären Buchstabenverkäufers
gegeben. Schön, dass solche Schreihälse ungestraft ihrer Passion
nachgehen können - Polizei und Ordnungsdienst passen schon auf,
dass diesen Affen nix passiert. Gott sei Dank hatten sie dann irgendwann
doch ein Einsehen und geleiteten die Trunkenbolde aus dem Block in einen
anderen Bereich des Stadions, der für sie angemessener war.
Geiler fand ich da schon den Disput zwischen zwei Bochumern auf der
Toilette. Worum es ging, weiß ich auch nicht genau - drängeln
oder so - aber dass der eine (nicht älter als ich, eher jünger)
großen Wert darauf legte, von dem anderen (in etwa gleiches Alter)
nicht geduzt zu werden, hatte schon was skurriles. Ich hab's bisher
auf jeden Fall noch nie erlebt, dass sich bei Zoff unter VfLern im Stadion
gesiezt wird. Mein Pinkelnachbar war da auch ganz meiner Meinung und
gab mir grinsend Bestätigung.
Ich traf zwischendurch übrigens auf einen größeren Trupp
blau-weißer Freunde von Block A, die sich offensichtlich nicht
für das Spiel unserer Helden interessierten und mich zwangen, ihre
Fähigkeiten im Grölen schlimmer kölscher Folklore zu
bewundern. Batkes prahlte noch mit seiner neuesten Errungenschaft aus
dem Bereich digitaler Fototechnik, machte aber keinerlei Anstalten,
mir meinen alten Apparat zurückzugeben. Was solls? Ich hab ja auch
ne neue, wenn auch lange nicht so tolle, Kamera.
Das Spiel war dann auch irgendwann vorbei, wieder nicht gewonnen, überwintern
auf einem Abstiegsplatz. Blöd, aber leider nicht zu ändern.
Wir beobachteten kurz einige Bochumer Spieler, wie sie ihre Trikots
ins Publikum warfen und die Hamburger, wie sie einen Freudentanz auf
unserem Rasen vollführten, beschlossen dann, dass das alles irgendwie
doof ist und es Zeit wäre, uns die Minuten bis zur Feier, mit einenem
Bierchen im 1848 zu verschönern.
Die Auffassungen über Heftigkeit und Dauer dieser Zeitverschönerung
gingen bei einigen leicht auseinander, sodass in kleineren Trüppchen,
zu unterschiedlichen Zeiten, der Weg zum Festraum angetreten wurde.
Dieser
war von hilfsbereiten Wichteln und Wichtelinnen aufs Prächtigste
dekoriert worden und bereits recht gut besucht. Die ersten Getränke
wurden noch ungezwungen und bei nettem Plausch an der Theke eingenommen,
bevor wir langsam aber sicher zum offiziellen Teil des Abends übergingen.
Fragt mich bitte nicht, was jetzt genau in welcher Reihenfolge stattfand,
darauf kommt es auch gar nicht an.
Zunächst ist festzuhalten, dass an diesem Abend auch die Prominenz
den Weg zu unserem besinnlichen Beisammensein nicht scheute: Ralf Zenger
vom Bochumer Fanprojekt war wie immer unser Ehrengast und der von ihm
verbreitete Glanz in unserer Hütte wurde nur durch die Anwesenheit
von "Funny" Heineman und "Zwetschge" Misimovic übertroffen.
Wobei letzterer eine gewisse Ähnlichkeit mit einem Sänger
namens Ben zumindest an diesem Abend nicht leugnen konnte.
Nachdem
reichlich geredet und begrüßt wurde, kamen wir zum ersten
echten Hightlight des Tages, dem allseits beliebten Krabbelsack.
Ich erwischte diesmal wieder nicht das große Glück, aber
immerhin ein Geschenkset mit einem Glas und zwei Flaschen Potts Landbier,
wobei eine der beiden Löten bereits undicht war. Selbst war diesmal
auch nicht gerade der Brüller aller Geschenke eingefallen - eine
DVD vom "Texas Kettensägenmassaker" war auch nicht gerade
ein Zeugnis der hohen Kunst des Krabbelsackschenkens. Immerhin, weil
wir uns gerade in einer so friedlich-besinnlichen Zeit befinden, habe
ich mich für die wesentlich günstigere FSK 16-Version entschieden.
Die macht gerade bei diesem Film so wundervoll Sinn.
 Auch
sonst waren wieder einige echte Brüller im Sack:
Zörnchen gewann ein nettes Fiegeschild mit kleinen Lämpchen
weihnachtlich beleuchtet, ein hübscher Weinflaschenhalter, auf
für andere Zwecke zu gebrauchen, war dabei und Star des Abends
war diesmal der "Macho Man", der zu gleichnamigem Lied den
Leopardenmantel öffnete und aufreizend sein Glied vibrieren ließ.
Wie immer war der Krabbelsack eine angenehme Mischung aus Hintersinnigem,
feingeistigem Humor, Nutzvollem und totalem Schachsinn:
Die Mädels bekamen übrigens iheren eigenen Sack und ich vermute,
dass mein Schätzchen ihre Enthaarungscreme aus eben diesem gezogen
oder getauscht hat. Martin und ich freuten uns jedenfalls riesig, da
so eine weitere Saison glatter, haarloser Pöter in Block A gesichert
werden kann.
Irgendwann, nachdem die Geschenke getauscht und/oder überschwenglich
bejubelt wurden, ging es an die Fütterung der Raubtiere. Das
Buffet war eröffnet! Genau kann ich nicht sagen, was es alles gab
und ob es überhaupt einer meiner angekreuzten Wünsche auf
den reich gedeckten Tisch geschafft hat, aber letztendlich ist es auch
egal, denn es hat geschmeckt und alle wurden dicke satt. Später
wurden auch noch kleine Ferkeleien nachgereicht.
Ich glaube, dass im Anschluss an die Völlerei unser jährliches
Geschenk an die Mitglieder vorgestellt wurde. Vorgestellt, weil unser
neuester Beitrag zur optischen Bereicherung der Fanszene leider noch
nicht ganz fertiggestellt war. Jedenfalls nicht in ausreichender Menge
und Größe. Aber zwei Anschauungsobjekte gab es schon, die
dann von erfahrenen Models vomFanclub und vom VfL professionell präsentiert
wurden.
Echt coole Joppen hat der Vorstand da bestellt. Ich, der immer was zu
meckern hat, hätte sie lieber ohne Wappengenommen, ist aber reine
Geschmackssache. Nichtsdestotrotz gefallen die Dinger sehr gut, wenn
ich sie in passender Größe bekomme und mir nicht wieder anhören
muss, ich sehe aus, wie das Sams. Ansonsten:
Wirklich schicker Fummel, der auch unseren beiden Gästen vom Team
als Präsent überreicht wurde.
Bingo stand an - einer der ganz besonders wichtigen Bräuche zur
Weihnachtszeit. Wie immer zog sich die Angelegenheit ziemlich lange
hin, aber sie lohnte sich ausnahmsweise mal. Man höre und staune,
zwar nicht das Law himself, aber immerhin dem Law seine Gattin griff
den Hauptpreis ab: Ein Gutschein für ein BL-Spiel des VfL mit Besuch
des VIP-Bereichs im Morrizz. Zwar nur für eine Person, was die
Angelegenheit verkompliziert, aber immerhin. Ich staune jedenfalls,
dass Fortuna auch mal ihr Füllhorn auf meiner Seite des Tisches
ausgeschüttet hat.
Wer Platz zwei holte weiß ich nicht mehr genau (Macke?), ist aber
auch egal, da Blumis Caroline als Dritte "Bingo" rufen konnte
und ich so den Abend zwischen zwei Siegerinnen verbrachte. Ich
meine, Platz zwei und drei waren je eine Brauereiführung bei Fiege.
Damit war für diesen Abend aber noch lange nicht Schluss mit Geschenken
und Preisen, denn es begann die ebenfalls traditionelle Tombola.
Wer hier was gewonnen hat entzieht im Großen und Ganzen meiner
Kenntnis. Klar ist, ich habe gemogelt, indem ich meiner Frau meine Gewinnlose
gab und behauptet habe, ich hätte nur Nieten gezogen (haben andere
bestimmt auch gemacht), was aber auch egal ist, da am Ende immer noch
reichlich Lose wie Sauerbier angeboten wurden und ich durch Gewinn der
von mir gespendeten Schmersal-Werbegeschenke bestraft wurde.
Die Verlosung zog sich dann leider etwas lange hin, sodass nach Beendigung
bei den meisten Anwesenden Aufbruchstimmung herrschte. Schade, denn
wir hatten uns u.a. für einen solchen Raum entschieden, damit auch
mal ein bisschen mehr Party gemacht werden kann und wir nicht nur an
den Tischen sitzen müssen. Ganz so extrem war es diesmal auch wirklich
nicht und selbst wenn, ist das auch das einzige, was an diesem Abend
nicht ganz so toll war.
Ansonsten gilt den den Organisatoren höchstes Lob und Anerkennung.
Vielen Dank für Arbeit und Mühe (allen Helfern natürlich
auch) und macht es beim nächsten Mal wieder so gut.
Einen ganz herzlichen Dank übrigens auch an Ivi für die freundliche
und schnelle Bedienung. Bei mir hat's auf alle Fälle für ne
ordentliche Bettschwere gereicht.
Jetzt noch eine schnelle Entschuldigung, für die erneute Verzögerung.
Aber persönliche und technische Unpässlichkeiten zwangen mich
zu dieser Verspätung.
Bis dahin wünsche ich allen ein frohes, gesegnetes und besinnliches
Weihnachtsfest und denen, die ich Silvester nicht treffen werde, einen
guten Rutsch ins neue Jahr.
Euer Weihnachtslaw
|