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Zu diesem Termin an einem Sonntag konnten sich, aufgrund eigener sportlicher
Aktivitäten und beruflich bedingt oder auch aus anderen Gründen,
nur drei Treue aufmachen den VfL in die Pfalz zu begleiten. Moppel zog
aus gesundheitlichen Gründen heute das Auto einer Zugfahrt vor
und so waren Macke und ich diejenigen, welche dann den BOZ wählten.
Treffpunkt für uns sollte um 10 Uhr im ehemaligen WaM und jetzigen
Bummelzug sein, und da ich mit kurzer Verspätung eintraf, standen
nach telefonischer Vorbestellung bei meinem Eintreffen bereits ein großes
Radler und ein Fernet Branca für mich bereit. Macke hatte noch
seinen Sitzplatznachbarn Holger mitgebracht und so machten wir uns daran
unsere Getränke zu leeren und uns gedanklich auf die Fahrt vorzubereiten.
In dem Moment klingelte Mackes Handy und der Kaddy meldete sich, dass
er gerade kurzfristig noch eine Zugkarte über Marwan erhalten hätte
und gleich da wäre. Respekt - um 10 Uhr noch am Frühstückstisch
und dann spontan eine halbe Stunde später am HBF Richtung Lautern.
Dann gings auch schon Richtung Bahnsteig und der ICE Richtung München
wurde geentert, leider verpassten wir den zeitigen Einstieg (bei den
Treuen allerdings kein Novum) und konnten so keine zusammenhängenden
Sitzplätze mehr ergattern. So gesellten wir uns zu Magic-Marcus,
Jan und Matthias welche im Eigangsbereich die Getränkversorgung
der BOZ-Reisenden überwachten. Hatte natürlich auch Vorteile,
so direkt an der Quelle, allerdings wäre ein fahrbarer Kühlschrank
auch mal eine Überlegung wert ;-).
Ungefähr 60 Bochumer fuhren mit dem BOZ, darunter auch eine Handvoll
sehr, sehr junger VfL-Fans. Irgendwann stieg dann ein älterer Herr
mit Kapitänsmütze ein, der sich zu uns stellte und einfach
gut drauf war. Das angebotene Bier schlug er aufgrund seiner Leberzirrhose
zwar aus, aber sein tägliches Radler nahm er dann heute von Moritz
Fiege zu sich. Als wir dann in Mannheim umsteigen mussten und sein Weg
ihn weiter in seine bayrische Heimat führte, drückte er uns
noch beide Daumen für einen Sieg in Lautern und auf dem "Schlachtfeld"
und merkte noch an, dass, wenn er seine Reisetasche nicht bei hätte,
er uns spontan noch begleitet hätte. Also wirklich gut drauf der
alte Herr.
Also wir mussten umsteigen und damit erst mal die Fiege-Kästen
durch den Bahnhof zum anderen Gleis tragen. Nachdem auch dieser Gewaltakt
vollbracht und bis zur Weiterfahrt noch reichlich Zeit war, suchten
Magic-Marcus, Macke und ich erst mal die Bahnhofskneipe. Nun, diese
gab es scheinbar nicht und so durchkämmten wir das Umfeld des Bahnhofs,
aber auch hier war auf den ersten Blick nichts zu sehen und langsam
lief uns die Zeit davon. Aber dann doch noch in Sichtweite eine Mischung
aus italienischer Eisdiele und einem Restaurant mit einer Theke drin.
Schnell reingehockt, Bier bestellt und die Toiletten aufgesucht. Gezahlt,
getrunken und einen schnellen Marsch Richtung unserer S-Bahn, die uns
weiter nach Lautern bringen sollte, vorgelegt. Diese stand schon bereit
und so hoffte ich bald am Ziel zu sein. Allerdings hätte ich vorher
mal auf den Fahrplan schauen sollen, denn die Bahn hielt in jedem Kuhdorf
und überall stiegen Lauterer Fans zu. Irgendwie hatte das schon
eine gewisse Ähnlichkeit mit der Fahrt in der 302 von Bochum nach
Gelsenkirchen.
Anfangs war die Bahn entspannt gefüllt mit Bochumern und normalen
Menschen und nach und nach stiegen immer mehr Leute der Sonderklasse
zu, Höhepunkt war dann ein Fan-Club, der komplett rote Joggingbuxen
anhatte. Na ja, man ist ja eigentlich auch unter sich dort. Zudem machte
sich ein Problem bei mir bemerkbar, das eigentlich auch jeder Bochumer
von der Straßenbahnfahrt nach GE kennen dürfte: die Einfuhrmenge
an Flüssigkeit überschreitet deutlich das Fassungsvermögen
der Blase. Da die Bahn jetzt überfüllt war und ich nicht den
Bock hatte, mich durch den ganzen Waggon zu quetschen und auch nicht
mehr in der Lage gewesen wäre, mit dem Schließmuskel meiner
Blase irgendwelche Kompromisse einzugehen, dachte ich schon einige Male
daran den Zug bei der nächsten Station zu verlassen und eine halbe
Stunde später die nächste Bahn zu nehmen. Die letzten zwanzig
Minuten versuchte ich mich irgendwie abzulenken und nicht ans pinkeln
zu denken. Gar nicht auszudenken, wenn es auch noch geregnet hätte.
Nach einer Stunde Fahrtzeit erreichten wir dann endlich den Lauterer
HBF und nachdem ich mich vorher bei Pfälzern erkundigt hatte, wo
denn im Bahnhof die Örtlichkeiten wären, stürmte ich
als erster den Bahnsteig hinunter Richtung WC. Dieses dann erreicht,
war dort dann so ein verfluchtes Drehkreuz, welches 50 Cent haben wollte
- und welche ich nicht hatte. In höchster Not den Geldwechsler
entdeckt, ja, und danach war der Tag für mich eigentlich schon
gerettet. Dann die anderen wieder gefunden und mit ca. 10 Leuten Richtung
Altstadt um ein gemütliches Bierlokal zu finden.
Aus der ersten Kneipe an der wir vorbeiliefen, kamen dann einige Lauterer
raus und riefen "Ruhrpottkanaken" und ähnlich böse
Beschimpfungen. Achselzuckend liefen wir dann weiter durch diese uns
so bös gesonnenen Gefilde. Einige hundert Meter weiter kehrten
wir dann in eine recht gemütliche Kneipe ein, die gar nicht gut
gefüllt war. Bei Trank und teilweise Speis verbrachten wir eine
sehr unterhaltsame Zeit dort. Nicht so angenehm waren die Ergebnisse,
die aus der Lohrheide gesendet wurden. Unsere Amateure haben in WAT
einen über den Sack bekommen, aber zumindest hat die A-Jugend vorher
mal wieder gewonnen. Aber dann rief der Berg und wir bestellten Taxis
um selbigen zu erklimmen.
Das erste kam dann auch, aber das zweite, ein Großraumtaxi, ließ
auf sich warten. Also wieder rein in die Kneipe um noch mal nachzuhaken.
Als die Bedienung dann mal eine andere Telefonnummer probierte, saß
die antwortende "Taxizentrale" in unserer Kneipe an einem
Tisch. "Ich nehm die Jungs so mit, liegt sowieso auf meinem Weg"
war die Antwort des Mannes dann. Nun, er wird schon wissen wie er uns
alle in sein Auto kriegt, dachte ich mir und taperte mit den anderen
hinterher. Also er wusste es wirklich, denn er hatte dort einen kleinen
Reisebus stehen.
Wie bei Treuen-Fahrten üblich nahmen Macke und ich die vorderen
Plätze hinter dem Fahrer ein, Kaddi saß neben ihm und spielte
über Mikrophon den Reiseführer, und erkannte sogar die Fritz-Walter-Elf,
nur leider war kein Bier im Kühlschrank. Aber ansonsten echt witzig.
Da der Fahrer keinen festen Fahrpreis nannte, sammelten wir wie auf
Auswärtsfahrten üblich mit der Mütze. Leider konnten
wir dann aber nicht bis vor den Bochumer Block fahren und mussten so
noch einmal um das halbe Stadion laufen um unsere Plätze zu erreichen.
Dort nahmen wir recht schnell unsere Sitzplätze ein, begrüßten
das Commando und warteten gespannt auf das Auftreten unserer Elf. Im
Stehplatzbereich gab es dann reichlich Rauch, was zwar die Ordnungskräfte
und Polizei auf den Plan rief, aber Festnahmen gab es glaub ich keine.
500-600 Bochumer haben sich dann doch in der Pfalz eingefunden.
Unserem Team merkte man doch den Willen hier zu siegen an und so gingen
wir auch nicht unverdient mit einer 1:0 Führung durch einen wieder
mal abgefälschten Schuss durch Maltritz in die Halbzeit. In Durchgang
zwei dann eine etwas stärkere Lauterer Elf, die aber eines (allerdings
gerechtfertigten) Elfmeters bedurfte, um auszugleichen. Dann aber wiederum
die Bochumer Führung durch einen wunderschönen Heber von Diabang.
Die Situation kam zwar etwas glücklich zustande, aber wen interessiert
es. Der Vorsprung wurde über die Zeit gerettet und Bochum gewann
etwas glücklich, aber nicht unverdient. Hätte unsere Mannschaft
in der Hinrunde oder auch zu Beginn der Rückrunde öfter so
einen Einsatz geboten, hätten wir jetzt mit Sicherheit einige Sorgenfalten
weniger. Zumindest können wir jetzt wieder hoffen, auch wenn das
rettende Ufer noch weit entfernt ist. Ach ja, am Betze wird weiter ziemlich
gewerkelt, zur Zeit hat man der Westkurve mal eben das Dach abgenommen
und insgesamt ist von dem Hexenkessel, der dieses Stadion noch vor 10-15
Jahren war, nicht mehr viel geblieben.
Nach dem Spiel gingen Macke und ich dann den Berg wieder hinunter Richtung
Innenstadt, wir hatten die anderen in dem Gewühl verloren, liefen
am Bahnhof vorbei und landeten so schließlich vor der Kneipe,
vor der man uns vorher so herzlich begrüßt hatte. Also nichts
wie rein dachten wir uns und noch eine Erfrischung zu uns nehmen. Gesagt,
getan, aber irgendwie war davon jetzt keiner in dem Lokal. Also zwei
Bier getrunken und dann Richtung Bahnhof.
Kaum waren wir aus dem Laden raus, kamen uns zwei Pfälzer entgegen,
die kräftig gegen einige Bochumer am HBF am Pöbeln waren.
Daraus ergab sich mit uns dann ein kleines Wortgefecht und ein wenig
Schubserei, aber bevor mehr passieren konnte, kamen einige Beamte und
drängten die Lauterer die Straße hinunter. Wir kehrten dann
in die Bahnhofsgastronomie ein, wo auch schon ein Teil der BOZ-Fahrer
verweilte. Pünktlich zur Abfahrt bestiegen wir dann den ICE Richtung
Mannheim und nach dem Umsteigen ging es weiter Richtung Heimat.
Macke nahm eine Auszeit und auch ich suchte mir ein freies Plätzchen
um ein wenig die Augen zu schließen. Das war aber wirklich nicht
lange und so vertrieben wir uns die weitere Zeit mit Gesprächen
und teilweise sinnlosen Gesängen. Mit einer halben Stunde Verspätung
erreichten wir dann Bochum und schnell trennten sich unsere Wege. Während
Macke den Weg in sein Bett suchte, da er vier Stunden später wieder
aufstehen musste, zog es mich noch auf einige Pils in den Freibeuter.
Danach noch ein Bier im Intershop, um dann doch endlich ein Taxi nach
Hause zu nehmen.
Eine ziemlich geile Auswärtsfahrt mit der verbleibenden Hoffnung,
doch noch die Klasse zu halten, fand somit ihr Ende.
Der Kasi
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