17.04.05 1. FC Kaiserslautern-VfL Bochum

Zu diesem Termin an einem Sonntag konnten sich, aufgrund eigener sportlicher Aktivitäten und beruflich bedingt oder auch aus anderen Gründen, nur drei Treue aufmachen den VfL in die Pfalz zu begleiten. Moppel zog aus gesundheitlichen Gründen heute das Auto einer Zugfahrt vor und so waren Macke und ich diejenigen, welche dann den BOZ wählten.
Treffpunkt für uns sollte um 10 Uhr im ehemaligen WaM und jetzigen Bummelzug sein, und da ich mit kurzer Verspätung eintraf, standen nach telefonischer Vorbestellung bei meinem Eintreffen bereits ein großes Radler und ein Fernet Branca für mich bereit. Macke hatte noch seinen Sitzplatznachbarn Holger mitgebracht und so machten wir uns daran unsere Getränke zu leeren und uns gedanklich auf die Fahrt vorzubereiten. In dem Moment klingelte Mackes Handy und der Kaddy meldete sich, dass er gerade kurzfristig noch eine Zugkarte über Marwan erhalten hätte und gleich da wäre. Respekt - um 10 Uhr noch am Frühstückstisch und dann spontan eine halbe Stunde später am HBF Richtung Lautern.
Dann gings auch schon Richtung Bahnsteig und der ICE Richtung München wurde geentert, leider verpassten wir den zeitigen Einstieg (bei den Treuen allerdings kein Novum) und konnten so keine zusammenhängenden Sitzplätze mehr ergattern. So gesellten wir uns zu Magic-Marcus, Jan und Matthias welche im Eigangsbereich die Getränkversorgung der BOZ-Reisenden überwachten. Hatte natürlich auch Vorteile, so direkt an der Quelle, allerdings wäre ein fahrbarer Kühlschrank auch mal eine Überlegung wert ;-).
Ungefähr 60 Bochumer fuhren mit dem BOZ, darunter auch eine Handvoll sehr, sehr junger VfL-Fans. Irgendwann stieg dann ein älterer Herr mit Kapitänsmütze ein, der sich zu uns stellte und einfach gut drauf war. Das angebotene Bier schlug er aufgrund seiner Leberzirrhose zwar aus, aber sein tägliches Radler nahm er dann heute von Moritz Fiege zu sich. Als wir dann in Mannheim umsteigen mussten und sein Weg ihn weiter in seine bayrische Heimat führte, drückte er uns noch beide Daumen für einen Sieg in Lautern und auf dem "Schlachtfeld" und merkte noch an, dass, wenn er seine Reisetasche nicht bei hätte, er uns spontan noch begleitet hätte. Also wirklich gut drauf der alte Herr.
Also wir mussten umsteigen und damit erst mal die Fiege-Kästen durch den Bahnhof zum anderen Gleis tragen. Nachdem auch dieser Gewaltakt vollbracht und bis zur Weiterfahrt noch reichlich Zeit war, suchten Magic-Marcus, Macke und ich erst mal die Bahnhofskneipe. Nun, diese gab es scheinbar nicht und so durchkämmten wir das Umfeld des Bahnhofs, aber auch hier war auf den ersten Blick nichts zu sehen und langsam lief uns die Zeit davon. Aber dann doch noch in Sichtweite eine Mischung aus italienischer Eisdiele und einem Restaurant mit einer Theke drin. Schnell reingehockt, Bier bestellt und die Toiletten aufgesucht. Gezahlt, getrunken und einen schnellen Marsch Richtung unserer S-Bahn, die uns weiter nach Lautern bringen sollte, vorgelegt. Diese stand schon bereit und so hoffte ich bald am Ziel zu sein. Allerdings hätte ich vorher mal auf den Fahrplan schauen sollen, denn die Bahn hielt in jedem Kuhdorf und überall stiegen Lauterer Fans zu. Irgendwie hatte das schon eine gewisse Ähnlichkeit mit der Fahrt in der 302 von Bochum nach Gelsenkirchen.
Anfangs war die Bahn entspannt gefüllt mit Bochumern und normalen Menschen und nach und nach stiegen immer mehr Leute der Sonderklasse zu, Höhepunkt war dann ein Fan-Club, der komplett rote Joggingbuxen anhatte. Na ja, man ist ja eigentlich auch unter sich dort. Zudem machte sich ein Problem bei mir bemerkbar, das eigentlich auch jeder Bochumer von der Straßenbahnfahrt nach GE kennen dürfte: die Einfuhrmenge an Flüssigkeit überschreitet deutlich das Fassungsvermögen der Blase. Da die Bahn jetzt überfüllt war und ich nicht den Bock hatte, mich durch den ganzen Waggon zu quetschen und auch nicht mehr in der Lage gewesen wäre, mit dem Schließmuskel meiner Blase irgendwelche Kompromisse einzugehen, dachte ich schon einige Male daran den Zug bei der nächsten Station zu verlassen und eine halbe Stunde später die nächste Bahn zu nehmen. Die letzten zwanzig Minuten versuchte ich mich irgendwie abzulenken und nicht ans pinkeln zu denken. Gar nicht auszudenken, wenn es auch noch geregnet hätte.
Nach einer Stunde Fahrtzeit erreichten wir dann endlich den Lauterer HBF und nachdem ich mich vorher bei Pfälzern erkundigt hatte, wo denn im Bahnhof die Örtlichkeiten wären, stürmte ich als erster den Bahnsteig hinunter Richtung WC. Dieses dann erreicht, war dort dann so ein verfluchtes Drehkreuz, welches 50 Cent haben wollte - und welche ich nicht hatte. In höchster Not den Geldwechsler entdeckt, ja, und danach war der Tag für mich eigentlich schon gerettet. Dann die anderen wieder gefunden und mit ca. 10 Leuten Richtung Altstadt um ein gemütliches Bierlokal zu finden.
Aus der ersten Kneipe an der wir vorbeiliefen, kamen dann einige Lauterer raus und riefen "Ruhrpottkanaken" und ähnlich böse Beschimpfungen. Achselzuckend liefen wir dann weiter durch diese uns so bös gesonnenen Gefilde. Einige hundert Meter weiter kehrten wir dann in eine recht gemütliche Kneipe ein, die gar nicht gut gefüllt war. Bei Trank und teilweise Speis verbrachten wir eine sehr unterhaltsame Zeit dort. Nicht so angenehm waren die Ergebnisse, die aus der Lohrheide gesendet wurden. Unsere Amateure haben in WAT einen über den Sack bekommen, aber zumindest hat die A-Jugend vorher mal wieder gewonnen. Aber dann rief der Berg und wir bestellten Taxis um selbigen zu erklimmen.
Das erste kam dann auch, aber das zweite, ein Großraumtaxi, ließ auf sich warten. Also wieder rein in die Kneipe um noch mal nachzuhaken. Als die Bedienung dann mal eine andere Telefonnummer probierte, saß die antwortende "Taxizentrale" in unserer Kneipe an einem Tisch. "Ich nehm die Jungs so mit, liegt sowieso auf meinem Weg" war die Antwort des Mannes dann. Nun, er wird schon wissen wie er uns alle in sein Auto kriegt, dachte ich mir und taperte mit den anderen hinterher. Also er wusste es wirklich, denn er hatte dort einen kleinen Reisebus stehen.
Wie bei Treuen-Fahrten üblich nahmen Macke und ich die vorderen Plätze hinter dem Fahrer ein, Kaddi saß neben ihm und spielte über Mikrophon den Reiseführer, und erkannte sogar die Fritz-Walter-Elf, nur leider war kein Bier im Kühlschrank. Aber ansonsten echt witzig. Da der Fahrer keinen festen Fahrpreis nannte, sammelten wir wie auf Auswärtsfahrten üblich mit der Mütze. Leider konnten wir dann aber nicht bis vor den Bochumer Block fahren und mussten so noch einmal um das halbe Stadion laufen um unsere Plätze zu erreichen.
Dort nahmen wir recht schnell unsere Sitzplätze ein, begrüßten das Commando und warteten gespannt auf das Auftreten unserer Elf. Im Stehplatzbereich gab es dann reichlich Rauch, was zwar die Ordnungskräfte und Polizei auf den Plan rief, aber Festnahmen gab es glaub ich keine. 500-600 Bochumer haben sich dann doch in der Pfalz eingefunden.
Unserem Team merkte man doch den Willen hier zu siegen an und so gingen wir auch nicht unverdient mit einer 1:0 Führung durch einen wieder mal abgefälschten Schuss durch Maltritz in die Halbzeit. In Durchgang zwei dann eine etwas stärkere Lauterer Elf, die aber eines (allerdings gerechtfertigten) Elfmeters bedurfte, um auszugleichen. Dann aber wiederum die Bochumer Führung durch einen wunderschönen Heber von Diabang. Die Situation kam zwar etwas glücklich zustande, aber wen interessiert es. Der Vorsprung wurde über die Zeit gerettet und Bochum gewann etwas glücklich, aber nicht unverdient. Hätte unsere Mannschaft in der Hinrunde oder auch zu Beginn der Rückrunde öfter so einen Einsatz geboten, hätten wir jetzt mit Sicherheit einige Sorgenfalten weniger. Zumindest können wir jetzt wieder hoffen, auch wenn das rettende Ufer noch weit entfernt ist. Ach ja, am Betze wird weiter ziemlich gewerkelt, zur Zeit hat man der Westkurve mal eben das Dach abgenommen und insgesamt ist von dem Hexenkessel, der dieses Stadion noch vor 10-15 Jahren war, nicht mehr viel geblieben.
Nach dem Spiel gingen Macke und ich dann den Berg wieder hinunter Richtung Innenstadt, wir hatten die anderen in dem Gewühl verloren, liefen am Bahnhof vorbei und landeten so schließlich vor der Kneipe, vor der man uns vorher so herzlich begrüßt hatte. Also nichts wie rein dachten wir uns und noch eine Erfrischung zu uns nehmen. Gesagt, getan, aber irgendwie war davon jetzt keiner in dem Lokal. Also zwei Bier getrunken und dann Richtung Bahnhof.
Kaum waren wir aus dem Laden raus, kamen uns zwei Pfälzer entgegen, die kräftig gegen einige Bochumer am HBF am Pöbeln waren. Daraus ergab sich mit uns dann ein kleines Wortgefecht und ein wenig Schubserei, aber bevor mehr passieren konnte, kamen einige Beamte und drängten die Lauterer die Straße hinunter. Wir kehrten dann in die Bahnhofsgastronomie ein, wo auch schon ein Teil der BOZ-Fahrer verweilte. Pünktlich zur Abfahrt bestiegen wir dann den ICE Richtung Mannheim und nach dem Umsteigen ging es weiter Richtung Heimat.
Macke nahm eine Auszeit und auch ich suchte mir ein freies Plätzchen um ein wenig die Augen zu schließen. Das war aber wirklich nicht lange und so vertrieben wir uns die weitere Zeit mit Gesprächen und teilweise sinnlosen Gesängen. Mit einer halben Stunde Verspätung erreichten wir dann Bochum und schnell trennten sich unsere Wege. Während Macke den Weg in sein Bett suchte, da er vier Stunden später wieder aufstehen musste, zog es mich noch auf einige Pils in den Freibeuter. Danach noch ein Bier im Intershop, um dann doch endlich ein Taxi nach Hause zu nehmen.
Eine ziemlich geile Auswärtsfahrt mit der verbleibenden Hoffnung, doch noch die Klasse zu halten, fand somit ihr Ende.

Der Kasi


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