|
Das Ende der Winterpause - vorbei die Zeit, in der man mit Weihnachtsliedern,
Skispringen, Biathlon und Dschungelcamp die Langeweile vertreiben musste.
Der Ball rollt wieder, und nach dem vorabendlichen Betrachten des einzig
wahren Revierderbys, war es auch den Bochumern vergönnt, wieder
ihren eigenen Tempel aufzusuchen und zu erfahren, wie sich der VfL beim
Unternehmen "Europa wir kommen" so anstellt.
Ein wirklich gutes Gefühl hatte ich dabei nicht. Als wäre
Kallas Sperre nicht schlimm genug, musste der entsetzte Bochum-Fan eine
weitere Hiobsbotschaft aus dem Defensivbereich erfahren (es sei denn,
er bezieht seine Informationen ausschließlich aus der WAZ): Beim
Abschlusstraining zog Bönig sich eine schwerere Verletzung zu,
die ihn mehrere Wochen ausfallen lässt und mir arge Sorgenfalten
ins Gesicht trieb.
Aber es nützt ja alles nix, musste halt der zweite Anzug passen,
und mit den VW-Städtern kam ja nun auch nicht gerade ein Team,
das einen mit seiner Auswärtsstärke in Angst und Schrecken
versetzen kann. Außerdem fehlte ihnen ihr Spielmacher D'Alessandro.
Warum also kein Sieg mit Bemben auf Bönigs Position und Vriesde
auf der von Kalla?
Begleitet von der zukünftigen Frau Law (ja ja, die Bochumer Damenwelt
trauert zu Recht: Dat Law ist wech!) traf ich zu früh ein, so dass
etwas Zeit für Smalltalk und Käsestange blieb, bevor wir unsere
Plätze im Block A aufsuchten und auf den Martin warteten.
Dieser traf bald ein und nach einer kurzen Bemerkung über die wieder
einmal miese Zuschauerresonanz (regt sich eigentlich noch jemand ernsthaft
darüber auf?) vertrieben wir uns die Zeit mit Gesprächen über
Anal-Penetration, den Popo-Proppen aus einem Versandkatalog u.ä.
Dinge. Euch, die Ihr jetzt die Nase rümpft oder über uns den
Kopf schüttelt, kann ich nur empfehlen, auch mal eine Saison auf
einem Sitzplatz neben unserem Martin zu verbringen und Ihr werdet Euch
über nichts mehr wundern.
Zurück zum nicht weniger wichtigen VfL: Wieder einmal kommt der
Revierfußballer des Jahres aus unseren Reihen. Nachdem im letzten
Jahr Freier diese Ehre zuteil wurde, konnte diesmal unser Hubschrauber
Hashemian vor dem Spiel Preis und Blumen in Empfang nehmen. Glückwunsch
dazu!
Gespielt wurde dann auch und wie immer kann/will ich, bar jeden Sachverstandes,
als ahnungsloser Laie nicht wirklich viel dazu schreiben.
Richtig gut spielte der VfL irgendwie nicht, unsere Abwehr schien mir
trotz eines guten Fahrenhorsts alles andere als sicher zu sein (insb.
Bemben wirkte teilweise arg überfordert) und nach vorne vereitelten
ungenaue Pässe einen Großteil der Bochumer Angriffsbemühungen.
Der Führungstreffer fiel dann genau in der Zeit (35. Min.), als
ich meine Hoffnungen bereits in die zweite Halbzeit verlegt hatte. Bezeichnenderweise
musste hierfür wieder einmal eine Standard-Situation herhalten
(Fahne nach Ecke von Wosz). Egal, kein Grund, sich nicht zu freuen und
zum ersten Mal kam im Tempel so etwas wie Stimmung auf.
Zum zweiten Durchgang brachte PN unseren Brasilianer Edu, der eine solide,
wenn auch nicht ganz fehlerfreie (Leo!!!), Partie ablieferte. Jedenfalls
gefiel er mir in diesem Spiel zum ersten Mal ganz gut.
Das Spiel lief so dahin, die Wolfsburger machten Druck, brachten vorne
aber nicht mehr viel zustande, während Bochum eine Reihe dicker
Chancen i.d.R. durch Eigensinn vergeigte.
So gelang wieder ein Heimsieg, und ein direkter Konkurrent um die internationalen
Plätze wurde auf Distanz gehalten. Grund genug für gute Stimmung
und einen angenehmen Abend.
Wie immer begaben wir uns unter die Ostkurve, trafen den Rest der Bande
und marschierten zur Stadion-Gastronomie.
Ach ja, zuvor begegnete ich noch Herrn B. von den Ostlern, der seine
Niederlage im Plauzen-Contest offensichtlich noch immer nicht verkraftet
hat und mit fadenscheinigen Ausreden diese zu erklären versuchte.
Erst als er mir die Aussicht auf einen Rückkampf abgerungen hatte,
lies er ab und ich konnte mich in die rappelvolle Kneipe im Stadioncenter
quetschen. Bekannte (u.a. von Hordel und vom Commando-Bochum) konnten
begrüßt werden und man merkte, dass in Bochum z.Zt. richtig
gute Laune herrscht. Die Frage, warum sich das nicht in Zuschauerzahlen
und Stimmung im Stadion niederschlägt, knicke ich mir an dieser
Stelle.
Zörnchen war übrigens so gut drauf, dass er mir (nur mir?)
an diesem Abend mehrfach...ach, lassen wir das lieber.
Bei einem gemeinsamen Toilettenbesuch mit Martin (nein nein, trotz oben
erwähnter Gesprächsthemen nicht das, was böswillige Leser
jetzt vielleicht denken könnten!) fiel auf, dass dort nicht ein
einziger Aufkleber unseres Clubs zu finden ist. Was soll das? Wird Kasi
nachlässig oder gar lustlos? Wir beschlossen jedenfalls, die Angelegenheit
so nicht stehen zu lassen und bereiteten unseren Präsi auf einen
Antrag bezüglich Kasis Clubausschlusses vor. Natürlich war
alles (bis jetzt) nur ein Scherz, was sich aber ändern kann, und
wir hoffen, dass besagtes Mitglied bald wieder zu alten Klebegewohnheiten
zurückfindet. ;-)
Nach diesem Schreck in der Abendstunde herrschte allgemeine Aufbruchstimmung,
bei der Elkes gemütliches Wirtshaus zunächst als Ziel ins
Auge gefasst wurde. Als dann Moppel aber mitteilte, er müsse noch
ins Haus Frein, beschlossen wir, ihn zu begleiten und unseren Kollegen
von Block A einen Besuch abzustatten.
Unsere sonst so heiße Beziehung war ja durch Geschehnisse auf
unserem Jubiläumsturnier etwas erkaltet und wir überlegten,
dass daran doch wieder etwas zu ändern sei. Offensichtlich waren
die Jungs von unserem Auftauchen doch freudig überrascht und nach
der Begrüßung gab Batkes 'ne Rutsche für alle. Soweit
ich weiß ließ unser Präsi sich später auch nicht
lumpen, ist aber auch egal.
Ich bekam noch mein persönliches Getränk von Herrn Schiffer,
damit wir uns wieder richtig in die Augen sehen können. Hab das
eigentlich gar nicht als so schlimm empfunden, aber einen Kümmerling
nehme ich natürlich dankbar an.
Es war also richtig schön (sieht man von kleinen Sticheleien und
Frechheiten ab, die es ja schon immer gab und die auch dazu gehören)
bis auf einen Vorwurf von Sir Limpi mir gegenüber, der behauptete,
ich sei früher netter gewesen. Ob dieses Vorwurfs war ich eigentlich
ziemlich verdattert, sogar verärgert, dachte ich doch immer, der
netteste Treue überhaupt zu sein. Da von anderer Seite zuletzt
aber ein ähnlicher Vorwurf kam und ich etwas Zeit zum Überlegen
hatte, vermute ich, dass was Wahres dran ist. Ich bin wohl als alter
Mann etwas verbittert und mürrisch geworden, obwohl ich gar keinen
Grund dazu habe. Also versuche ich mich zu ändern und wieder so
lieb zu sein, wie ich es mal war. 
Jedenfalls war es irgendwann nicht nur Zeit, wieder einen Wechsel der
Gastronomie zu unserem ursprünglichen Ziel vorzunehmen, sondern
ich wechselte ungefähr an diesem Punkt auch mein Erinnerungsvermögen
von "brauchbar" auf "kaum noch vorhanden".
Ich weiß aber noch, dass von den bestellten drei Taxis nur zwei
kamen und ich zu denen gehörte, die per Bahn das neue Ziel erreichen
mussten.
Dort angelangt war es schon recht voll (u.a. saß Herr Löken
von den BoJus mit einigen Leuten am Tisch - glaub ich zumindest), und
es wurde nicht leerer, als Block A nach einiger Zeit mit einem ganzen
Trupp auflief. Der Großteil von ihnen war für unser Lokal
etwas overdressed, aber sie hatten ja auch noch mehr vor an diesem Abend.
Die Stimmung war gut, übliche Lieder wurden geschmettert, aber
man merkte, dass ab einem gewissen Punkt die frühe Anstoßzeit
ihren abendlichen Tribut einfordert.
Nun ist Nico von Block A mit der Nichte eines Freundes meiner Eltern
zusammen, und diese besagte Nichte wollte nun unbedingt mit mir trinken,
was ich immer mit besagtem Onkel getrunken habe. Da die Auswahl da aber
ziemlich groß ist, taten wir uns nur einen Baileys rein. "Gott
sei dank!" muss ich im Nachhinein sagen, denn eine seiner Lieblingsleckereien
besteht aus eingelegter Feige, mit Wodka und einer Haube aus Sahne obendrauf.
Liebe Kinder: Trinkt das nicht nach! Bleibt lieber bei Alco-Pops! Die
sind gesünder und vor allen Dingen schmecken sie besser.
Dieser Kelch ging also an mir vorrüber. Dennoch überkam mich
eine gewisse Bettschwere und ich nahm mir eine kurze Auszeit. Diese
war aber lang genug, um danach festzustellen, das der größte
Teil verschwunden war, ohne sich zu verabschieden.
Nachdem ich mich ausreichend darüber echauffiert und ein Beruhigungsbierchen
zu mir genommen habe, war es dann aber auch Zeit, die heimatliche Heia
aufzusuchen.
Nach der Verabschiedung von Nichte und Nico, Kasi und dem nun ebenfalls
sehr müden Präsidenten, verließen wir den Ort.
Am nächsten Morgen dankte ich mir diese Vernunft (oder war es doch
wieder eher die weibliche Vernunft?), ging es mir doch hervorragend,
so dass ich von einem alles in allem gelungenen Rückrundenauftakt
sprechen kann.
Sollte der/die Gastronom/in neben Wodka auch Feigen und Schlagsahne
im Angebot haben, kann man beim nächsten Mal vielleicht doch einen
kleines Schlückchen probieren.
Das sich jetzt schon schüttelnde Law
|