27.03.04 VfL Bochum-Ückendorf


Da stehen uns mal wieder die westfälischen Wochen ins Haus, ganz Bochum fiebert den Derbys entgegen und das Law plagt sich mit Diarrhö und oralem Nahrungsrücktransport, die sich gewaschen haben, herum. Ein Schelm, wer da einen direkten Zusammenhang zwischen meinem Durchfall und dem anstehenden Besuch aus der geliebten Ückendorfer Nachbarschaft zu erkennen glaubt. Ich erwog jedenfalls zum ersten Mal seit Urzeiten, auf ein Heimspiel unserer Helden zu verzichten.
Die Entscheidung wurde mir dann aber ziemlich leicht gemacht, denn sowohl meine Zukünftige als auch Mutti rieten mir, besser zu Hause zu bleiben. Wer mich kennt weiß, dass nach diesen klugen Ratschlägen ein Verzicht in keiner Weise mehr zur Debatte stand.
Also noch schnell ein magenfreundliches Knäckebrot mit dick Butter und Fleischsalat zur Stärkung und die Familienpackung Immodium akut eingeworfen, und schon wackelte ich - in Begleitung meiner mich stützenden Versprochenen - zur Haltestelle.
Wir waren zeitig unterwegs, eine noch recht leere Einsatzbahn kam, und wir fuhren ohne großartige Belästigungen zum Platz.
Nach den bekannten, herzergreifenden Abschiedsszenen, entließ ich meine Begleitung auf die billigen Plätze und begab mich in Block A.
Erfreut stellte ich fest, dass zumindest meine Umgebung weitestgehend in Bochumer Hand war. Insgesamt waren die Gäste aber recht zahlreich vertreten. So ca. 10.000 mögen es gewesen sein. Vielleicht auch ein paar mehr oder weniger, in der Vergangenheit waren sie auf jeden Fall schon in größerer Anzahl und auch lauter vertreten.
Dann kam der Martin - müßig zu erzählen, dass ich mit meinen Verdauungsgeschichten bei ihm auf offenen Ohren stieß, und das Ganze in eine längere Fäkaldiskussion ausartete - und mit ihm nach und nach auch meine Lust auf Bier zurück.
Zum Einlauf der Mannschaften hielten wir unsere blauen pappen hoch, und die Ultras entrollten ein Spruchband, sowie einen überdimensionalen Doppelhalter. Zu lesen war dort etwas von "Sandstrand statt Straßenrand und nen Palmwedler vom Arbeitsamt" . Wie schon gegen Gladbach bemerkt, geben die Aktionen neuerdings Anlass zum Nachdenken.
Tja, dann begann das Spiel. Muss man erwähnen, dass RvD sich seinen Rekord geholt hat und dafür erst einmal (verdient) gefeiert wurde? Ja klar! Sollte man berichten, dass der VfL wieder einmal nach einer Standardsituation und begünstigt durch einen Torwartfehler zum verdienten 1:0 kam? Sicher! Macht es Spass zu schreiben, dass erwähnter Herr Ünlü (Torwart wollen wir ihn lieber nicht nennen) als einziger noch grottiger war, als der Rest der Gelsenkirchener Trümmertruppe und dafür auch (verdient) gefeiert wurde? Natürlich, das macht Spass! Man kann auch noch erwähnen, dass es zufriedenen Pausenbeifall für das Team gab und keine Anzeichen zu erkennen waren, warum an diesem Nachmittag irgendeine der positiven Bochumer Serien zu Ende gehen sollte. Wir gingen sehr guter Dinge in die Halbzeit...
...und dann?
Dann will ich eigentlich gar nichts mehr schreiben, denn was dann kam, kann eigentlich nur als ganz große Kacke bezeichnet werden!
Statt die Gäste und ihren Nichtskönner im Tor weiter unter Druck zu setzen und aus dem Stadion zu ballern, hören die plötzlich auf zu spielen. Martin und ich wurden immer blasser und ruhiger, sehnten zum ersten Mal seit Jahren die Einwechslung von Silberschühchen Buckley (für den mal wieder völlig neben der Kappe stehenden Freier) herbei und hofften, dass alles irgendwie noch gut ausgehen würde. Ging es aber nicht! Nachdem lange genug darum gebettelt wurde, fing der VfL sich innerhalb einiger Minuten Ausgleich und Rückstand durch zwei Jugendliche ein, kurzes Scharmützel in Block A, auf einmal können sie wieder stürmen, auf einmal kann der Kerl einen Ball abwehren und aus! Klar, konnte die Serie nicht immer so weiter gehen, aber dass sie so enden musste, ausgerechnet gegen diesen Gegner, auf diese Art gegen so einen schlechte Mannschaft...
Mehr wütend als traurig trafen wir auf den Rest der Treuen unter der Ostkurve und musste uns erst daran gewöhnen, dass diesmal keine freudigen Umarmungen oder Abklatschen angesagt waren.
Traumatisiert begaben wir uns zur Stadiongastronomie, trafen auf betrübte Bekannte (blöd feixende Gelsenkirchener waren zum Glück nicht vorhanden), bekämpften unseren Frust mit Gerstensaft, begaben uns irgendwann zur Bahn, stiegen ein und fuhren in Richtung Stammwirtshaus.
Mir ging es mittlerweile wieder ziemlich übel, was durch den Besuch bei McD und den Verzehr eines Cheeseburgers nicht besser wurde. Auf dem Weg zu Elke kam ich noch am Bummelzug vorbei, der fest in Händen glücklicher Ückendorfer war. Da hatten sich offenbar einige entschlossen, mal nicht auf den Cent zu schauen und zur Feier des Tages richtig fein auszugehen.
Ich aber begab mich in die Niederungen unserer Kneipe, wo neben den Treuen noch einige Bekannte (z.B. von Block-A) Trübsal bliesen, später mein Schwesterherz auftauchte.Sie wurde begleitet von Herrn B., der mich zu einem Plauzencontest überreden wollte, welchen ich - weil in meinem Zustand zu gefährlich - ablehnen musste und von Manni, der nach tröstenden Worten suchte. Ehrlich Manni, ist lieb gemeint, aber nach einer Niederlage gegen Gelsenkirchen, ist Zuspruch von einem Borussen nicht gerade das, wonach einem VfLer verlangt. Trotzdem Dank für den Versuch, ich werde mich nächste Woche bei Dir revangieren.
Mit der Zeit wurde die Stimmung besser, meine gesundheitliche Lage aber wieder schlimmer. So beschloss ich, es war gegen 22 Uhr, dem Rat von Block-A-Nico zu folgen, der meinte, ich müsse nach Hause und schwitzen. Geschwitz habe ich nicht, aber nach Hause bin ich...
...und so ging ein wahrhaft beschissener Tag zu Ende.
Ach so, ein Wort an Zorne: Bei Eurer außerordentlichen Vorstandsbesprechung wurde von Dir die Aktualität dieser Seite kritisiert. Ich sage "mea culpa", gelobe ausdrücklich Besserung und, um dieses Versprechen auch einhalten zu können und zu untermauern, habe ich extra beim Onkel Doktor mein kaputte Hand fitspritzen lassen. Du siehst, es ist mir ernst!

Lars das Law


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