04.10.03 VfL Bochum-Kaiserslautern


Eigentlich gibt es ja gar nichts Großartiges über diesen Spieltag zu schreiben. Da sich hier aber so lange Zeit nix getan hat und Siege über manche Gegner immer besondes süß schmecken, will ich nun doch ein paar wenige Zeilen zum Besten geben.
Prinzipiell war's ja wie immer:
Robin geschnappt und mit der BoGeStra zum Stadion. Diesmal hat meinen kleinen Begleiter, der eigentlich nie mehr mit der Straßenbahn fahren wollte, nicht aufgrund einer grölenden Horde Berliner, die "viel zu dick sind und so machen, dass die Bahn schief ist", die "Krise gekriegt", sondern weil die Signale im U-Bahnbereich defekt waren und so unser Wagen längere Zeit im Tunnel verbrachte. Da war also mal wieder eine schmale Gratwanderung zwischen genervtem Schimpfen und beruhigenden, tröstenden Worten angesagt.
Angekommen sind wir schließlich doch...wenn auch verspätet. So war nur noch Zeit, schnell unsere Getränke zu besorgen und die Plätze im Block A aufzusuchen. Immerhin muss Robin ja mittlerweile an sämtlichen Ritualen vor dem Spiel teilnehmen. Ich darf ihm dann abwechselnd Fahne, Schal oder Getränk reichen. Alles zu seiner Zeit!
Überhaupt hat Robin in kürzester Zeit eine ziemliche Wandlung in seinem Stadionverhalten durchgemacht. Kaiserslautern war nun das sechste oder siebte Heimspiel, das er erlebte, und war er beim ersten Spiel (Rostock) noch verschüchtert, ruhig und starrte genauso mit großen Augen auf die aufblasbare Fiegeflasche, wie auf die Fankurve, so grölt, singt und pöbelt er mittlerweile, und es kann vorkommen, dass er mich bittet, ihm seinen Fantabecher zu reichen, damit er diesen auf den Linienrichter werfen kann. Habe ich nun was falsch oder alles richtig gemacht? Jedenfalls scheint da ein kleiner Treuer heranzuwachsen...obwohl, seine größten Wünsche sind z.Zt. Riesenschwenkfahne und Doppelhalter. Die Ultra-Szene übt halt eine größere Faszination auf die Jugend aus, als alte Fansäcke, wie wir es sind. Mal abwarten, wie es sich entwickelt. Der Kleine ist schließlich erst sechs Jahre alt.
Die Zuschauerzahl war wieder einmal alles andere als berauschend. So um die 21.000 sollen es wohl gewesen sein, was allerorts wieder für reichlich Diskussionen über das Warum und was zu tun ist auslöste. Lauterer waren auch nicht wirklich massenhaft zugegen. Bei uns im Block saß ein älterer Herr (man könnte auch Greis sagen), der aber ruhig blieb, sodass Martin, Robin und ich ihn gewähren ließen.
Das Spiel begann und es entwickelte sich ein recht munteres Spielchen, wobei der VfL durch Fahrenhorst die erste größere Chance für sich verzeichnen konnte.
Die bis zu diesem Zeitpunkt größte Torgelegenheit hatten allerdings die Lauterer, als Klose irgendwann in der Mitte der ersten Halbzeit gleich mehrere Bochumer stehen ließ, dann aber das Kunststück fertig brachte, den Ball freistehend vor van Duijnhoven über das Tor zu semmeln. Diese Riesenmöglichkeit war es dann wohl auch, die die Pfälzer veranlasste, zu behaupten, dass sie ohne das nun Folgende, nie und nimmer so unter die Räder gekommen wären und ja eigentlich die bis dato spielbestimmende Mannschaft waren. Naja, sollen sie halt daran glauben und sich mal wieder selber leid tun, mir und allen anderen VfLern ist das reichlich schnuppe.
Was zählt ist auffem Platz und dort bekam Hristov nach einem üblen Foul an Wosz eine völlig gerechtfertigte gelbe Karte. Da er aber bereits eine Verwarnung einstecken musste, war Gelb-Rot die logische Konsequenz. Patzig trat er unserer "Zaubermaus", die übrigens endlich mal wieder einen guten Tag erwischt hatte, den Ball in den Rücken, was noch zu einem kleineren Scharmützel zwischen unserem PN und Gerets führte. Irgendwie war so etwas vorauszusehen, hatten die Lauterer doch von Beginn an sich entschieden, die härtere Gangart einzulegen.
Egal, von diesem Zeitpunkt an war für die Pfälzer der Drops an diesem Tage jedenfalls gelutscht. Von nun an fand auf dem Spielfeld nur noch der VfL Bochum statt. Insbesondere in der zweiten Halbzeit wurden die Gäste geradezu an die Wand gespielt. Madsen und der Hubschrauber wechselten sich ab und erzielten je zwei Treffer. Kaiserslautern wurde nach jedem Gegentor schlechter (aber bedenkt, dass die armen Spieler ja nur sich noch zu zehnt wehren durften), Martin, Robin und ich wurden immer frölicher, der Greis guckte immer grimmiger und schlich vorzeitig und weiterhin schweigend von dannen.
Am Ende stand es also 4:0, die vorher brauchbare, aber nicht berauschende, Stimmung war nun auch auf dem Höhepunkt, die Spieler und PN wurden gefeiert, und ein schöner Fußballnachmittag im Ruhrstadion ging seinem Ende zu.
Wir machten uns zur Ostkurve auf, wo wir auf die anderen Treuen trafen. Neuerdings bleiben wir übrigens den Plastikbechern noch etwas länger erhalten, da wir für ein, zwei oder sechs Biechen noch die neue Stadiongastronomie aufsuchen.
Schön war hier, noch die Verabschiedung der so unglücklich abgefertigten Gastmannschaft zu beobachten. Dem Anlass entsprechend, schlichen sie wie geprügelte Hunde, aber nie ihre Würde verlierend, in den Bus gen Heimat...wie gesagt, gegen manche Gegner schmecken solche Siege einfach besonders süß!
Ich musste mich vorzeitig verabschieden, um einerseits mal wieder Bier aus dem Glas zu trinken und andererseits mein Schätzken zwecks Robinübergabe zu treffen.
Mit Robin habe ich dann allerdings auch einen Teil meines Gedächtnisses abgegeben und so bleiben nur bruchstückhafte Erinnerungen an den Rest dieses Abends. Ist, glaube ich, aber auch nicht so schlimm, denn trotz des Kantersieges waren die Treuen wohl nicht so wahnsinnig in Feierstimmung. Nach und nach trafen zwar einige Mitglieder ein, viele waren es aber nicht. Zwei wurden auch bald von ihren Herzensdamen abgeholt und der Rest beschränkte sich in der Hauptsache auf Dart (die anderen) oder dummes Zeug sabbeln (ich).
Nach dem Spiel ist bekanntlich vor dem/den nächsten, und da nun zwei der ganz besonderen Art anstehen, ist dieser Abend eigentlich auch gar nicht wichtig.

Das vom Derbyfieber gepackte Law


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