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Eigentlich gibt es ja gar nichts Großartiges über diesen
Spieltag zu schreiben. Da sich hier aber so lange Zeit nix getan hat
und Siege über manche Gegner immer besondes süß schmecken,
will ich nun doch ein paar wenige Zeilen zum Besten geben.
Prinzipiell war's ja wie immer:
Robin geschnappt und mit der BoGeStra zum Stadion. Diesmal hat meinen
kleinen Begleiter, der eigentlich nie mehr mit der Straßenbahn
fahren wollte, nicht aufgrund einer grölenden Horde Berliner, die
"viel zu dick sind und so machen, dass die Bahn schief ist",
die "Krise gekriegt", sondern weil die Signale im U-Bahnbereich
defekt waren und so unser Wagen längere Zeit im Tunnel verbrachte.
Da war also mal wieder eine schmale Gratwanderung zwischen genervtem
Schimpfen und beruhigenden, tröstenden Worten angesagt.
Angekommen sind wir schließlich doch...wenn auch verspätet.
So war nur noch Zeit, schnell unsere Getränke zu besorgen und die
Plätze im Block A aufzusuchen. Immerhin muss Robin ja mittlerweile
an sämtlichen Ritualen vor dem Spiel teilnehmen. Ich darf ihm dann
abwechselnd Fahne, Schal oder Getränk reichen. Alles zu seiner
Zeit!
Überhaupt hat Robin in kürzester Zeit eine ziemliche Wandlung
in seinem Stadionverhalten durchgemacht. Kaiserslautern war nun das
sechste oder siebte Heimspiel, das er erlebte, und war er beim ersten
Spiel (Rostock) noch verschüchtert, ruhig und starrte genauso mit
großen Augen auf die aufblasbare Fiegeflasche, wie auf die Fankurve,
so grölt, singt und pöbelt er mittlerweile, und es kann vorkommen,
dass er mich bittet, ihm seinen Fantabecher zu reichen, damit er diesen
auf den Linienrichter werfen kann. Habe ich nun was falsch oder alles
richtig gemacht? Jedenfalls scheint da ein kleiner Treuer heranzuwachsen...obwohl,
seine größten Wünsche sind z.Zt. Riesenschwenkfahne
und Doppelhalter. Die Ultra-Szene übt halt eine größere
Faszination auf die Jugend aus, als alte Fansäcke, wie wir es sind.
Mal abwarten, wie es sich entwickelt. Der Kleine ist schließlich
erst sechs Jahre alt.
Die Zuschauerzahl war wieder einmal alles andere als berauschend. So
um die 21.000 sollen es wohl gewesen sein, was allerorts wieder für
reichlich Diskussionen über das Warum und was zu tun ist auslöste.
Lauterer waren auch nicht wirklich massenhaft zugegen. Bei uns im Block
saß ein älterer Herr (man könnte auch Greis sagen),
der aber ruhig blieb, sodass Martin, Robin und ich ihn gewähren
ließen.
Das Spiel begann und es entwickelte sich ein recht munteres Spielchen,
wobei der VfL durch Fahrenhorst die erste größere Chance
für sich verzeichnen konnte.
Die bis zu diesem Zeitpunkt größte Torgelegenheit hatten
allerdings die Lauterer, als Klose irgendwann in der Mitte der ersten
Halbzeit gleich mehrere Bochumer stehen ließ, dann aber das Kunststück
fertig brachte, den Ball freistehend vor van Duijnhoven über das
Tor zu semmeln. Diese Riesenmöglichkeit war es dann wohl auch,
die die Pfälzer veranlasste, zu behaupten, dass sie ohne das nun
Folgende, nie und nimmer so unter die Räder gekommen wären
und ja eigentlich die bis dato spielbestimmende Mannschaft waren. Naja,
sollen sie halt daran glauben und sich mal wieder selber leid tun, mir
und allen anderen VfLern ist das reichlich schnuppe.
Was zählt ist auffem Platz und dort bekam Hristov nach einem üblen
Foul an Wosz eine völlig gerechtfertigte gelbe Karte. Da er aber
bereits eine Verwarnung einstecken musste, war Gelb-Rot die logische
Konsequenz. Patzig trat er unserer "Zaubermaus", die übrigens
endlich mal wieder einen guten Tag erwischt hatte, den Ball in den Rücken,
was noch zu einem kleineren Scharmützel zwischen unserem PN und
Gerets führte. Irgendwie war so etwas vorauszusehen, hatten die
Lauterer doch von Beginn an sich entschieden, die härtere Gangart
einzulegen.
Egal, von diesem Zeitpunkt an war für die Pfälzer der Drops
an diesem Tage jedenfalls gelutscht. Von nun an fand auf dem Spielfeld
nur noch der VfL Bochum statt. Insbesondere in der zweiten Halbzeit
wurden die Gäste geradezu an die Wand gespielt. Madsen und der
Hubschrauber wechselten sich ab und erzielten je zwei Treffer. Kaiserslautern
wurde nach jedem Gegentor schlechter (aber bedenkt, dass die armen Spieler
ja nur sich noch zu zehnt wehren durften), Martin, Robin und ich wurden
immer frölicher, der Greis guckte immer grimmiger und schlich vorzeitig
und weiterhin schweigend von dannen.
Am Ende stand es also 4:0, die vorher brauchbare, aber nicht berauschende,
Stimmung war nun auch auf dem Höhepunkt, die Spieler und PN wurden
gefeiert, und ein schöner Fußballnachmittag im Ruhrstadion
ging seinem Ende zu.
Wir machten uns zur Ostkurve auf, wo wir auf die anderen Treuen trafen.
Neuerdings bleiben wir übrigens den Plastikbechern noch etwas länger
erhalten, da wir für ein, zwei oder sechs Biechen noch die neue
Stadiongastronomie aufsuchen.
Schön war hier, noch die Verabschiedung der so unglücklich
abgefertigten Gastmannschaft zu beobachten. Dem Anlass entsprechend,
schlichen sie wie geprügelte Hunde, aber nie ihre Würde verlierend,
in den Bus gen Heimat...wie gesagt, gegen manche Gegner schmecken solche
Siege einfach besonders süß!
Ich musste mich vorzeitig verabschieden, um einerseits mal wieder Bier
aus dem Glas zu trinken und andererseits mein Schätzken zwecks
Robinübergabe zu treffen.
Mit Robin habe ich dann allerdings auch einen Teil meines Gedächtnisses
abgegeben und so bleiben nur bruchstückhafte Erinnerungen an den
Rest dieses Abends. Ist, glaube ich, aber auch nicht so schlimm, denn
trotz des Kantersieges waren die Treuen wohl nicht so wahnsinnig in
Feierstimmung. Nach und nach trafen zwar einige Mitglieder ein, viele
waren es aber nicht. Zwei wurden auch bald von ihren Herzensdamen abgeholt
und der Rest beschränkte sich in der Hauptsache auf Dart (die anderen)
oder dummes Zeug sabbeln (ich).
Nach dem Spiel ist bekanntlich vor dem/den nächsten, und da nun
zwei der ganz besonderen Art anstehen, ist dieser Abend eigentlich auch
gar nicht wichtig.
Das vom Derbyfieber gepackte Law
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