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Der Äffzeh kam! Großes wurde im Vorfeld angekündigt:
10.000 Kölner und laut Manuel Andrack sollte der VfL in die Niederungen
der Liga geschossen werden.
Na ja, Teil eins erfüllte sich auch fast, vom zweiten Teil nahmen
die Spieler auf dem Feld allerdings Abstand.
Um nicht wieder in einer rappelvollen Bahn zu landen, fuhren Law und
Lawin zeitig zum Stadion. Wir wussten, dass wir uns nach dem Spielenden
wiedersehen würden und verabschiedeten uns dementsprechend - also
keine großen Abschiedsszenen oder so.
Im Stadion traf ich auf erste Bekannte (Block A), gesellte mich zu
ihnen und quatschte, bis schließlich auch der Martin eintraf.
Von unseren Plätzen aus konnten wir eine große Anzahl Kölner
bewundern, die bereits zu diesem Zeitpunkt eine ordentliche Stimmung
verbreiteten. Die angekündigkten 10.000 waren es sicher nicht,
aber so knapp 8.000 werden es schon gewesen sein.
Auch der Rest unseres Fußballtempels war gut gefüllt und
der VfL konnte über 30.000 Zuschauer begrüßen. Ganz
ausverkauft war das Spiel leider nicht.
Die Stimmung war von Bochumer Seite übrigens - bis auf wenige Ausnahmen
- eher mau.
Es war schön zu beobachten, dass - im Gegensatz zum Dortmundspiel
- wieder nur ein Teil der Ostkurve richtig Gas gab, während der
Rest sich eher zurückhielt.
Auch im Block A hielt sich die Euphorie eher in Grenzen - bis auf die
üblichen Experten natürlich (in unserer Umgebung saßen
übrigens wesentlich mehr Kölner, als beim letzten Heimspiel
Dortmunder).
Nach den üblichen Ritualen vor Beginn (hab eigentlich nur ich
das Gefühl, dass das gemeinsame Rufen der Mannschaftsaufstellung
immer mieser wird?) liefen die Mannschaften ein und ein weiterer schöner
Fußballtag im Ruhrstadion sollte beginnen.
Die Kölner waren die ersten sieben Minuten eigentlich die spielbestimmende
Mannschaft, doch dann kam mal wieder unser Hub-Hub-Hubschrauber, verarschte
die halbe Gästeabwehr incl. Torhüter und versenkte den Ball
zum 1:0!
Von nun an fanden der Kölsche FC auf dem Rasen nicht mehr statt,
und als unser dänischer Goalgetter Madsen den Ball nur acht Minuten
nach der Führung zum 2:0 einköpfte (auf Vorlage des Hub-Hub-Hubschraubers),
war eigentlich schon klar, wer den Platz als Sieger verlassen würde.
Nicht dass die Bochumer besonders gut waren - das waren sie nämlich
wirklich nicht - aber die Kölner waren schlicht und einfach grottenschlecht.
Auch die wenigen Möglichkeiten, die sich für sie durch Bochumer
Fehler ergaben, konnten sie nicht nutzen.
Wie immer verpasste ich natürlich auch ein Tor und zwar in der
45. Minute durch Raymond Kalla. Da dies sein erstes Tor war, wenn auch
mit tatkräftiger Unterstützung des Kölners Schröder,
freute er sich wie ein Schneekönig und ich musste mir Vorwürfe
gefallen lassen, dieses Tor verpasst zu haben. Das DSF behauptete übrigens,
dass es ein Kölner Eigentor gewesen sei, aber ernstzunehmen sind
die ja schon lange nicht mehr, und so bleibt es dabei, dass das Tor
unserem Abwehrstar zugeschrieben wird...bäh!
In der zweiten Halbzeit tat sich eigentlich mehr viel auf dem Rasen.
Wie es später hieß, verwaltete Bochum den Sieg und hielt
den Ball z.T. minutenlang in den eigenen Reihen. Von Köln kam jetzt
gar nichts mehr.
Ich persönlich ärgerte mich ein wenig darüber, hatte
ich doch das Gefühl, dass man mit etwas mehr Druck - ohne sich
großartig anzustrengen - diese Gäste vom Platz fegen konnte.
Egal, Stevic schoss kurz vor Schluss mit einem herrlichen Freistoß
noch das 4:0 und das Ergebnis klang doch noch standesgemäß.
Wahnsinn! 4:0 gegen Lautern, 2:0 in der Turnhalle, 3:0 gegen Schwarz-Gelb
und 4:0 gegen den Äffzeh! 13:0 gegen meine vier "Lieblingvereine"!
Da verzeiht man den, zugegebenermaßen ärgerlichen, Ausrutscher
in München doch gerne. Auch wenn in Bochum von Natur aus pessimistische
Schwarzmalerei herrscht, behaupte ich einfach mal, dass mit diesem Team
mehr drin ist, als "nur" ein einstelliger Tabellenplatz. Und
selbst wenn nicht mehr daraus wird, werde ich es ihnen - diese Tage
immer im Hinterkopf - auch nicht übel nehmen. Mit dem prophezeiten
Abstiegskampf hat der VfL in diesem Jahr jedenfalls nichts mehr zu tun
- da müsste es schon mit dem Teufel zugehen!
Da haben die Kölner, deren neuer Trainer sich seinen Einstand
sicher anders vorgestellt hat, zur Zeit ganz andere Sorgen.
Nicht jeder von ihnen machte es wie Manuel Andrack aus der Harald Schmidt
Show und soff sich die Leistung mit Fiege Pils schön, nahm das
alles von der humorvollen Seite, feierte im Tennisheim und tauschte
den Schal mit einem Bochumer (würde mich übrigens interessieren,
wer da so nach Rasierwasser riecht).
Vor dem Spiel gab es wohl schon ein paar kleinere Scharmützel,
nichts außergewöhnliches. Während des Spiels machten
sich die Kölner über ihr Team lustig und sangen Lieder wie
"Wir sind nur ein Karnevalsverein" und feierten Peter Neururer.
Die Stimmung im Gästeblock schlug allerdings auch immer mehr ins
Aggressive um und bereits zum Ende hin gab es dort offensichtlich was
auf die Mütze.
Nach dem Spiel war wohl an mehreren Stellen der Stadt was los, ich persönlich
habe nur die Geschehnisse am Stadioncenter mitbekommen.
Die Treuen gingen in mehreren Grüppchen zur Stadionkneipe. Vor
dieser standen sich eine größere Anzahl Kölner und Bochumer
gegenüber. Auf rheinischer Seite war eine sehr aggressive Stimmung
und ich ging mit meinem Schätzchen schnell hindurch.
Es wurde gepöbelt, es flogen Becher, Flaschen und Gläser und
hier da gab es ein paar kleine Raufereien.
Als ein weiblicher Kölner Fan sich mit einigen Bochumern stritt,
weil sie einen Genossen unfair behandelt sah, ging ich dazwischen und
versuchte sie zu beruhigen und ihr zu erklären, dass er sich eigentlich
auch nicht wundern dürfe, wenn er durch Bochumer Reihen läuft
und die Leute anspuckt. Dies wiederum rief einen Mann im Parka auf den
Plan, der mich lautstark aufforderte, sie in Ruhe zu lassen. Ich bat
ihn, er solle sich doch bitte zurückziehen, da ich mit der Dame
lediglich ein klärendes Gespräch führen wolle und konzentrierte
mich wieder auf das Mädel. Bumms, da hatte ich plötzlich einen
auf der Nase! Was hiernach genau passierte weiß ich eigentlich
gar nicht mehr (nein, nein, keine Angst, das lag nicht an dem eher bescheidenen
Treffer auf meinem Riechorgan). Jedenfalls kamen Leute hinzu, ein Polizist
ging auch irgendwo dazwischen und unsere Ménage à trois
löste sich auf. Ich versuchte noch, dem Parkamann in den Hintern
zu treten, aber irgendwie gelang mir das auch nicht so richtig. Was
soll's? Keiner hatte sich wirklich weh getan, es floss kein Blut und
ich hatte was zum Angeben ;-). Ein Ausschnitt aus der Situation mit
Parka und Cologne-Mädel ist übrigens im Kölnbericht auf
der Commando-Seite
zu sehen, und wenn ich mir da den Blick der jungen Dame so ansehe, bin
ich mir gar nicht mehr so sicher, ob sie es nicht vielleicht war, die
mir da eins verpasst hat.
Dann kam endlich eine größere Gruppe Schutzleute, und der
Kölner Trupp wurde vertrieben. Vielleicht gesellten sie sich dann
zu ihren Gesinnungsgenossen, die den Bus der Gastmannschaft belagerten
oder zu denen, die am Congress-Center Steine auf Bochumer Autos warfen,
ich weiß es nicht. Jedenfalls, in Anbetracht der Leistung ihres
Team, sollten sich die Kölner Fans überlegen, ob sie bei schlechten
Spielen oder Niederlagen jedesmal so einen Zauber machen wollen wie
in Bochum. Dann könnten sich ihre Reihen durch Verletzungen, Verhaftungen
und Stadionverbote bis zum Ende der Saison arg gelichtet haben.
Für uns alles kein Grund, sich an so einem Tage (oder soll ich
sagen "in solch schönen Wochen"?) die Laune verderben
zu lassen. Es wurde noch schön gefeiert, Kölsche Lieder wurden
auch gesungen, und einige Domstädter machten es wie Andrack und
zeigten, dass man auch anders mit Niederlagen fertig werden kann: Sie
feierten in der Stadionkneipe kräftig mit.
Irgendwann fuhren die Treuen dann in ihre Stammkneipe, wo ein seltener
Gast erfreut begrüßt werden konnte,noch viel gesungen und
ein klein wenig getrunken wurde.
Spätestens als Robert eine Runde Korn (ich trinke eigentlich nie
Korn!) gab, war der Abend für mich gelaufen.
Es war nun an der Zeit, den an diesem Abend aus umzugstechnischen Gründen
abwesenden Präsidenten würdig zu vertreten und sich dem Schlafe
hinzugeben.
Echt, das passiert mir in letzter Zeit immer häufiger (wahrscheinlich
freuen sich einige, wenn ich endlich Ruhe gebe), und falls Zorne mal
nicht mehr unserern Club führen will, bitte ich, meine Begabung
bei Neuwahlen zu bedenken. Was das angeht wäre ich ein würdiger
Nachfolger.
Euer Lars, das ständig müde Law
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