08.11.03 VfL Bochum-Köln


Der Äffzeh kam! Großes wurde im Vorfeld angekündigt: 10.000 Kölner und laut Manuel Andrack sollte der VfL in die Niederungen der Liga geschossen werden.
Na ja, Teil eins erfüllte sich auch fast, vom zweiten Teil nahmen die Spieler auf dem Feld allerdings Abstand.
Um nicht wieder in einer rappelvollen Bahn zu landen, fuhren Law und Lawin zeitig zum Stadion. Wir wussten, dass wir uns nach dem Spielenden wiedersehen würden und verabschiedeten uns dementsprechend - also keine großen Abschiedsszenen oder so.

Im Stadion traf ich auf erste Bekannte (Block A), gesellte mich zu ihnen und quatschte, bis schließlich auch der Martin eintraf.
Von unseren Plätzen aus konnten wir eine große Anzahl Kölner bewundern, die bereits zu diesem Zeitpunkt eine ordentliche Stimmung verbreiteten. Die angekündigkten 10.000 waren es sicher nicht, aber so knapp 8.000 werden es schon gewesen sein.
Auch der Rest unseres Fußballtempels war gut gefüllt und der VfL konnte über 30.000 Zuschauer begrüßen. Ganz ausverkauft war das Spiel leider nicht.
Die Stimmung war von Bochumer Seite übrigens - bis auf wenige Ausnahmen - eher mau.
Es war schön zu beobachten, dass - im Gegensatz zum Dortmundspiel - wieder nur ein Teil der Ostkurve richtig Gas gab, während der Rest sich eher zurückhielt.
Auch im Block A hielt sich die Euphorie eher in Grenzen - bis auf die üblichen Experten natürlich (in unserer Umgebung saßen übrigens wesentlich mehr Kölner, als beim letzten Heimspiel Dortmunder).

Nach den üblichen Ritualen vor Beginn (hab eigentlich nur ich das Gefühl, dass das gemeinsame Rufen der Mannschaftsaufstellung immer mieser wird?) liefen die Mannschaften ein und ein weiterer schöner Fußballtag im Ruhrstadion sollte beginnen.
Die Kölner waren die ersten sieben Minuten eigentlich die spielbestimmende Mannschaft, doch dann kam mal wieder unser Hub-Hub-Hubschrauber, verarschte die halbe Gästeabwehr incl. Torhüter und versenkte den Ball zum 1:0!
Von nun an fanden der Kölsche FC auf dem Rasen nicht mehr statt, und als unser dänischer Goalgetter Madsen den Ball nur acht Minuten nach der Führung zum 2:0 einköpfte (auf Vorlage des Hub-Hub-Hubschraubers), war eigentlich schon klar, wer den Platz als Sieger verlassen würde.
Nicht dass die Bochumer besonders gut waren - das waren sie nämlich wirklich nicht - aber die Kölner waren schlicht und einfach grottenschlecht. Auch die wenigen Möglichkeiten, die sich für sie durch Bochumer Fehler ergaben, konnten sie nicht nutzen.
Wie immer verpasste ich natürlich auch ein Tor und zwar in der 45. Minute durch Raymond Kalla. Da dies sein erstes Tor war, wenn auch mit tatkräftiger Unterstützung des Kölners Schröder, freute er sich wie ein Schneekönig und ich musste mir Vorwürfe gefallen lassen, dieses Tor verpasst zu haben. Das DSF behauptete übrigens, dass es ein Kölner Eigentor gewesen sei, aber ernstzunehmen sind die ja schon lange nicht mehr, und so bleibt es dabei, dass das Tor unserem Abwehrstar zugeschrieben wird...bäh!

In der zweiten Halbzeit tat sich eigentlich mehr viel auf dem Rasen. Wie es später hieß, verwaltete Bochum den Sieg und hielt den Ball z.T. minutenlang in den eigenen Reihen. Von Köln kam jetzt gar nichts mehr.
Ich persönlich ärgerte mich ein wenig darüber, hatte ich doch das Gefühl, dass man mit etwas mehr Druck - ohne sich großartig anzustrengen - diese Gäste vom Platz fegen konnte.
Egal, Stevic schoss kurz vor Schluss mit einem herrlichen Freistoß noch das 4:0 und das Ergebnis klang doch noch standesgemäß.
Wahnsinn! 4:0 gegen Lautern, 2:0 in der Turnhalle, 3:0 gegen Schwarz-Gelb und 4:0 gegen den Äffzeh! 13:0 gegen meine vier "Lieblingvereine"! Da verzeiht man den, zugegebenermaßen ärgerlichen, Ausrutscher in München doch gerne. Auch wenn in Bochum von Natur aus pessimistische Schwarzmalerei herrscht, behaupte ich einfach mal, dass mit diesem Team mehr drin ist, als "nur" ein einstelliger Tabellenplatz. Und selbst wenn nicht mehr daraus wird, werde ich es ihnen - diese Tage immer im Hinterkopf - auch nicht übel nehmen. Mit dem prophezeiten Abstiegskampf hat der VfL in diesem Jahr jedenfalls nichts mehr zu tun - da müsste es schon mit dem Teufel zugehen!

Da haben die Kölner, deren neuer Trainer sich seinen Einstand sicher anders vorgestellt hat, zur Zeit ganz andere Sorgen.
Nicht jeder von ihnen machte es wie Manuel Andrack aus der Harald Schmidt Show und soff sich die Leistung mit Fiege Pils schön, nahm das alles von der humorvollen Seite, feierte im Tennisheim und tauschte den Schal mit einem Bochumer (würde mich übrigens interessieren, wer da so nach Rasierwasser riecht).
Vor dem Spiel gab es wohl schon ein paar kleinere Scharmützel, nichts außergewöhnliches. Während des Spiels machten sich die Kölner über ihr Team lustig und sangen Lieder wie "Wir sind nur ein Karnevalsverein" und feierten Peter Neururer. Die Stimmung im Gästeblock schlug allerdings auch immer mehr ins Aggressive um und bereits zum Ende hin gab es dort offensichtlich was auf die Mütze.
Nach dem Spiel war wohl an mehreren Stellen der Stadt was los, ich persönlich habe nur die Geschehnisse am Stadioncenter mitbekommen.
Die Treuen gingen in mehreren Grüppchen zur Stadionkneipe. Vor dieser standen sich eine größere Anzahl Kölner und Bochumer gegenüber. Auf rheinischer Seite war eine sehr aggressive Stimmung und ich ging mit meinem Schätzchen schnell hindurch.
Es wurde gepöbelt, es flogen Becher, Flaschen und Gläser und hier da gab es ein paar kleine Raufereien.
Als ein weiblicher Kölner Fan sich mit einigen Bochumern stritt, weil sie einen Genossen unfair behandelt sah, ging ich dazwischen und versuchte sie zu beruhigen und ihr zu erklären, dass er sich eigentlich auch nicht wundern dürfe, wenn er durch Bochumer Reihen läuft und die Leute anspuckt. Dies wiederum rief einen Mann im Parka auf den Plan, der mich lautstark aufforderte, sie in Ruhe zu lassen. Ich bat ihn, er solle sich doch bitte zurückziehen, da ich mit der Dame lediglich ein klärendes Gespräch führen wolle und konzentrierte mich wieder auf das Mädel. Bumms, da hatte ich plötzlich einen auf der Nase! Was hiernach genau passierte weiß ich eigentlich gar nicht mehr (nein, nein, keine Angst, das lag nicht an dem eher bescheidenen Treffer auf meinem Riechorgan). Jedenfalls kamen Leute hinzu, ein Polizist ging auch irgendwo dazwischen und unsere Ménage à trois löste sich auf. Ich versuchte noch, dem Parkamann in den Hintern zu treten, aber irgendwie gelang mir das auch nicht so richtig. Was soll's? Keiner hatte sich wirklich weh getan, es floss kein Blut und ich hatte was zum Angeben ;-). Ein Ausschnitt aus der Situation mit Parka und Cologne-Mädel ist übrigens im Kölnbericht auf der Commando-Seite zu sehen, und wenn ich mir da den Blick der jungen Dame so ansehe, bin ich mir gar nicht mehr so sicher, ob sie es nicht vielleicht war, die mir da eins verpasst hat.
Dann kam endlich eine größere Gruppe Schutzleute, und der Kölner Trupp wurde vertrieben. Vielleicht gesellten sie sich dann zu ihren Gesinnungsgenossen, die den Bus der Gastmannschaft belagerten oder zu denen, die am Congress-Center Steine auf Bochumer Autos warfen, ich weiß es nicht. Jedenfalls, in Anbetracht der Leistung ihres Team, sollten sich die Kölner Fans überlegen, ob sie bei schlechten Spielen oder Niederlagen jedesmal so einen Zauber machen wollen wie in Bochum. Dann könnten sich ihre Reihen durch Verletzungen, Verhaftungen und Stadionverbote bis zum Ende der Saison arg gelichtet haben.

Für uns alles kein Grund, sich an so einem Tage (oder soll ich sagen "in solch schönen Wochen"?) die Laune verderben zu lassen. Es wurde noch schön gefeiert, Kölsche Lieder wurden auch gesungen, und einige Domstädter machten es wie Andrack und zeigten, dass man auch anders mit Niederlagen fertig werden kann: Sie feierten in der Stadionkneipe kräftig mit.

Irgendwann fuhren die Treuen dann in ihre Stammkneipe, wo ein seltener Gast erfreut begrüßt werden konnte,noch viel gesungen und ein klein wenig getrunken wurde.
Spätestens als Robert eine Runde Korn (ich trinke eigentlich nie Korn!) gab, war der Abend für mich gelaufen.
Es war nun an der Zeit, den an diesem Abend aus umzugstechnischen Gründen abwesenden Präsidenten würdig zu vertreten und sich dem Schlafe hinzugeben.
Echt, das passiert mir in letzter Zeit immer häufiger (wahrscheinlich freuen sich einige, wenn ich endlich Ruhe gebe), und falls Zorne mal nicht mehr unserern Club führen will, bitte ich, meine Begabung bei Neuwahlen zu bedenken. Was das angeht wäre ich ein würdiger Nachfolger.

Euer Lars, das ständig müde Law


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