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Das erste Heimspiel der neuen Saison stand an, und bereits im Vorfeld
gab es wieder allerlei Gesprächsstoff:
Darf bei so extremen Temperaturen überhaupt gespielt werden? Ist
das neue Blocktrikot ein weiterer Schritt in die, von niemandem
erwünschte, totale Kommerzialisierung des Fußballs? Kann Lars eine
komplette Saison in Block A mit Martin als Sitznachbarn ertragen?
Der Reihe nach:
Da Mediziner, nach den Fußballfans, so ziemlich die Letzten sind,
die bei der Frage nach der Verantwortbarkeit eines solchen Hitzespieltages
gefragt werden, wurde selbstverständlich angepfiffen.
Die Treuen
entschieden sich ebenfalls, die Temperaturen zu ignorieren und
Alkoholwarnungen in den Wind zu schlagen. Mir persönlich war es
eh egal, da ich ja einen Sitzplatz im Schatten gebucht hatte.
Also flugs mein Butterflöckchen zur Ostkurve geleitet und schnell in
kühlere Bereiche
gewechselt, um meinen Gefährten für diese Saison zu treffen.
Nach den üblichen Begrüßungen diverser Bekannter, stieß Martin auch bald zu mir.
Ein Bierchen zum Anstoßen auf die kommende Spielzeit gekauft
und schon ging es auf unsere Plätze.
Da muss man ja sagen, dass der Martin zwei ganz feine Sitze besorgt hat. Einziger
Nachteil war, dass alle zwei Minuten jemand vom Commando durchrannte, um Bier
zu holen oder wegzubringen.
Dann wurde der Ostkurve das neue Blocktrikot vom Hauptsponsor DWS übergeben.
Wäre das Teil so ein Werbefähnchen a la Faber-Blockfahne gewesen, hätte es mir
auch nicht gefallen. Aber so...
...einfach eine exakte, überdimensionale Nachbildung des aktuellen Trikots. Ich
finde es jedenfalls klasse.
Der Rest des Clubs war der gleichen Ansicht, und so ließen es sich einige auch
nicht nehmen, an der Übernahme teilzuhaben und auf dem heiligen Rasen zu "glänzen".
Gleichzeitig hielten andere am Feldrand die Landesfahnen unserer Internationalen
hoch und die Stationettes waren auch dabei. Diesmal übrigens in kurzen Röckchen
statt langer Hosen (wurde auch Zeit!).
Dann war da noch so’n Typ, der zur Melodie von "it’s coming
home" ein "Ruhrstadion" zum Besten gab. Über Geschmack lässt sich ja bekanntlich
streiten, aber meiner unbedeutenden Ansicht nach braucht dieser Mensch mit diesem
Lied nicht mehr aufzutreten. Ich fand’s jedenfalls nur peinlich.
Nicht gerade peinlich, aber zumindest höchst unerfreulich, war auch die
Zuschauerzahl. Gerade mal 20.400 Zuschauer waren zugegen. Ob es an der Hitze,
an den Ferien
oder an beidem lag, vermag ich nicht zu sagen. Jedenfalls scheint in Bochum alles,
was über der 20.000 Zuschauer-Grenze liegt, zur Zeit auch ohne Ferien und
40
Grad
nur aus Gästefans rekrutiert werden zu können. Da die Hamburger diesmal
ca. 7.000 Supporter weniger mitbrachten, als beim letzten Mal, war noch jede
Menge
Platz auf den Rängen und die Stimmung eher mau. Einige Anfeuerungen, das "wen
lieben wir?"-Spiel zwischen Ostkurve und Block A, das war’s auch schon.
Ach ja, Fußball wurde, der Hitze zum Trotz, auch noch gespielt. Allein
die Bochumer schienen es in den ersten 20 Minuten nicht mitgekriegt
zu haben. Jedenfalls war
der HSV anfänglich klar überlegen und schoss zwangsläufig in der 19. Minute
den verdienten Führungstreffer durch Takahara.
Erst jetzt besannen sich unsere Jungs und nahmen ebenfalls am Spielgeschehen
teil.
Einige gute Szenen und in der 31. Minute der mittlerweile verdiente
Ausgleich durch unseren neuen Dänenstar Madsen waren die Folge.
In der zweiten Halbzeit sahen wir eine recht ausgeglichene Partie,
die mit zunehmender Spieldauer zusehends verflachte, was in erster
Linie wohl an den afrikanischen Temperaturen lag.
Viel passierte also nicht mehr, keine Mannschaft konnte sich entscheidend
in Szene setzen, und nach dem Abpfiff begaben Martin und ich uns
zur Ostkurve, um unsere Lieben zu treffen.
Diese waren nahezu komplett durchgeweicht. Ob durch Schweiß oder
durch eine Abkühlung mit der Feuerwehrspritze war von Fall zu Fall
unterschiedlich.
Jedenfalls war zu bemerken, dass die Hitze auch vorm Zustand der
Treuen nicht halt und sich eine gewisse Trägheit breit machte.
Einig waren wir uns nur darin, dass man in keinem Fall den Sommerabend
in unserem luft- und biergartenlosen Fanclubkabuff verbringen wollte
(nix gegen unser Warsteiner, aber bei solchen Temperaturen gibt
es angemessenere Lokalitäten).
Eine größere Gruppe wollte sich auf der Cranger Kirmes verlustieren,
während Martin, Roland, meine Lebensgefährtin und ich eine Abkühlung
an Jürgen Königs Ost-See bevorzugten (Sportschau allerdings zuvor
bei Elke. Ganz ohne geht’s ja nun auch nicht!). Kasi wollte
später nachkommen, was er auch tat. Im Gegensatz zum Präsi, der
sich leider nicht mehr blicken ließ. Warum er uns versetzte, weiß
ich allerdings nicht, hoffe aber, er hat eine gute Ausrede.
Wir bereuten unsere Entscheidung jedenfalls nicht.
Nachdem wir kurz Jürgens schlimmes Knie bedauerten, ließen wir
es uns gut gehen, tranken ein wenig, sangen ein paar doofe Lieder
und ich ließ mir die Füße von Kois und Goldfischen sauber knabbern.
Einige Hanburger Rothosen waren übrigens auch zugegen.
Als unser frisch gebackener Familienvater die Heimreise antreten
musste, entschieden wir anderen, dass Zorne wohl nicht mehr kommen
wird und hängten uns dran.
Noch ein kleiner Absacker, natürlich wieder bei Elke, Roland entschied,
dass er betrunken sei, und der Abend war für uns beendet.
Mehr is nich gewesen, weshalb ich jetzt Schluss mache.
Euer Lawsen
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