14.03.04 VfL Bochum-Gladbach


Ich weiß, ich bin manchmal etwas schludrig, lebe nach dem Motto "was du morgen kannst besorgen, das musst du nicht schon heute tun", mache Berichthochladeversprechungen, die ich nicht einhalten kann, weil ich keine Zeit oder hin und wieder auch keine Lust habe, mir die Zeit zu nehmen. Mea culpa!
Aber ich habe feierlich Besserung gelobt und weil ich auch einen Gladbachbericht ankündigte, gibt es den jetzt auch - ob es noch Sinn macht oder nicht.
Zugegeben, der Tag befindet sich nicht gerade in meiner Erinnerung, als wäre er gestern gewesen - und das liegt nicht an irgendwelchen Alkoholexzessen! Schließlich war es eins dieser dämlichen Sonntagsspiel und die Arbeit rief am Morgen darauf. Aber es sind halt einige Tage verstrichen und viele außergewöhnliche Vorfälle, die sich für die Ewigkeit ins Gedächtnis eingebrannt hätten, gab es halt nicht. Ich versuche es trotzdem:
Woran ich mich in jedem Fall noch bestens erinnere ist das nervige Getue einiger Gladbacher im Internet (z.B. vfl4u.com), bereits Tage und Wochen vor dem Spiel. Da wurde rumgenölt, dass sie ja mit ganz vielen Leuten kommen und dass diese Leute ganz toll singen können, dass sie eine ganz hammermäßige Fanszene haben, mit ganz viel Herzblut und so...
Wir Bochumer hätten sowas natürlich nicht und sie würden uns darum aus dem Stadion brüllen. Da ähnliche Töne bereits von Frankfurten und Kölnern zu vernehmen waren, gingen mir diese schwerstens auf die Nerven und ich hoffte von ganzem Herzen auf einen Ausgang, wie in den Spielen gegen eben diese Mannschaften. Sollten sich die Gäste auf ihre Hammerfanszenenkurven einen kloppen und sich selbst feiern, während ihre Vereine für Liga zwei planen können, wir feieren ausgiebigst unser erfolgreiches Team.
Am Stadion war bereits ordentlich Trubel und schon klar zu erkennen, dass an diesem Tag viele Gladbacher ihre Mannschaft begleiteten. Übrigens habe ich bei deren Anhängern den Eindruck, dass überdurchschnittlich viele mit ihrer Fanmode irgendwo zwischen dem Kutten- und Strickschal-Style der 70er und dem Jogginghosencharme der 80er hängen geblieben sind. Kann aber sein, dass ich ihnen da Unrecht tue und mich täusche.
Dann betrat ich Block A, wo es aufgrund meines etwas verfrühten Eintreffens lange dauerte, bis ich die ersten Bekannten begrüßen konnte.
Martin kam auch bald, und wir bestaunten gemeinsam die Kurve der mitgereisten Hammerfanszenenmitglieder. Die angekündigten 10.000 Gladbacher waren es wohl nicht, aber auch nicht viel weniger.
Die Ultras Bochum hatten für den Mannschaftseinlauf ein Spruchband angefertigt, dass an den Gladbacher Fanbeauftragten "Tower" gerichtet war und diesem mitteilte, dass sich nicht jeder bevormunden lässt. Dazu gab es ein großes Plakat mit einer Marionette drauf. Die Stuttgarter haben auch schon eine Choreographie gegen diesen "Tower" und seine Einstellung zur "Doppelhalterscheiße" gemacht - irgendwie scheint der in gewissen Fankreisen nicht sonderlich beliebt zu sein.
Zur Pause hingen die Ultras dann noch ein Spruchband an den Zaun, auf dem sie (in Anspielung auf die Vorfälle nach dem Rostock-Spiel) fragten, ob Oliseh jetzt auch mit Stadionverbot belegt wird. Angesichts der aktuellen Verfolgungswut nicht ganz unberechtigt, diese Frage.
Ansonsten ist aber nicht viel Positives über die Stimmung zu berichten. Die Hütte ist voll, und auf Bochumer Seite herrscht Schweigen im Walde. Von Block A aus, in dem sich die üblichen Verdächtigen wie immer alle Mühe gaben, ist gut zu erkennen, dass die Ostkurve zwar eine der letzten schönen, großen Stehkurven ist, sich aber etwa nur ein Drittel oder Viertel dauerhaft an der optischen und akkustischen Unterstützung des Vereins beteiligt. Auf des Gegners Seite war da schon wesentlich mehr los - aber man kennt das ja mit Auswärtssupport und so...
Das Bochumer Spiel war aber auch wirklich nicht geeignet, das Publikum zu Begeisterungsstürmen zu verleiten.
Die Anfangsphase war noch ganz in Ordnung. Bochum legte ordentlich los und kam zu einigen brauchbaren Möglichkeiten. Die erste Gladbacher Chance ergab sich erst Mitte der ersten Halbzeit, als Bönig unseren RvD mit einem üblen Rückpass in arge Berdrängnis brachte. Er schoss den heranstürmenden borussen an, der Abpraller senkte sich zum Glück aber nur auf das Tor. Erste Knötterköppe, von denen es in Bochum bekannterweise reichlich gibt, meldeten sich zu Wort. Kennt man ja, meckern ist einfacher als anfeuern.
Die Gäste wurden nun immer stärker, aber durch ihr Unvermögen in der Offensive kam es für Bochum nicht wirklich schlimm und die erste Hälfte endete tor- und weitesgehend niveaulos.
Der zweite Durchgang sah unsere Jungs erstmal wieder spielbestimmend, aber wirklich viel passierte eigentlich nicht. Die dickste Chance vergab Freier und in einer Situation hätte ich mir einen Elfmeter gewünscht - aber sowas gibt es in dieser Saison nicht für den VfL.
So hatten eigentlich alle schon mit diesem Spiel abgeschlossen. Keiner rechnete mehr mit einem Tor, aber aber....
...da wa ja noch der gute Herr Asanin auf dem Platz, und der erbarmte sich und tat in der 89. Minute (mal wieder nach einem Freistoß) den Ball für Bochum in sein eigenes Tor rein. Bumms! Die Hammerfanszenenkurve war still und leerte sich schlagartig. Dann Feierabend, Sieg für die Guten! 3 Punkte für den echten VfL (wer Borussia in seinem Vereinsnamen trägt, kann niemals "VfL" sein)!
Nachdem Martin und ich die Mannschaft für diese Demonstration der Stärke gebührend gefeiert hatten, begaben wir uns zum Rest, wo sich eigentlich alle darüber einig waren, dass ein solcher Sieg, nach einem ziemlichen Grottenkick, durch ein Eigentor in letzter Minute, einen gewissen Reiz ausübt. Anders ausgedrückt: Irgendwie war das mal richtig geil!
So konnten wir auch gut gelaunt zur Stadiongastronomie schlendern und ein bisschen feiern. Alles natürlich im Rahmen, wie gesagt, es war Sonntag.
Als sich die Gesellschaft langsam auflöste, beschlossen Macke, Roland und ich, noch auf ein Bierchen bei Elke reinzuschauen.
Gute Gelegenheit, einmal ein paar Runden die Becher umzudrehen. Irgendwie lachte mir dabei das Glück und es wurde immer später. Die Entscheidung, dann doch endlich die Heimreise anzutreten, wurde mir letztlich (Gott sei Dank) von Roland abgenommen, der versehentlich den falschen Becher erwischte und mich ziemlich heftig mit Bier übergoss. Das war für mich das Zeichen zum Aufbruch, und ein unspektakulärer Fußballsonntag fand für mich (was die beiden noch machten entzieht sich meiner Kenntnis) ein Ende.
So, mehr weiß ich nicht. Aber immerhin, ich hab noch was geschrieben.

Euer sich besserndes Law


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