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Die Bayern kamen!!! Das Ruhrstadion war seit Jahren ausverkauft und
ganz Fußball-Bochum erstarrte in Ehrfurcht. Der letzte Heimsieg
datierte ungefähr in die Zeit zurück, als die letzten Dodos
ausstarben (ein Exemplar dieser Art existiert übrigens noch) und
- eigene Heimstärke, bayerische Krise hin oder her - nur verwegene
Bochumer Hardcoreoptimisten glaubten daran, dass gegen den Rekordmeister
irgendwas zu holen sei.
So wurde in den Wochen zuvor auch weniger das Spiel als die weltbewegende
Frage diskutiert, wie weit denn noch eine Freundschaft zwischen den
Anhängern beider Clubs existiere. Gut, soll jeder für sich
selbst entscheiden und wenn er drauf steht, im Internet mit zum Teil
wildfremden Menschen über Zuneigungen diskutieren und sich seine
Freundschaften vorschreiben lassen.
Wir erwarteten diesmal jedenfalls keinen Besuch. Weder Mitglieder vom
Bayern Fanclub "Gäuboden", noch unser Blumi aus der Valley
hatten sich angekündigt. Und da ich bis 12 Uhr noch zum Frondienst
in Dortmund anrücken musste, entschloss ich mich, mal wieder keinen
Umweg über Elke zu machen, sondern direkt den Weg zum Stadion zu
suchen.
Ich tat dies ca. 1 Stunde früher als gewohnt und beschloss, die
Gelegenheit zu nutzen, bei einem Bierchen in der Stadionkneipe auf die
Ankunft der Mannschaften zu warten und auch mal ein bisschen vom großen
Weltfußball zu erhaschen.
Die Gastronomie war bereits gut gefüllt, und hier war jedenfalls
ein Freundschaftsende noch nicht zu spüren. Bochumer und Bayern
feierten miteinander, wobei mir das Abspielen der Münchener Vereinslieder
in unserem Stadion allerdings etwas zu weit ging - ist aber nur meine
persönliche Meinung.
Auf der Terrasse traf ich unseren Herren Sozialarbeiter, der - in Anwesenheit
einer mir bis dato unbekannten Dame - den Treuen die abscheulichsten
Unterstellungen bezüglich ihrer Trinkgewohnheiten machte. Ich will
hier nicht ins Detail gehen, aber mir war das der Dame gegenüber
äußerst peinlich. Zum Glück entspannte sich die Lage
für mich bald wieder, denn die eigentliche Lichtgestalt der Fußballwelt
erreichte den Ort des Geschehens: Werner Altegoer! Würdevoll und
souverän entstieg er seiner S-Klasse. Ihm waren Anspannung vor
diesem Spiel oder gar Angst vor großen Namen in keiner Weise anzumerken.
Im Gegenteil, es wurde merklich ruhiger und selbst bei den Gastfans
gab es zum Teil respektvolles Schweigen anstelle frecher Lieder.
Kurz darauf fuhr der Bus aus München vor, gesteuert von einer jungen,
adretten Frau (ich tippte auf Frau Kahn). Nun wurde der Auftritt der
Weltstars durch das vorherige Erscheinen unseres Aufsichtsratvorsitzenden
arg abgewertet, aber auch so musste ich zugeben, dass die genauso doof
aussehen, wie die meisten Spieler anderer Gastvereine auch - ich war
jedenfalls enttäuscht.
Nachdem einige Zeit später unserer Helden auch angekommen waren
und ich mich noch mit einem Becher Wegzehrung für die Strecke zum
Block A versorgt hatte, begab ich mich - begleitet durch Timo Moschner
von den "Grauen Mäusen" - in Richtung Südtribüne.
Nach dem üblichen verbalen Geplänkel mit einigen lieben Bekannten
begab ich mich auf meinen Platz und harrte aufgeregt der Dinge, die
da kommen sollten.
Um mir die Zeit zu vertreiben versuchte ich, mir einen Überblick
über die aktuelle Sympathieverteilung im Stadion zu machen, wobei
ich zu meiner freudigen Verwunderung feststellen konnte, dass es doch
nicht auf das erwartete Auswärtsspiel auf heimischem Boden hinauslaufen
sollte. Es mögen, wenn überhaupt, alles in allem knapp 10.000
Bayernanhänger gewesen sein - jedenfalls waren sogar auf der Westtribüne
eine ganze Reihe Bochumer zu finden.
Dann traf auch der Martin ein, und nach kurzer Begrüßung
und Abgleich unserer Tipps schraubten wir das Niveau unserer Gespräche
wie immer in den Keller.
Lange hatten wir für unsere geistigen Tiefflüge allerdings
keine Zeit, denn an diesem Nachmittag sollte ja ein Fußballspiel
stattfinden.
Das tat es dann auch, und unser VfL legte gleich los wie die Feuerwehr.
Es dauerte auch nicht lange und King Kahn musste von seinem Thron steigen,
um den Ball aus dem Netz zu holen. Magic Madsen hatte seine Majestät
umspielt und das 1:0 geschossen. So cool wie der Torschütze blieben
alle anderen Bochumer allerdings nicht. Freude überall, und die
Stimmung erreichte ihren ersten Höhepunkt.
Überhaupt legte sich das Publikum an diesem Tag richtig ins Zeug,
warum das in Bochum nicht immer möglich ist, können wohl nur
die beantworten, die ihre Unterstützung offensichtlich vom Gegner
abhängig machen.
Zurück zum Spiel: Bochum spielte richtig gut, Bayern war richtig
schlecht. Zwei oder drei Törchen hätte der VfL in der ersten
Halbzeit durchaus mehr erzielen können. Leider wurde nix daraus,
so dass man zwar zufrieden, aber auch etwas besorgt in die Pause ging.
Wie befürchtet, begann in der zweiten Hälfte dann auch das
große Zittern. Der Rekordmeister erspielte sich, wie verwandelt
aus der Kabine gekommen, eine Reihe guter Torchancen - wobei auch der
VfL durchaus noch zu seinen Möglichkeiten kam - aber Glück,
Geschick und RvD bewahrten unser Team vor dem Ausgleich.
Kurz vor Schluss landete zwar noch ein Kopfball der Bayern im Bochumer
Tor, der Schiri gab diesen Treffer aber wegen angeblicher Abseitsstellung
nicht. Puuh, einmal kräftig durchschnaufen und alle, die sich beschweren
wollen, daran erinnern, dass ein Tor durch Momo Diabang aus gleichem
Grund nicht anerkannt wurde, aber ebenfalls hätte zählen müssen
- auch wenn einige sogenannte Sportsendungen dies später unter
den Tisch fallen ließen.
Was soll's? Das Spiel war aus und die Bayern besiegt. Riesenjubel überall,
tanzende Spieler, ein Trainer, der die verdienten Ovationen entgegennahm
und ein Oliver Kahn, der einsam und verlassen zur Bayernkurve schritt
und sich bedankte.
Wie so oft in dieser Saison, ein angenehmer Fußballtag. Unser
Team hatte wieder einmal bewiesen, dass es zu Recht auf einem UEFA-Cup-Platz
steht oder zu Unrecht auf keinem CL-Platz - sucht aus, was Euch passend
erscheint ;-)
Nach den ausgiebigen Jubelarien begaben Martin und Ich uns zum Rest
unter der Ostkurve. Noch einmal wurde sich geherzt und viel gelacht,
dann sollte es weitergehen.
Da wir nach diesem Spiel mit einer hoffnungslos überfüllten
Stadiongastronomie rechneten, war der allgemeine Tenor, auf dieses Gerdrängel
lieber zu verzichten und stattdessen gleich bei Elke einzufallen. Ich
musste vorher aber noch für kleine Laws, begab mich zum Abort,
um bei meiner Rückkehr festzustellen, dass meine lieben Kameraden
sich wieder einmal verflüchtigt hatten. Lediglich Macke war noch
zugegen, weil er sich vorgenommen hatte, zumindest auf ein Bierchen
noch in der Stadiongastro vorbeizuschauen. Beleidigt ließ ich
mich überreden, ihn kurz zu begleiten - sollten sich die anderen
doch an ihrem ersten Bier bei Elke übelst verschlucken!
So voll war es übrigens gar nicht, und ich hatte noch Gelegenheit,
ein letztes kühles Fiege zu trinken. Wahrscheinlich hätte
ich mich trotzig gar nicht mehr in unserer Bar sehen lassen, aber ich
war dort ja mit der zukünftigen Frau Law verabredet.
So machten wir drei beiden uns auf den Weg, und mit der Fahrt in den
Tunnel der 308/318 trat ich auch langsam aber sicher in die Welt des
Vergessens ein:
Nicht nur, dass ich vergaß, sauer auf die anderen zu sein, ich
habe ich auch vom Rest des Abends nicht mehr wirklich viel in Erinnerung.
So muss als weitere Beschreibung das Gespräch reichen, das ich
am nächsten Morgen mit meinem Schätzchen führte:
"Wie war's gestern?"
"Och, es ging. Waren ja alle schon schwer angeschlagen, und einige
sind früh nach Hause."
"Wer war denn da?"
"Die gleichen, wie sonst auch. Noch ein paar andere, die ihr kennt."
"Von Block A? Ich glaube Sir Limpi und Bartkowiak?"
"Ja, und noch ein paar andere, Du kanntest die auch. Mit einem
habe ich auch getanzt."
"Von den Bochumer Jungen?"
"Ich glaube. Robert und Svenja waren auch da."
"Och?!?"
"Sag bloß, du einnerst dich nicht mehr?! Ihr habt euch doch
eine ganze Zeit unterhalten."
"Doch, jetzt, wo du es sagst, fällt es mir wieder ein. War
denn gute Stimmung?"
"Zuerst ja, hinterher waren die, die noch da waren, nicht mehr
so ganz wach."
"Wann waren wir denn zu Hause?"
"Nach 2 Uhr"
"Das geht ja"
"Wäre es nach dir gegangen, wären wir schon um 22 Uhr
zu Hause gewesen. Du warst ja wieder leicht müde."
"Hab ich mich daneben benommen?"
"Wie denn, wenn du schläfst?"
Na, dann Prost!
Euer erleichtertes Law
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