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Ein bisschen ist es ja wie bei Asterix: Ganz Westfalen ist von Schwarz-Gelb
und Königsblau besetzt. Nur ein kleines Häufchen widerspenstiger
Fußballfans aus einer mittleren Großstadt namens Bochum
wagt es noch, da nicht mitzumachen und lieber in kleinerem, familiären
Rahmen ihr eigenes Süppchen zu kochen.
Leicht haben sie es ja nicht, die Fans des ortsansässigen VfL.
Werden sie doch Tag für Tag auf der Arbeit, in der Schule, im Internet
oder sonst wo unaufhörlich darauf hingewiesen, wie klein und unbedeutend
sie doch sind.
Die Medien tun da ihr übriges und nehmen, von einigen wenigen Lokalsportausnahmen
mal abgesehen, die kleinen Bochumer nur am Rande wahr.
Hat in Dortmund das tschechische Babyface einen Pups quersitzen, ist
das der Bild immer eine Titelschlagzeile wert, während der Möchtegernsportsender
DSF gleich einen Sonderdoppelpass über das Verletzungspech der
armen Borussen macht (o.k., man muss zugeben, dass sie im Augenblick
wirklich von Ausfällen geplagt werden), und in Gelsenkirchen bekommt
Herr Assauer sogar Werbegelder dafür, dass er öffentlich bekennt,
so blöd zu sein, sich von seiner Frau das letzte Bier wegsaufen
zu lassen. Obwohl ich es wahrscheinlich genauso machen würde: Lass
die Alte doch die Plörre auf ex in sich hineinschütten und
hol dir lieber ein gescheites Fiege Pils!
Aber ich schweife ab.
Über Bochum wird also meist der Mantel des Schweigens gebreitet
und wenn nicht, dann geht es meist um Peter Neururer, den sogenannten
Lautsprecher der Liga, und was er wieder für Sprüche vom Stapel
gelassen hat, aber nicht darum, dass der Mann seit geraumer Zeit ganz
offensichtlich ziemlich gute Arbeit in Bochum leistet und seinen Teil
dazu beiträgt, dass es mit dem VfL Stück für Stück
nach oben geht. Hoffentlich ist er dabei nicht allzu erfolgreich, schließlich
hat laut Sport-Bild eine Stadt wie Bochum gar keinen Bundesligafußball
verdient.
Tja, das sehe ich ein wenig anders, denn schließlich ist es wirklich
so, dass meistens jeder das kriegt was verdient; und somit hat eine
geile Stadt wie Bochum eben den geilsten Club der Welt, während
Sport-Bild-Abonnenten Woche für Woche eine Ansammlung fachlicher
Inkompetenz, nutzloser Statistiken, jede Menge Polemik (o.k., polemisch
werden wir manchmal auch, aber wir schimpfen uns auch nicht Journalisten)
und Berichte auf dem Niveau von Teenagermagazinen erhalten.
Aber ich schweife schon wieder ab.
Jedenfalls dürfen wir vier mal in der Saison auch etwas Luft vom
ganz großen Revierfußball schnuppern, und wenn es dann auch
noch in die Gelsenkirchener Arena zum Auswärtsspiel geht, erfahren
wir wieder einmal, was Begriffe, wie internationale Klasse, Weltsport,
südländische Atmosphäre oder auch nur Arena überhaupt
bedeuten, sprich: Wir bekommen eine Größe (oder ist es vielleicht
Größenwahn?) von solchen Dimensionen vor Augen geführt,
dass wir uns einfach nur klein fühlen können.
Was macht ein Treuer, wenn er sich klein fühlt? Richtig, er trinkt
sich erst mal groß.
Da es sich bekanntlich um ein Sonntagsspiel handelte, blieb angesichts
der am nächsten Tag rufenden Arbeit keine Zeit, dies bis spät
in die Nacht zu tun, und ein zeitiger Beginn in Elkes Bar schien mir
geboten.
Vom Derbyfieber gepackt und angespannt bis in die Haarwurzeln traf ich
dort ein und traf auf die ersten Treuen, eine Abordnung der Blue-White-Eagles
sowie den jetzt stramm auf die 50 zugehenden Kasper.
Nach und nach trudelten mehr Gesinnungsgenossen ein, darunter auch hoher
Besuch aus dem oberbayerischen Valley und ein ganzer Haufen BoJus. Einige
Treue zogen die Automobilvariante ohne vorherigen Elkebesuch vor. Zu
diesen scheiß Sonntagsspielen fordert halt u.a. Grümerbaum
seinen Tribut.
Ursprünglich war übrigens geplant, eine kleine Privatbuslinie
mit der BoGeStra in Richtung Bür zu eröffnen, was sich aber
leider kurzfristig zerschlagen hatte.
Also hatten wir einmal mehr die dämliche toilettenfreie Straßenbahntortur
vor der Brust und rangen uns auch bald dazu durch, diese in Angriff
zu nehmen.
Die Bochumer Jungen waren hingegen entschlossen, noch ein wenig zu verweilen.
Als die erste Bahn kam, war an die Abreise noch nicht zu denken, da
ein Teil von uns mit dem Einkauf beim Chinamann beschäftigt war.
Ehrlich, da kann die Blase noch hundert mal häufiger und heftiger
schmerzen, wir lernen es einfach nicht!
Die nächste StraBa kam aber bald und war aufgrund ihrer Leere wie
für uns bestellt.
Aber wenn kurz zuvor eine Bahn fährt und in Bochum die Fahrgäste
aufsammelt, bis sie voll ist, so birgt dies für die nachfolgende
auch einen erheblichen Nachteil:
Während die erste ab Rathaus keine Fahrgäste mehr aufnehmen
kann, bleibt die andere relativ leer und muss das mitnehmen, was die
vorherige stehen lässt. Und was das spätestens ab August-Bebel-Platz
bedeutet, kann sich jeder vorstellen, der weiß, aus welchen Löchern
sie zum Heimspiel gekrochen kommen.
Zu uns - im hintersten Teil der Bahn - gesellten sich ein paar Ückendorfer
Teeniegirls, die sich in den Gang zwischen unsere Sitzplätze stellten
und für sich alleine gar nicht so schlimm gewesen wären -
man weiß schließlich, wie Treue auf junge Frauen wirken
- wenn die nicht so einen nervenaufreibenden Lümmel im Schlepptau
gehabt hätten. Nicht, dass sein hässliches Outfit in Königsblau
nicht schon gereicht hätte, nein der junge Mann musste sich gleich
zum Einstand schon entgültig disqualifizieren, indem er uns mit
den Worten "wollt ihr mal ein gescheites Bier trinken?" eine
Dose Veltins anbot. Jaaa, so fangen Fanfreundschaften fürs Leben
an!
Auch sonst war der Kleine zunächst ziemlich kess, hielt aber nach
einigen ermahnenden Worten - bei erhobenem Zeigefinger - Gott sei Dank
schnell sein vorlautes Mundwerk. Wahrscheinlich gerade noch zum rechten
Zeitpunkt, denn obwohl mir ein ziemlich fetter Teeniehintern die Sicht
versperrte, bemerkte ich doch, dass es insbesondere in der Sitzgruppe
auf der anderen Seite zu rumoren begann.
Egal, der Rotzbengel hielt den Mund, und die Fahrt ging mit den üblichen
staunenden Bemerkungen über die Schönheit der Landschaft weiter.
Dass bei Ankunft in Bür der Weg Richtung Eventtempel nicht direkt
angetreten werden konnte, sondern zunächst kollektive Erleichterung
vonnöten war, braucht hier eigentlich nicht extra erwähnt
zu werden.
Dann ging es aber los, den üblichen Weg und zahlreiche Gelsenkirchener
entlang. Einige wenige von ihnen taten uns wenigstens den Gefallen und
brachten mit Worten und Blicken ihre Abneigung uns gegenüber zum
Ausdruck. Der Großteil aber blieb recht teilnahmslos, woran auch
das forsche Auftreten einiger Bochumer nix änderte.
Echt, das ist so fies! Warum könnt ihr nicht wenigstens ein bisschen
wie die Bielefelder sein? Ihr müsst uns ja nicht gleich hassen,
aber nicht mögen wäre schon schön. Nur diese Gleichgültigkeit,
dieses Desinteresse kommt einer Abwertung gleich, die richtig weh tut.
Die gemeinen Dortmunder machen es übrigens genauso, oder sogar
noch schlimmer, mit uns.
Ohne Unfälle betraten wir also den Hallenvorplatz und meisterten
ohne Schwierigkeiten den automatischen Einlass, der offensichtlich auch
als eine Art Vor-Alkoholkontrolle genutzt wir. Wer seine Karte nicht
oder nur unter immensen Schwierigkeiten eingeführt kriegt, darf
erst einmal blasen und kommt eventuell nicht rein...hab ich so gehört.
Ich beschloss jedenfalls, meinem Durst nachzugeben und meinem Körper
ein Schlückchen Veltins zuzumuten. Ein mobiler Zapfer beantwortete
meine Frage, ob man ihn auch mit dieser doofen Karte bezahlen müsse,
mit nein und ich bestellte für mich und (ich glaube) für Kasi
je ein Bier.
Ich habe in Krankenhäusern schon Patienten gesehen, die schneller
mit ihrem Tropf fertig waren, als der mit seinem Rinnsal unsere Becher
gefüllt hat, aber egal. Im Vergleich zu der Zeit, die das Bezahlen
gekostet hat, war das Hochgeschwindigkeitszapfen. War vielleicht auch
meine Schuld, denn ich hätte ahnen müssen, dass nach der Einführung
der Arena-Card und der Ernennung Gelsenkirchens zum sozialen Brennpunkt,
ein 20 €-Schein dort für eine mittelschwere Krise sorgen kann.
Nach stundenlangem Wechseln, Fluchen und Suchen hatte ich dann endlich
mein schaumfreies Getränk, ca. 1kg Kleingeld in der Tasche und
immer noch meinen 20 €-Schein. Als der Zapfer merkte, dass er immer
noch kein Wechselgeld und auch keine 20 € hatte, zeigte er dann,
indem er mit Höchstgeschwindigkeit angelaufen kam, dass er auch
schnell kann und forderte sein Recht auf Bezahlung ein. Ich gab ihm
zügig was er verlangte, um mich nun endlich auf den Spieltag konzentrieren
zu können.
Wobei das mit der Konzentration so eine Sache ist - denn sowohl mein
Sitznachbar Martin, als auch eine liebe Bekannte bestätigten mir
später, dass ich wohl in einem gewissen Zustand gewesen wäre,
der...na ja, lassen wir das.
Wir nahmen jedenfalls unsere Plätze ein und ich stellte fest, dass
sich gegenüber dem Vorjahr nichts verändert hatte: Die Bude
war voll, die Stimmung aber weniger beeindruckend als früher im
Parkstadion, ca. 6.000 Bochumer versuchten ganz ordentlich, sich bemerkbar
zu machen und der klackernde Würfel ging mir immer noch auf den
Zeiger.
Leider gab es auch eine unschöne Szene auf den Stehplätzen
unter uns, als ein Trupp Polizisten in den Block stürmte, Prügel
verteilte und ein paar Fans in Gewahrsam nahm. Später war zu hören,
dass dies nur geschah, weil ein Bochumer auf der Plexiglasabsperrung
saß, um von dort den Block anzuheizen. Von mehreren unabhängigen
Stellen - auch von GE-Ornern - hieß es, dass diese Aktion vollkommen
willkürlich und überzogen gewesen sei. Auch der VfL hat sich
später eingeschaltet und um Stellungnahmen seitens der Verantwortlichen
gebeten.
Mehr Infos hierzu gibt es auf www.ultras-bochum.de.
Das Hauptaugenmerk galt natürlich dem Spiel, welches von Gelsenkirchener
Seite stark begonnen wurde. Insbesondere Agali hatte an diesem Abend
mehrere 100%ige Einschussmöglichkeiten, erwies sich aber als Bochums
zwölfter und zugleich bester Mann.
Und wie nun einmal so ist, wenn die einen zu doof sind, machen es eben
die anderen und zwar in Person von Fahrenhorst, der den Ball nach einem
Freistoß von Oliseh zum 1:0 für die Guten versenkte.
Die Bochumer Fans frohlockten und ein zweiter Sieg im zweiten Hallenspiel
schien nun keineswegs unrealistisch.
Wer weiß, wie alles gekommen wäre, wennn der Schiri auf Agalis
Schwalbe hereingefallen wäre und auf Elfmeter entschieden hätte,
statt ihm, trotz wütender Proteste aller Gelsenkirchener, die gelbe
Karte zu zeigen. Später zeigte sich im Fernsehen, dass er mit seiner
Entscheidung vollkommen richtig lag.
Tja, wer auf ehrlichem Wege zu blöd ist, sein Ziel zu erreichen,
sollte sich wenigstens nicht beim Betrug erwischen lassen.
Ab Halbzeit zwo verblassen meine Erinnerungen nun endgültig. Was
ich aber noch weiß ist, dass ich mich irgendwann entschloss, in
den sauren Apfel zu beißen, einige Bierchen zu besorgen und zu
diesem Zwecke auch mal eine Arena-Card zu erwerben...schließlich
darf mein Boykott nicht zu Lasten meines Fanclubs gehen.
Wer mich kennt, weiß das eine solche Aktion nicht ohne Diskussionen
mit dem Personal abläuft. Ich sah einfach nicht ein, warum ich
die Karte mit mehr Geld laden sollte, als ich für den von mir geplanten
Handel unbedingt benötigte.
Da riss mich ein Torjubel aus dem Inneren der Halle in die Welt des
Fußballs zurück.
Eine kurzeitige Angst, dass der Ausgleich gefallen sei, zerschlug sich
schnell, ich beeilte mich mit dem Bier und ließ mir von Martin
erklären, was passiert war: In der 79. Minute köpfte Momo
Diabang unbehelligt von der Srafraumgrenze an die Latte, der Ball sprang
von hinten an Rosts Rücken und von dort zu unserer aller Begeisterung
ins Tor. Bochum hatte nicht besonders gut gespielt, aber sie hatten
wieder gewonnen!
Von nun an war der Bochumer Block eine einzige (freude-) trunkene Party.
Julius Cäsar sagt in "Asterix und der Avernerschild"
einen ziemlich dummen Satz, nämlich "repetita non placent".
Das ist völliger Quatsch! Unser zweiter Auftritt in der Arena und
die Dinge wiederholten sich auf die denkbar angenehmste Art und Weise.
Der VfL hatte erneut die Halle erobert und die Freude kannte keine Grenzen.
Sollte das im nächsten Jahr wieder gelingen, kann dann spätestens
ein anderer Spruch Cäsars zitiert werden: "alea iacta est"
könnte es dann heißen (oh Gott, was für ein Wortspiel
meinerseits).
Nachdem die Mannschaft von uns für diese Leistung gesegnet wurde,
war es Zeit, seine Schäfchen zu sammeln und die Heimreise anzutreten.
Obwohl unter diesen Umständen die Bahnfahrt gar nicht mehr so schlimm
ist, zogen Herr Präsident und mein Block A-Gefährte Martin
es vor, mit Frau Präsidentin und ihrem Pupsi per Automobil nach
Hause zu fahren. Skandal! Kameradenschweine! Noch nie was von Solidarität
gehört? Ist Gemeinschaft ein Fremdwort für Euch?
Zorne entschuldigte sich im Nachhinein. Das ist lobenswert, also Schwamm
drüber.
Von Martin haben dagegen noch nichts in dieser Richtung gehört.
Im Gegenteil, er macht sich noch darüber lustig. Und ich halte
Dir im Stadion immer den Platz frei und sauber, bringe Dir Dein Alster
und wie dankst Du es mir? Ich bin enttäuscht! ;-)
Dafür haben die beiden Abtrünnigen in der Bahn die Geburt
eines neuen, hochintelligenten Schatzes im Bochumer Fanliedgut verpasst:
nachdem von irgendwo die Erkennungsmelodie einer alten Westernfernsehserie
gesungen wurde, kam aus ostlerschen Kreisen die aktuelle Version, passend
zu den Geschehnissen des Abends.
Hier der Text, gesungen zur Melodie von "Bonanza":
Dammdadarammdarammdammdamm Arena
Dammdadarammdarammdammdamm Dammdadarammdammdamm
Dammdadarammdarammdammdamm Arena
Dammdadarammdarammdammdamm Dammdadarammdammdamm
Lalala Lalala Lalalalala
Lalala Lalala Lalalalala
Dammdadarammdarammdammdamm Arena
Dammdadarammdarammdammdamm Dammdadarammdammdamm
Über den Rest der Bahnfahrt decke ich mal den Mantel des Schweigens.
Nur soviel, dass ein zu langer Aufenthalt in einer bestimmten Umgebung,
verbunden mit dem Konsum von Alkohol, zu peinlichen Ausfallerscheinungen
führen kann.
In Bochum angekommen ärgerte ich mich zunächst über
einen McD-Bediensteten, der sich weigerte - Cheeseburger waren z.Zt.
keine da - mir eine Scheibe Käse auf den Hamburger zu legen.
Bei Elke wurde noch einige Zeit das neue Lied zum Besten gegeben. Für
mich aber wurde es bald Zeit, aufzubrechen. Die Arbeit rief, und mein
Kopf war am nächsten Morgen auch so schon dick genug.
Normalerweise hätte man nun mindestens bis zum nächsten Spieltag
nur die Freude über diesen Sieg im Kopf gehabt. Das war diesmal
sicher auch der Fall, aber ganz so wie üblich konnte es nicht genossen
werden. Denn wie der Teufel Spielplan es wollte, stand als nächstes
das Heimspiel gegen unsere Lieblinge aus dem Osten des Potts an. Ich
hatte jedenfalls nur das Spiel gegen die Schwarz-Gelben im Kopf. Was
nützt es, gegen die Gelsenkirchener zu gewinnen, wenn man eine
Woche später von den Borussen abgeledert wird!?!
Der VfL aber nutzte die Gunst der Stunde und brachte eine T-Shirtedition
mit dem Aufdruck "Hallenfußball? Find ich gut!" heraus
- nicht ahnend, dass es nur eine Woche später Anlass für weitere
Textilbeflockungen geben sollte.
Immer noch - bzw. erst recht - im Derbyfieber bestieg ich die Bahn
und fuhr auf direktem Wege zum Stadion. Es war halt wieder ein Sonntagsspiel.
Diesmal war der große Weltfußball im Ruhrstadion zu Gast,
und da sich die Aufstellung der Borussen - trotz Verletzungsmisere -
immer noch wie ein "Who is Who" des Fußballs liest,
hatte ich ehrlich gesagt schlimme Befürchtungen, dass die Euphorie
aus den Spielen gegen Lautern und Ückendorf einen schlimmen Dämpfer
bekommen würde.
Obwohl ich zeitig losfuhr, war die Bahn ungewöhnlich voll, und
schon hier war zu erkennen, wieviele schwarz-gelbe Fans gar nicht aus
Dortmund kommen. Ich ertrug es stillschweigend, war aber froh, als ich
dem Gequetsche entkommen konnte.
Im Stadion gab es noch etwas Smalltalk mit einigen Mitgliedern der Blau-Weißen
Freunde von Block A, bevor Martin, ebenfalls wesentlich zeitiger als
sonst, eintraf und wir unsere Plätze aufsuchten.
Ich war angenehm überrascht, dass das Stadion entgegen vieler Befürchtungen
nicht in Dortmunder Hand war. So 8.000 - 10.000 werden es wohl gewesen
sein - ich will mich da nicht festlegen.
Auch der Ordnungsdienst hatte sein Versprechen gehalten und keine Fanuntensilien
des Gastes in der Ostkurve zugelassen. Auch wenn der verwirrte Autor
der Seite schwatt-gelb.de was anderes gesehen haben will (ich will dieser
Seite keinen unnötigen Traffic bescheren, sonst würde ich
Euch empfehlen, mal seine Verwirrtheiten nachzulesen - ehrlich, fast
so schön, wie beim letzten Mal). Wieviel Gäste sich nun wirklich
in der Ostkurve aufhielten, ließ sich auch während des Spiels
nicht feststellen. Grund, sich durch jubeln bemerkbar zu machen, sollten
sie jedenfalls nicht bekommen.
Block A war jedenfalls fest in Hand der Guten und die Stimmung hier
war eigentlich prima. Aber mangels Masse kommt das leider meist nicht
wirklich im Rest des Stadions an.
In Bochum ist das ohnehin so eine Sache mit der Akkustik. Auch die volle
Ostkurve gab zumindest zeitweise Vollgas, was aber meist höchstens
in der Mitte der Sitztribünen noch ankommt. Die Dortmunder habe
ich während des ganzen Spiels nicht ein einziges Mal im Block A
hören können. Auch nicht, als sie gegen Ende ganz offensichtlich
richtig Gas gaben. Insbesondere wenn die Hütte voll ist, schluckt
dieses Stadion einen Großteil der Unterstützung.
Zurück zum Anfang:
Die Stimmung war trotz allem richtig gut. Daran konnte auch unser Stadionsprecher
nichts ändern, der mir mit seinem aufgesetzten Getue (besonders
im Rahmen der Mannschaftsaufstellung sorgt er mit seinem Gesabbel mehr
für Chaos, als für Stimmung) mehr und mehr auf den Sender
geht...aber alles Geschmackssache.
Zum Einlauf der Teams hatten die Ultras mal wieder eine neue Choreografie
entworfen. Blaue Bänder wurden links und rechts eines riesigen
Transparentes die Ostkurve hochgezogen, und am Zaun hing ein Spruchband
mit den Worten "Das Feuer im Revier sind wir! Die öden Bonzen
- das seid ihr!". Respekt vor Eurem Einfallsreichtum und vor allen
Dingen vor Zeit und Mühe, die Ihr investiert!
Die Dortmunder hielten ein Plakat "Derby war schon" hoch,
dass zu allerlei Spekulationen Anlass gab: Was wollen sie uns damit
sagen? Dass das Derby am letzten Sonntag stattfand? Wollten sie "Derby
war schön" schreiben und ihnen sind lediglich die Punkte ausgegangen?
Egal, an diesem Sonntag sollten es jedenfalls nicht die einzigen fehlenden
Punkte auf Dortmunder Seite bleiben.
Das Spiel begann und - was soll ich sagen? - bereits nach sechs Minuten
stand es 1:0 durch unseren Hub-Hub-Hubschrauber!
Der Großteil der Zuschauer frohlockte und Borussia drehte mächtig
auf. In der nächsten Zeit hätte durchaus der Ausgleich fallen
können/müssen, aber RvD, Coldings Bein und, insbesondere bei
einem kuriosen Freistoß, das Glück verhinderten dies.
Ob es die entscheidende Situation war, weiß ich nicht, es interessiert
mich auch nicht, aber nach knapp 30 Minuten trat Kehl gegen Zdebel nach,
und der feine Herr wurde vorzeitig in die Kabine geschickt. Wieder wurde
in Reihen der Zuschauer eine gewisse Freude zum Ausdruck gebracht. Das
war aber nix im Vergleich zu dem, was in der zweiten Hälfte geschah.
Nach einer Einlage der Stationettes kamen die Mannschaften zurück,
und in der OK wurde Protestplakate gegen die Polizeiaktion vom letzten
Sonntag hochgehalten.
Derlei Probleme sind allerdings schnell vergessen, wenn unser Hub-Hub-Hubschrauber
von der Abwehr ignoriert wird und ungehindert zum 2:0 einköpfen
kann. Froide, Froide!
Aber so ganz traute ich als Berufspessimist dem Braten noch nicht. Allerdings
war die Dortmunder Leistung nun nicht mehr dazu angetan, uns in Angst
und Schrecken zu versetzen.
Die Ultras fanden zwischendurch übrigens noch Zeit, ein paar schwarz-gelbe
Doppelhalterfahnen an den Zaun zu hängen...irgend eine Beute, oder
so.
10 Minuten vor dem Ende versenkte Oliseh einen Freistoß zur entgültigen
Entscheidung und es brachen, zumindest in meiner Umgebung, alle Dämme.
Alles jubelte, trubelte und war von Heiterkeit beschwingt.
Nachdem ich zwecks Umarmung von meinem Sitz zu Martin hinunterstieg,
gestanden wir uns beide, ein steifes Glied zu haben. Ne, wat war dat
schön. Fußball hat eben manchmal sogar etwas sexuelles.
Die Dortmunder feierten spätestens ab jetzt auch richtig ab, was
laut oben erwähnter Intelligenzseite kein Sarkasmus war, sondern
die Besinnung auf alte Fanwerte, den Verein bedingungslos zu unterstützen,
oder so ähnlich. Na ja sie geben wenigstens zu, dass sie da was
haben vermissen lassen.
Soll uns nicht kümmern! Der Rest war Jubel!
Erneut wurden Team und Trainer gesegnet, und Sunday Oliseh legte ein
Freudentänzchen der besonderen Art hin.
Da sollen sie doch über uns lustig machen, wie sie wollen, uns
belächeln und erzählen, es gebe nur ein wahres Derby. Wir
haben unsere ganz privaten Derbies gewonnen und feieren dies entsprechend.
Es wäre allerdings schön, wenn Anhänger der einen Seite
uns nicht gratulieren würden, wenn wir die anderen besiegt haben.
Solch große Momente kosten wir nämlich gerne alleine aus.
Die Nummer 1 im Pott sind wir, und ihr dürft schön euer 0:0-Derby
hochleben lassen!
Martin und ich gingen - soweit unser "Ihr wisst schon, was"
es zuließ - zum Rest des Clubs unter der Ostkurve. Hier wurde
geherzt, umarmt und geknutscht auf Teufel komm raus und nach und nach
zogen wir zur Stadiongastronomie.
Hier war ein DJ zugegen, es herrschte prächtige Stimmung, der Borussenbus
wurde verabschiedet und wir hatten mal wieder einen Anlass, uns selbst
so richtig ausgiebig zu feiern.
Leider war bald Zapfenstreich und die meisten waren so vernünftig,
nicht zu vergessen, dass am folgenden Tag alle wieder an die Schüppe
mussten.
Roland und ich wollten noch auf ein Biechen zu Elke gehen, verpassten
aber die Bahn, beschlossen, zu Conny zugehen, trafen Kasi mit dem seben
Ziel an der Pommesbude, beschlossen vorauszugehen, trafen auf die nächste
Bahn und fuhren nun doch zu Elke.
Im Bahnhof gab es für mich noch was lustiges zu sehen und bei Elke
gab es noch einen lustigen - ich hoffe nicht so ernst gemeinten ;-)
- Disput und ein oder zwei Pilsken.
Dann war Schluss. Auf der einen Seite kann man sich natürlich über
diese Spiele am Sonntag aufregen - andererseits würden, so glaube
ich, hätten diese beiden denkwürdigen Spieltage für uns
an Samstagen stattgefunden, heute noch einige im Koma oder einer Ausnüchterungszelle
liegen. Hat also alles etwas gutes.
So genießen wir diese Tage, in der Gewissheit, auf der Arbeit
mit breiter Brust erscheinen zu können und, da kann in den nächsten
Wochen kommen was will, das Grinsen so schnell nicht mehr aus dem Gesicht
zu verlieren.
Euer Lars das "Nummer-eins-im-Pott" Law
Ach ja, zur Zeit erfreut sich der VfL auch eines gesteigerten Medieninteresses.
Wenn dies aber bedeutet, dass er mit solch schlimmen Moderatorenkatastrophen
konfrontiert wird, wie der arme RvD im DSF, dann sollten sich die Sender
doch lieber um andere Mannschaften kümmern.
Sowas haben unsere Spieler angesichts ihrer derzeitigen Leistungen einfach
nicht verdient.
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