21.02.04 Leverkusen-VfL Bochum


Der Roland, der wo unser Mitglied ist, hat einen Bruder Olaf, der wo unser (Gründungs-) Mitglied war und zu dem wir immer noch einen ganz guten Kontakt pflegen.
Nun ist dieser Olaf ein professioneller Busfahrer bei der BoGeStra und hat angeboten, uns mit einem Gelenkbus hin und wieder zu Auswärtsspielen zu kutschieren - was liegt also näher, als mal eine eigene Linie 1983 einzurichten?
Eben nix, und da Olaf zum Spiel in Leverkusen Zeit hatte, das Ziel in (für so ein Beförderungsmittel) realistischer Entfernung lag und viele Treue gerade Lust hatten, war sie Sache klar.
Der diesjährige Hallenzauber bot gute Gelegenheit für die Bekanntmachung, und auch aufgrund des günstigen Fahrpreises hieß es schnell "ausverkauft".
Punkt 12 schloss ich auf der Arbeit ab und ließ mich vom Chef persönlich in Richtung Haltestelle "Elke" mitnehmen. Selbstvertrauen hatte ich, dank des Sieges gegen Bayern, reichlich im Gepäck, aber noch keine Verpflegung. Also erstmal zum Chinamann aus Korea und ein oder vier Fläschchen Moritz eingekauft.
Bei Elke war dann schon reichlich Fanvolk vertreten. Herne Constantin, Block A, Bochumer Jungen, Wilde Jungs und natürlich reichlich Treue waren neben weiteren Honorationen der Szene bereits in bester Laune. Leider hielten sich ein paar Leute nicht an ihre Zusagen und ließen sich nicht blicken. Schade, es wollten nämlich noch einige Bekannte mehr mit, von denen wir wissen, dass sie so einen Scheiß nicht machen und verlässlich sind.
Dennoch bestens gelaunt verließen wir um kurz vor 13 Uhr die Schänke und warteten auf den Bus. Obwohl von der BoGeStra, kam dieser auch pünktlich, mit VfL Bochum in der Fahrtzielanzeige (heißt das so?) und Treuen-Schal an der Windschutzscheibe.
Beim Betreten fiel mir gleich die erfreulich hohe Anzahl gefüllter Fiegekästen auf (bewacht und gewissenhaft verwaltet von Olafs Tochter) und ich wunderte mich, warum das Vorhandensein von Erfrischungen mir zuvor nicht mitgeteilt wurde. Nachdem man mir sagte, dies wäre auf der letzten Sitzung erwähnt worden und ich auch noch zufällig erfuhr, dass die nächste am Stadioncenter (Besichtigung) stattfinden würde, beschloss ich, auf den weiteren Treffen etwas besser aufzupassen.
Ich erkämpfte mir meinen Platz neben Martin gegen Karl August von den BoJus und schon stand einer vergnüglichen Fahrt, mit Gesprächen auf höchster intellektueller Ebene, nichts mehr im Wege.
Diese verlief dann auch flott und wurde nur durch ein kurzes Pinkelpäuschen in Remscheid unterbrochen. Lediglich die infame Behauptung unseres Kassenwartes, ich hätte vergessen den Termin für das Spiel gegen Gladbach auf dieser Homepage zu ändern, trübte den ansonsten absolut positiven Gesamteindruck.
In Leverkusen angekommen war noch etwas Zeit, die Vereinskneipe am Stadion zu besuchen und die Geschmacksknospen mit der dort angebotenen bierfarbigen Flüssigkeit zu verärgern.
Nachdem wir uns die letzten Krämpfe aus dem Mund geschüttelt hatten, ging es in Richtung Bochumer Block - nicht ohne Verwunderung, über die Anwesenheit des Kölner Mannschaftsbusses. Wahrscheinlich wollen sie einfach jede Gelegenheit ausnützen, anständigen Bundesliga-Fußball zu bewundern.
Am Eingang konnte noch König Jürgen I. von und zu Bochum-Ost mit seinem Hofstaat begrüßt werden, bevor man die berühmt-berüchtigten Leverkusener Einlasskontrollen über sich ergehen lassen musste.
Wie schon im Jahr zuvor, fand ich diese eher harmlos. Zwar kam ich diesmal nicht gänzlich ohne Kontrolle hindurch, aber mein persönlicher Leibesvisitateur sah nur so aus, als würde er hauptberuflich auf zweitklassigen Wrestling-Veranstaltungen seinen Gegnern Stühle auf den Kopf klopfen. Er war im Gegenteil sehr freundlich und entschuldigte sich mehrfach mit den Worten "Sorry, aber ich muss das tun".
Da das im Stadion angebotene Bierersatzgetränk bereits mehrfach von erfahrenen Testern überprüft und als ungenießbar eingestuft wurde, ging ich wie die meisten anderen auch, ohne Umwege in den Block.
Hier herrschte, trotz Reihen- und Sitzangaben auf den Eintrittskarten, freie Platzwahl, und da uns bereits eine stattliche Anzahl Bochumer zuvorgekommen war, suchten wir uns ein gemütliches, aber nicht mit besten Sichtverhältnissen ausgestattetes, Plätchen am Rand zur Sitztribüne, wo ich noch zwei liebe Bekannte begrüßen konnte.
Die Stimmung (auf Seiten der VfLer) war gut, die Atmung war o.k. und wir waren hochkonzentriert - es konnte also losgehen.
Halt, nicht ganz! Eine Frage stellte sich mir noch: Was für ein Publikum muss man haben, dass es die Installation dieser bescheuerten, stromverschlingenden, kopfschmerzverursachenden Heizstrahler unter den Tribünendächern erfordert? Hat Bayer das so angeordnet, um den Verkauf irgendwelcher Medikamente (gegen Strahlenkrankheit, Hitzschlag o.ä.) anzukurbeln, steckt RWE dahinter - ich mein, sinnloser kann Strom kaum vergeudet werden - oder gehört das zu Callis Entschlackungsprogramm? Ich weiß es nicht, jedenfalls sucht selbst im Zeitalter der Arenisierung deutscher Stadien so eine Albernheit noch ihresgleichen.
So, genug gemeckert, in der Zwischenzeit hatte das Spiel nämlich begonnen, und unser Holländer bekam gleich einige Gelegenheiten, sein Können unter Beweis zu stellen. Nach und nach bekam Bochum das Spiel aber in den Griff, kam ebenfalls zu eingen Chancen...und dann war schon Halbzeit - nix besonderes.
Das sollte sich im zweiten Durchgang allerdings ändern.
Der für Edu eingewechselte Meichelbeck schoss einen Freistoß einem Leverkusener so geschickt ans Bein, dass dieser gar nicht anders konnte, als den Ball ins eigene Tor abzufälschen. Tor! 1:0! Hähä!
Es blieb allerdings kaum Zeit, die Führung ausgiebig zu bejubeln, denn kurz darauf gab es wieder einen Freistoß für Bochum. Wosz täuschte geschickt eine Flanke an, die sich aber, durch eine wundersame Fügung des Schicksals, in den gegnerischen Maschen niederließ. Tor! 2:0! Hähähä!
Große Freude kam auf, ebbte aber leider wieder etwas ab, als den Leverkusenern der Anschluss gelang.
Kleine Sorgenfältchen machten sich auf unseren Gesichtern breit, vertieften sich, als Bayer doch ordentlich auf den Ausgleich drängte und verflachten wieder etwas, als ein Spieler in Rot wegen eigener Dummheit den Platz ein wenig verfrüht verlassen durfte.
Dann leistete Darek tolle Vorarbeit, und Momo machte das Dingen toll rein. Tor! 3:1! Hähähähä!
Der Bochumer Block ein Tollhaus, die Stimmung kochte längst nicht mehr aufgrund der Heizstrahler über, westfälischer Karneval im Rheinland! Apropos: Sehr süß Limpi, Dein rotes Näschen und die Herzchen auf den Bäckchen...äh, auf den Wangen ;-)
Nachdem ich ausgiebig "Hurra" geschrieen hatte, beschloss ich, Callis Kopfsauna kurzzeitig zu entfleuchen und mir zur Feier des Tages eine Bratwurst im Brötchen zu gönnen. Bratwurst gab es natürlich nicht, ich entschied mich für die angebotene Alternativwurst "Krakauer" zum Preis von 500g Rinderfilet, bestaunte kurz das lange, schwarze Etwas in meinem Brötchen (haha, wenn diese Wortwahl mal nicht zum Anlass für einige Kommentare gewisser Herrschaften wird), stellte durch Zubeißen fest, dass das Dingen bereits vor Spielbeginn auf der Warmhalteplatte gelegen haben musste und versuchte erfolglos, die Mahlzeit durch Hinzugabe von 3 Kilo Senf zu retten. Kleiner Tipp ans Catering-Team: Auf Einslive läuft die Kochsendung "Frittieren mit Callmund". Hört mal da rein und lasst euch vom obersten Leverkusener ein paar Tipps und Anregungen geben.
Zu Erfreulicherem: Ich begab mich mit meiner Wurst wieder ins Stadioninnere, in den Bochumer Freudentaumel. Die ersten Anhänger der Heimmannschaft wanderten bereits frustriert von dannen.
Nette Lieder, wie "Wir haben Heimspiel beim Dicken" oder "Gegen Bochum kann man mal verlieren" wurden zum Besten gegeben. Die Treuen feierten äußerst vergnügt mit, hofften aber irgendwie insgeheim doch, dass unseren Helden noch ein Törchen gelingen würde. Das 4:1 hätte schließlich die Eroberung des vierten Platzes von den Leverkusenern bedeutet. Wurde aber nix mehr draus. Madsen vergab kurz vorm Ende noch eine Riesenmöglichkeit...dann der Schlusspfiff! 3:1! Sieg! Hähähähähä!
Eine schöne Party war das! Die Spieler führten eine Polonäse auf, die üblichen Tanzeinlagen folgten, wobei sich insbesondere RvD und Oliseh hervortaten, welche dann auch noch ihre Mätzchen mit einer Bochumer Fahne machten. Diese wurde dann zur neuen Ekfahne erkoren und dem Trainer wurde, nachdem er sich vom Fernsehinterview freimachen konnte, ausgiebig gehuldigt.
Auf dem Weg zum Parkplatz wurde einigen bedröppelt wirkenden Levs zur Aufmunterung die Zunge rausgestreckt und Kommentare a la "Nänänänänäänä" abgegeben.
Während einige Mitfahrer sich entschlossen, der oben erwähnten Kneipe nochmal einen Besuch abzustatten, entschieden sich die Vernünftigen, den im Bus auf uns harrenden Fiegeflaschen die Wartezeit nicht zu lang werden zu lassen.
Mit dem Sieg im Rücken und nach all den Geschmacksverirrungen der vergangenen 3 Stunden, war der erste Schluck wahrhaftig eine Wohltat - mir hat mal jemand gesagt, das wäre ein Gefühl "als würde einem ein kleines Engelchen aufs Herz pinkeln".
Wir diskutierten noch kurz, ob wir nicht eigentlich Frusttrinken machen müssten, da der VfL schließlich die Gelegenheit auf Platz 4 knapp verpasst hatte, verwarfen diese Idee allerdings wieder.
Als dann alle Mitstreiter eingetroffen waren, sollte eine launige Rückreise gen Heimat beginnen.
Wir hatten ordentlich Spaß, sangen, tranken und frohlockten - halt das übliche Prozedere. Die Fahrt, unterbrochen in Remscheid und Sprockhövel, verging wie im Fluge, und die Siegertypen entstiegen ihrem Gefährt.
Es entwickelte sich noch ein entspannter Abend bei Elke, so wie man ihn kennt und schätzt, den ich aber recht zeitig (Mitternacht oder so?) als für mich beendet erklärte. Der Tag war halt lang für einen alten Mann.
Bleibt noch zu sagen, dass der erstmalige Einsatz eines solchen Busses durch die Treuen als Erfolg verbucht werden kann und mit einer baldigen Wiederholung zu rechnen ist. Ich persönlich war ja für Freiburg oder Stuttgart, aber mit diesen Vorschlägen stieß ich nur auf wenig Gegenliebe. Frankfurt ist allerdings ins Auge gefasst, ob mit Linien- oder Reisebus bleibt abzuwarten. Infos gibt es früh genug, erkundigt Euch einfach beim Reiseveranstalter Eures Vertrauens.

Lars das Law
(bald auch mit Bären-Ticket)


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