17.08.02 VfL-Cottbus


Nachdem unsere geliebten Freunde aus Ostwestfalen uns die erstmalige BL-Tabellenführung der Vereinsgeschichte versaut hatten, waren es nicht nur die größten Optimisten, die den Eintritt dieses Ereignisses am 2. Spieltag für durchaus realistisch hielten. Schließlich hieß der Gegner Energie Cottbus, war also durchaus schlagbar, und Arminia musste die Reise zum bis dato großen Titelfavoriten Bayern antreten.
Also aufgestanden, Zähne geputzt und Popo gewaschen, Freundin an die Hand genommen und ab ins Wirtshaus.
Viele Treue waren es nicht, die ihren Weg in Elkes gastliche Hütte gefunden hatten. Ehrlich gesagt waren es nur Roland, Kasper (ja, ja ich weiß, Du willst freischaffend bleiben, aber tief in Dir drin steckt ein Treuer, der unbedingt heraus möchte!) und ich, die die Farben unseres Clubs vertraten.
Egal, ich wollte sowieso ein bischen früher zum Platz, um mich kurz mit Moppel zu treffen, und mit der 1. Liga war ja auch wieder mit einer besser besuchten Ostkurve zu rechnen.
Also zeitig zum Stadion, Moppel getroffen, Einlass gesucht und gefunden, um dann schon vor Spielbeginn festzustellen, dass die seligen Zeiten eines "ich geh mal eben 'n Bier holen" wieder vorbei waren.
Irgendwie fluppt das an einigen Ständen nicht so richtig und als zur Halbzeit an diversen Verkaufsbuden diverse Getränke ausverkauft waren, kam mir zum wiederholten Male der Gedanke, dass die Qualität von Organisation, Logistik usw. im Gastronomiebereich bei weitem nicht der des angebotenen Gerstensaftes entspricht. Aber lieber warte ich ein paar Minuten länger auf mein Fiege, als zügig an diese schreckliche Plörre heranzukommen, die vor noch nicht allzu langer Zeit verabreicht wurde.
Zurück zu vor dem Spiel: Es gab also die üblichen Rituale, wie Bier holen, Bekannte begrüßen, Pipi machen, Bier holen usw. Dann ließ ich mein Schätzken in guter Obhut zurück, um von Block A aus ein paar Fotos zu schießen.
Auf dem Weg dorthin begegnete ich einer Person, die mich stark an einen Buchstabenverkäufer aus der Sesamstraße erinnerte.
Jedenfalls hatte diese sich auffällig unauffällig gemacht und redete im Flüsterton Dinge wie "psssssst, nicht so laut!". Die Sache wurde mir unheimlich und ich trollte mich.
Ein paar Schritte weiter traf ich auf König Jürgen und seine schwarzen Ritter. Ich nutzte die Gelegenheit und erkundigte mich, ob nach dem Spiel die Zugbrücke zu des Königs Burg auch für Gäste heruntergelassen sei, denn mir war bereits zu diesem Zeitpunkt klar, dass ich bei diesem schönen Wetter keineswegs gewillt war, in einer verrauchten, stickigen Taverne den Abend zu verbringen, sondern lieber in des Königs Burghof mit angeschlossener Gartengastronomie lustwandeln wollte.
Nachdem ich dieses geklärt hatte, betrat ich den Sitzplatzbereich und die üblichen Rituale begannen: Bier holen, Bekannte begrüßen (ich grüßte unter anderem Block A), Pipi machen, Bier holen...
Unser Schalker Martin hatte sich übrigens von einem älteren Herren, dem es bei dieser Hitze wohl zu gefährlich war, sich auf den Weg ins Stadion zu machen, ebenfalls eine Karte für diesen Bereich erschlichen.
Kurz vor Spielbeginn ging ich auf die Tribüne und war einerseits enttäuscht, dass nur ca. 22.000 Zuschauer anwesend waren (Urlaub, zu heiß oder kein Vertrauen in die Mannschaft?), aber andererseits angenehm überrascht über die gute Stimmung, die von Beginn an herrschte.
Und sie sollte noch viel besser werden:
Nach anfänglichen Schwierigkeiten und zwei gar nicht so schlechten Chancen für die Cottbusser, rechnete ich schon wieder mit einer äußerst mittelprächtigen Partie. Also wieder das übliche Ritual Pipi machen, Bier holen verbunden mit dem nächsten: Der VfL schießt ein Tor. Ein im Netz wohlbekannter Sportwart erlitt übrigens das gleiche Schicksal, und wir stellten gemeinsam fest: "da geht man einmal ;-) zum Bierstand, schon verpasst man das Tor!"
Aber was soll's, unser Dreamteam spielte sich von nun an in einen wahren Rausch, und ich habe von den noch folgenden vier Toren (fast) keines mehr verpasst.
In der Halbzeitpause wollte ich mich eigentlich zu meinen Lieben und meiner Liebsten gesellen, entschied dann aber, nachdem ich die verschwitzten Leiber sah und erschreckende Berichte über den verwirrten Geist eines Grümerbaumers hörte, dass es besser sei, auch die zweiten 45 Minuten im Schatten der Südtribüne zu verbringen. Neben Martin war noch ein Plätzchen frei und es war ein äußerst kurzweiliger zweiter Durchgang mit super Fußball und bester Stimmung.
Am Ende hatten unsere Jungs mit 5:0 gewonnen, wobei Christiansen sich mit drei Treffern einmal mehr in die Herzen der Fans schoss, und es war klar:

Der VfL war Tabellenführer!!!

Zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte hatte unser Team am Ende eines Spieltages die Nase vorn. Das war jetzt schon allen klar, und sofort wurden T-Shirts geplant und geordert, Bildschirmhintergründe für den PC wurden erstellt, die Tabelle im Videotext hatte an diesem Wochenende Top-Einschaltquoten, und an den Zimmerwänden wurde Platz für die gerahmte Tabelle aus der Zeitung geschaffen.
Leider trat unser Fanclub ausgerechnet an diesem denkwürdigen Abend nicht sonderlich geschlossen auf. Die einen trafen sich zum Grillen bei Macke, die anderen wollten kurz zur Elke oder fuhren lieber gleich nach Hause, Zorne, Roland und ich (incl. meiner Lebensgefährtin) beschlossen VfL bei Elke zu gucken, um dann die Ostlersche Burg heimzusuchen und Kasi machte ganz auf Einzelschicksal und besuchte Block A im "Haus Frein" (habe ich jedenfalls so verstanden).
Bei den Ostlern angekommen, bekamen wir ordentlich eingeschenkt und es wurde noch ein netter Abend mit Bier, Weib, Gesang und hochintellektuellen Gesprächen über juristische und (sport-) politische Fragen.
Einzig der von uns immer wieder gern gesungene Gassenhauer "Kölle am Arsch" vergrätzte König Jürgen für einen kurzen Moment. Sorry, wir vergaßen, dass die schwarzen Ritter einen befreundeten Clan in der Domstadt haben.
Peter sei Dank besannen wir uns bald wieder auf die wesentlichen Dinge des Lebens, als er vorschlug (nein, er forderte!), mit dieser anwesenden Truppe nach Lütgendortmund zu laufen und Schwarz-Gelb einen Besuch abzustatten.
Während ich noch überlegte, was der sonst so nette Peter denn wohl eingenommen haben könnte, entdeckten Zorne und Roland ihre Zuneigung für einander und zogen sich Arm in Arm an die Theke im Innenbereich zurück.
Langsam aber sicher wurde mir klar (ich liebe dieses Wort), dass ich der einzig nüchterne in dieser Runde war. Man weiß ja, wieviel Spass es bringt, als einziger nicht betrunken zu sein, und so beschloss ich, den Abend zu beenden und ein Taxi zu bestellen.
Der Aufforderung meiner beiden Fanclubkollegen, sie auf dem Weg von Langendreer nach Sundern in der Innenstadt rauszulassen, wollte ich nicht mehr nachkommen.
Müde aber glücklich fiel ich ins Bett und verbrachte meine erste Nacht als Fan eines BL-Spitzenreiters (jaja ich weiß, nach dem Nürnbergspiel zählt aber nicht!). Nur den Kater am nächsten Tag kann ich mir nicht erklären.

Euer Lars


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