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Nachdem unsere geliebten Freunde aus Ostwestfalen
uns die erstmalige BL-Tabellenführung der Vereinsgeschichte versaut
hatten, waren es nicht nur die größten Optimisten, die den
Eintritt dieses Ereignisses am 2. Spieltag für durchaus realistisch
hielten. Schließlich hieß der Gegner Energie Cottbus, war
also durchaus schlagbar, und Arminia musste die Reise zum bis dato großen
Titelfavoriten Bayern antreten.
Also aufgestanden, Zähne geputzt und Popo gewaschen, Freundin an
die Hand genommen und ab ins Wirtshaus.
Viele Treue waren es nicht, die ihren Weg in Elkes gastliche Hütte
gefunden hatten. Ehrlich gesagt waren es nur Roland, Kasper (ja, ja
ich weiß, Du willst freischaffend bleiben, aber tief in Dir drin
steckt ein Treuer, der unbedingt heraus möchte!) und ich, die die
Farben unseres Clubs vertraten.
Egal, ich wollte sowieso ein bischen früher zum Platz, um mich
kurz mit Moppel zu treffen, und mit der 1. Liga war ja auch wieder mit
einer besser besuchten Ostkurve zu rechnen.
Also zeitig zum Stadion, Moppel getroffen, Einlass gesucht und gefunden,
um dann schon vor Spielbeginn festzustellen, dass die seligen Zeiten
eines "ich geh mal eben 'n Bier holen" wieder vorbei waren.
Irgendwie fluppt das an einigen Ständen nicht so richtig und als
zur Halbzeit an diversen Verkaufsbuden diverse Getränke ausverkauft
waren, kam mir zum wiederholten Male der Gedanke, dass die Qualität
von Organisation, Logistik usw. im Gastronomiebereich bei weitem nicht
der des angebotenen Gerstensaftes entspricht. Aber lieber warte ich
ein paar Minuten länger auf mein Fiege, als zügig an diese
schreckliche Plörre heranzukommen, die vor noch nicht allzu langer
Zeit verabreicht wurde.
Zurück zu vor dem Spiel: Es gab also die üblichen Rituale,
wie Bier holen, Bekannte begrüßen, Pipi machen, Bier holen
usw. Dann ließ ich mein Schätzken in guter Obhut zurück,
um von Block A aus ein paar Fotos zu schießen.
Auf dem Weg dorthin begegnete ich einer Person, die mich stark an einen
Buchstabenverkäufer aus der Sesamstraße erinnerte.
Jedenfalls hatte diese sich auffällig unauffällig gemacht
und redete im Flüsterton Dinge wie "psssssst, nicht so laut!".
Die Sache wurde mir unheimlich und ich trollte mich.
Ein paar Schritte weiter traf ich auf König Jürgen und seine
schwarzen Ritter. Ich nutzte die Gelegenheit und erkundigte mich, ob
nach dem Spiel die Zugbrücke zu des Königs Burg auch für
Gäste heruntergelassen sei, denn mir war bereits zu diesem Zeitpunkt
klar, dass ich bei diesem schönen Wetter keineswegs gewillt war,
in einer verrauchten, stickigen Taverne den Abend zu verbringen, sondern
lieber in des Königs Burghof mit angeschlossener Gartengastronomie
lustwandeln wollte.
Nachdem ich dieses geklärt hatte, betrat ich den Sitzplatzbereich
und die üblichen Rituale begannen: Bier holen, Bekannte begrüßen
(ich grüßte unter anderem Block A), Pipi machen, Bier holen...
Unser Schalker Martin hatte sich übrigens von einem älteren
Herren, dem es bei dieser Hitze wohl zu gefährlich war, sich auf
den Weg ins Stadion zu machen, ebenfalls eine Karte für diesen
Bereich erschlichen.
Kurz vor Spielbeginn ging ich auf die Tribüne und war einerseits
enttäuscht, dass nur ca. 22.000 Zuschauer anwesend waren (Urlaub,
zu heiß oder kein Vertrauen in die Mannschaft?), aber andererseits
angenehm überrascht über die gute Stimmung, die von Beginn
an herrschte.
Und sie sollte noch viel besser werden:
Nach anfänglichen Schwierigkeiten und zwei gar nicht so schlechten
Chancen für die Cottbusser, rechnete ich schon wieder mit einer
äußerst mittelprächtigen Partie. Also wieder das übliche
Ritual Pipi machen, Bier holen verbunden mit dem nächsten: Der
VfL schießt ein Tor. Ein im Netz wohlbekannter Sportwart erlitt
übrigens das gleiche Schicksal, und wir stellten gemeinsam fest:
"da geht man einmal ;-) zum Bierstand, schon verpasst man das Tor!"
Aber was soll's, unser Dreamteam spielte sich von nun an in einen wahren
Rausch, und ich habe von den noch folgenden vier Toren (fast) keines
mehr verpasst.
In der Halbzeitpause wollte ich mich eigentlich zu meinen Lieben und
meiner Liebsten gesellen, entschied dann aber, nachdem ich die verschwitzten
Leiber sah und erschreckende Berichte über den verwirrten Geist
eines Grümerbaumers hörte, dass es besser sei, auch die zweiten
45 Minuten im Schatten der Südtribüne zu verbringen. Neben
Martin war noch ein Plätzchen frei und es war ein äußerst
kurzweiliger zweiter Durchgang mit super Fußball und bester Stimmung.
Am Ende hatten unsere Jungs mit 5:0 gewonnen, wobei Christiansen sich
mit drei Treffern einmal mehr in die Herzen der Fans schoss, und es
war klar:
Der VfL war Tabellenführer!!!
Zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte
hatte unser Team am Ende eines Spieltages die Nase vorn. Das war jetzt
schon allen klar, und sofort wurden T-Shirts geplant und geordert, Bildschirmhintergründe
für den PC wurden erstellt, die Tabelle im Videotext hatte an diesem
Wochenende Top-Einschaltquoten, und an den Zimmerwänden wurde Platz
für die gerahmte Tabelle aus der Zeitung geschaffen.
Leider trat unser Fanclub ausgerechnet an diesem denkwürdigen Abend
nicht sonderlich geschlossen auf. Die einen trafen sich zum Grillen
bei Macke, die anderen wollten kurz zur Elke oder fuhren lieber gleich
nach Hause, Zorne, Roland und ich (incl. meiner Lebensgefährtin)
beschlossen VfL bei Elke zu gucken, um dann die Ostlersche Burg heimzusuchen
und Kasi machte ganz auf Einzelschicksal und besuchte Block A im "Haus
Frein" (habe ich jedenfalls so verstanden).
Bei den Ostlern angekommen, bekamen wir ordentlich eingeschenkt und
es wurde noch ein netter Abend mit Bier, Weib, Gesang und hochintellektuellen
Gesprächen über juristische und (sport-) politische Fragen.
Einzig der von uns immer wieder gern gesungene Gassenhauer "Kölle
am Arsch" vergrätzte König Jürgen für einen
kurzen Moment. Sorry, wir vergaßen, dass die schwarzen Ritter
einen befreundeten Clan in der Domstadt haben.
Peter sei Dank besannen wir uns bald wieder auf die wesentlichen Dinge
des Lebens, als er vorschlug (nein, er forderte!), mit dieser anwesenden
Truppe nach Lütgendortmund zu laufen und Schwarz-Gelb einen Besuch
abzustatten.
Während ich noch überlegte, was der sonst so nette Peter denn
wohl eingenommen haben könnte, entdeckten Zorne und Roland ihre
Zuneigung für einander und zogen sich Arm in Arm an die Theke im
Innenbereich zurück.
Langsam aber sicher wurde mir klar (ich liebe dieses Wort), dass ich
der einzig nüchterne in dieser Runde war. Man weiß ja, wieviel
Spass es bringt, als einziger nicht betrunken zu sein, und so beschloss
ich, den Abend zu beenden und ein Taxi zu bestellen.
Der Aufforderung meiner beiden Fanclubkollegen, sie auf dem Weg von
Langendreer nach Sundern in der Innenstadt rauszulassen, wollte ich
nicht mehr nachkommen.
Müde aber glücklich fiel ich ins Bett und verbrachte meine
erste Nacht als Fan eines BL-Spitzenreiters (jaja ich weiß, nach
dem Nürnbergspiel zählt aber nicht!). Nur den Kater am nächsten
Tag kann ich mir nicht erklären.
Euer Lars
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