03.11.02 VfL-Berlin

 
Da es Einiges wegen unserer Jubiläumsfahrt im nächsten Jahr zu bereden gab,
trafen wir uns bereits um 15 Uhr bei Elke.
Obwohl längst nicht alle Mitglieder anwesend waren, kam auf diese Art doch endlich mal wieder eine ansehnliche Truppe zusammen.
Nach kurzer Besprechung und ein wenig Kritik an der Homepage (jaja, meckern, meckern, meckern) ging es zum gemütlichen Teil über, und wir bereiteten uns auf das Spiel gegen die Hauptstädter vor.
In zwei Gruppen (wir waren so viele Leute, dass wir uns aufteilen mussten) fuhren wir zum Stadion und ich trennte mich Richtung Block A, wo ich mit meiner neuen Kamera ein paar Bilder schießen wollte.
Lüdis Sohn sollte diesmal das Maskottchen des Spieltages sein. Über Sinn und Unsinn dieser Aktion scheiden sich ja die Geister, aber wenn schon Nachwuchs aus unserem Club da unten steht, muss davon natürlich auch ein Foto gemacht werden.
Leider ist da irgendwas schief gelaufen, denn ich hörte den Kleinen zwar (sein Tipp war mit 4:1 gar nicht schlecht), konnte ihn aber nirgends erkennen. Vor der Kurve, wie üblich, stand er jedenfalls nicht. Sorry Lüdi, hat leider nicht geklappt.
Zuschauer- und Stimmungsmäßig lag auch wieder einiges im Argen. Wenig Berliner und insgesamt nur gut 22.000 Zuschauer.
"Scheiß Sonntagsspiele" kann man sicher sagen und sage ich auch. Dennoch frage ich mich, wie der VfL eigentlich noch spielen muss, damit einige Leute in dieser Stadt endlich wieder ihren Arsch hochkriegen und hingehen. Auch wenn unsere Jungs zwischenzeitlich mal ’nen kleinen Hänger hatten, schlechte Spiele hat es mit VfL-Beteiligung in dieser Saison noch nicht gegeben. Gegen Bayern kommen sie aber wieder alle an und jammern "Wieso ist denn schon ausverkauft?", "Könnt ihr nicht noch ’ne Karte besorgen?", "Warum beginnt der Vorverkauf denn schon so früh?" usw. Bähbähbäh, wie wäre es denn mal mit ’nem Spiel gegen Hertha oder in Stuttgart oder Kaiserslautern? Sind doch auch ganz attraktive Gegner... oder?!?
Egal, ist einfach müßig sich drüber aufzuregen. In Bochum kommen sie nur alle aus ihren Löchern gekrochen, wenn der FC Bayern kommt oder wenn es sich wirklich um ein Endspiel oder den Uefa-Cup handelt. Dann sind alle wieder da und heulen bitterlich, wenn sie keine Karte abbekommen.
Vielleicht sollte man sich als Bochumer wünschen, auf ewig erfolglos zu bleiben, damit man auch weiterhin von solchen "Fans" verschont und weitestgehend unter sich bleibt. Lahme Stimmung haben wir zur Zeit auch so schon genug.
Die erste Halbzeit war gegen die Hertha aber auch nicht unbedingt dazu angetan, einen vor Begeisterung von den Sitzen zu reißen.
Es fing zwar ganz gut an, dann rissen die Berliner die Partie aber mehr und mehr an sich, so dass wir es hauptsächlich ein paar tollen Reflexen unseres Holländers zu verdanken hatten, nicht in Rückstand zu geraten.
Zur Pause habe ich mich dann zum Rest des Clubs gesellt.
Es dauerte gar nicht lange und Dariusz hatte unseren Club mit 1:0 in Führung gebracht.
Dass er beim Jubeln ein T-Shirt vor der Ostkurve präsentierte, auf dem "Ich bin ein Bochumer Junge" stand, habe ich erst später durch die Medien erfahren. Während der Jubelorgien war ich damit beschäftigt, meine Kamera vor den vielen Hektolitern Bier zu schützen, die über mich und um mich herum verschüttet und weggeschleudert wurden.
Nachdem mir einmal die Fotos gelöscht wurden und ich meine Kamera im zweiten Anlauf endgültig verschludert habe, wäre die Zerstörung des neuen Apparates durch Bier wohl der Höhepunkt meiner Fotografenkarriere geworden.
Aber ich will es nicht beschreien, wer weiß, was in Stuttgart passiert. Ich tippe auf Eierlikör im Display.
Dann fielen noch das 2:0 durch Freier - mit ähnlichen Bierduschen - und das 3:0 durch den Wikinger. Mal wieder ein deutlicher Sieg, vor allen Dingen gegen einen Gegner, bei dem man es nicht unbedingt erwarten darf.
Alle waren bestens gelaunt und die Stimmung jetzt natürlich prächtig.
Besonders intelligent fand ich aber den Gesang, der schon während des gesamten Spiels aus der Ostkurve den Berlinern entgegenschallte: "Euer Trainer ist ’ne Schalker Sau..." Huiii, wie toll. Hub Stevens war total beeindruckt. Man munkelt unser Peter hätte seinen Kollegen beruhigend in den Arm genommen und ihn mit den Worten "Mach dir nix draus, ich bin noch ’ne viel größere!" getröstet.
Auch der Jubel über den Bremer Sieg gegen die Bayern hat mich etwas stutzig gemacht, aber offensichtlich wünschen sich einige in der Ostkurve, dass unsere geliebten Nachbarn aus dem Vorort von Unna auch in diesem Jahr eine "ganze Fußballregion in Freudentaumel versetzen".
O.K., wenn das so ist, dann stinkt mir das zwar, ist aber wohl nicht zu ändern. Dennoch sehe ich Bremen z.Zt. als unseren größten Konkurrenten im Kampf um Platz drei an und kann mich allein deswegen schon nicht über ihren Sieg freuen.
Vielleicht denke ich ja am Ende der Saison, wenn der VfL dem FCB die Schale weggeschnappt hat, anders über den Sieg des SVW.
Nixdestotrotz zogen die üblichen Verdächtigen gutgelaunt ins Wirtshaus, wobei Kasi sich selbst mal wieder eine Extrawurst briet und ins Krönchen ging statt zur Elke.
Bei Elke trafen wir zwei ganz nette Berliner, die uns aber schon bald verlassen mussten, tranken noch ein paar Humpen und beschlossen irgendwann, Kasi im Krönchen zu besuchen.
Dort angekommen, war von ihm nichts mehr zu sehen. Dafür trafen aber seine Proteste per SMS ein, dass wir ihm hätten Bescheid geben müssen.
Tschuldigung, aber es sollte doch eine Überrachung werden.
Wir bedauerten Kasi (sehr) kurz aber heftig und beschlossen, ihm zu Ehren die Knobelbecher kreisen zu lassen.
Zorne verlor zunächst heftig und ich freute mich ebenso heftig. Das hat sich leider heftigst gerächt und als mein Portemonnaie sich hastig zu leeren begann, bestellte ich das längst fällige Taxi.
Ich fuhr nach Hause fiel etwas lautstark ins Bett und träumte von der Teilnahme an der Championsleague.

Bis in Stuttgart,
Lars der Träumer

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