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So, das wars für dieses Jahr.
Endlich ist Winterpause und ich denke, das tut allen Beteiligten ganz
gut.
Irgendwie verstehe ich das nicht so ganz. Der VfL hat über weite
Strecken eine ordentliche Hinrunde, mit z.T. begeisterndem Fußball
abgeliefert. Als Last-Minute-Aufsteiger und Abstiegskandidat Nr.1, überwintern
wir auf einem einstelligen Tabellenplatz und dennoch macht es im Augenblick
nicht wirklich Spaß, ein VfL-Fan zu sein.
Von Anfang an:
Roland und ich fanden, dass es mal wieder an der Zeit war, dem Ostlerschen
König und seinem Hofstaat einen Besuch abzustatten.
Mein Schatz, ihr Sohn und ich holten noch meine Schwester aus ihrer
neuen Behausung ab und kutschierten zum Langendreerer (äh,???)
Volkspark, wo bekanntlich des Königs Burg, einer mächtigen
Festung gleich, über allem herrscht.
Meine Schwesterherz und ich wurden flugs verabschiedet und aus dem Wagen
geworfen, um sogleich von Jürgen I. und seinen schwarzen Rittern
begrüßt zu werden.
2 Freunde des Königs aus dem Reiche der 60er waren übrigens
auch zugegen.
Leider vergaß der mächtige Herrscher, dass bei Temperaturen
unter 0 Grad und über einen längeren Zeitraum, die Burg auch
mal geheizt werden muss! So waren die königlichen Wasserrohre geplatzt
und ich wurde darauf hingewiesen, dass heute die großen und kleinen
Geschäfte wohl im Burghof erledigt werden müssen. Hoffentlich
ist das bis zur Silvesterparty wieder in Ordnung. Könnte sonst
eklig werden.
Roland traf irgendwann auch ein, und wir fuhren, unter leichten Platzproblemen,
da einige noch mit wollten ohne reserviert zu haben, mit den königlichen
Kutschen, die Königin musste unterwegs noch abgeholt werden, zum
Ground.
Dann das Übliche, Block A und ein paar andere begrüßen,
Herr Sportwart nannte mich übrigens später "Schneeflöckchen!",
Bierchen holen, Bierchen trinken und Fotos machen.
Noch nicht einmal 19.000 Zuschauer hatten sich im Stadion eingefunden
und die Stimmung war hundsmiserabel. Nicht einmal als die Spieler sich
mit einem Plakat für die Unterstützung (häh?) bedankten,
wurde es richtig laut.
Da wurde von den Fans gefordert, die Musik kurz vor Beginn abzustellen
und was ist das Resultat? Totenstille im Stadion!
Auch während der ersten Halbzeit blieb es ruhig, lediglich der
wunderbare "Arschloch-Wichser-Hurensohn-Roar" bei den Abschlägen
des gegnerischen Torwarts war einigermaßen zu hören. Der
kongeniale Nachsatz "Deine Eltern sind Geschwister" wird übrigens
auch immer lauter. Wahnsinn!
Ne, mal im Ernst, ich würde mir am liebsten jedesmal die Ohren
zuhalten, so peinlich ist mir dieser Schwachsinn!
Naja, dann (es stand 1:0 für die Löwen) kam die Halbzeitpause
und ich trollte mich zur Ostkurve.
Kurz ein paar Leutchen vom Club begrüßt und als ich die ersten
Pfiffe hörte, dachte ich mir, dass man unsere Tanztruppe "Stationettes"
doch wenigstens einmal gesehen haben muss.
Ich bin dann auf die Haupttribüne und erblickte die, wie Schlümpfe
gekleideten, Mädels und ein Plakat in der Ostkurve "Cheerleader
wofür? Die Stimmung machen wir!" Jo, hab ich gemerkt! Dann
legten die Mädels eine banale Tanzeinlage aufs Parkett und
waren nach 2 Minuten wieder verschwunden. So what?
Kann mir irgendjemand erklären, warum es einige nicht schaffen,
den Mädchen auch nur ein Mindestmaß an Respekt und Höflichkeit
entgegenzubringen? Wenn man die Truppe, aus welchen Gründen auch
immer, nicht will/mag, dann ignoriere man sie im Stadion und beschwere
sich beim VfL, oder so. Jedenfalls kann diese peinlich-primitive Holzhammermethode,
mit der man allen anderen (auch den anderen Fans) seine Meinung aufs
Auge drücken will, nicht die richtige sein.
Fairerweise muss man aber auch sagen, dass die ganz große Mehrheit
im Stadion den Mädels applaudiert hat und sei es, wie bei mir,
nur, weil das Benehmen einiger unter aller Sau war. Aber leider sind
Tausende die höflich in die Hände klatschen, nicht so laut,
wie ein paar hundert Leute, die sich die Seele aus dem Leib pfeifen
und brüllen.
Was um Himmels Willen ist so schlimm daran, wenn ein paar Mädchen
in der Pause ihre Tanzeinlage vorführen und dabei etwas Werbung
für ein Fitnesscenter gemacht wird?
Und bitte erkäre mir niemand, was mein Fußball zu sein hat
und was mit meinem Fußball nix zu tun hat. Ich bin nämlich
alt genug, um das selbst zu entscheiden und versuche auch nicht, meine
Meinung dazu, jedem mit Gewalt durch pfeifen, pöbeln oder gar einprügeln
aufzuzwingen.
Die "Ultras raus!"-Rufe fand ich übrigens aber genauso
daneben. Es stimmt zwar, dass es früher auch ohne Ultras ging,
nur heute habe ich das Gefühl, dass zu Hause und besonders auch
auswärts ohne sie praktisch überhaupt keine Stimmung mehr
wäre.
Es bleibt zu hoffen, dass wir uns in Bochum mal wieder auf das Wesentliche,
nämlich den VfL, besinnen und akzeptieren, dass es im Stadion Leute
gibt, die unter dem "Fan-sein" etwas anderes verstehen, als
man selbst. Und noch eine Bitte: Nehmt Euch doch alle nicht so wichtig
(das schließt mich und die Treuen durchaus ein)!!! Mir ist in
Bochum niemand bekannt, der die ultimative Unterstützung für
den Verein erfunden oder für sich gepachtet hätte.
Ich ging dann jedenfalls wieder in die Ostkurve zurück und, entgegen
der Argumentation einer jungen Dame auf der letzten Fanversammlung,
hatte ich trotz Cheerdancer nicht das Bedürfnis, allen Frauen nur
noch auf die Titten und nicht ins Gesicht zu schauen. Ob Gesicht, Busen
oder Hintern, das mache ich immer noch davon abhängig, was ich
für betrachtenswerter halte.
Erstaunlicherweise wurde die Stimmung immer besser und passend dazu
fiel auch irgendwann der Ausgleich durch unseren TORero.
Nach dem Schlusspfiff wurde das Team für ein äußerst
gelungenes Jahr gefeiert und wir machten uns auf ins Wirtshaus zur freundlichen
Elke.
Der Rest ist die übliche Geschichte, wobei ich sagen muss, dass
man mir vieles vorwerfen kann (z.B. hab ich Anja mit Bier vollgesaut),
aber nicht, dass ich nicht wüsste, wann es Zeit ist, zu gehen.
Ich weiß das immer ganz genau und warte dann noch 2 Stündchen.
Die Kamera hab ich noch, dafür sind Mütze, Treuen-Pin und
Handschuhe weg.
Aber man gewöhnt sich an seine Schusseligkeit.
Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch wünsche ich.
Euer
Lars das Schneeflöckchen
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