|
Na, da war aber mal was los an diesem Wochenende in Bochum!
Erst gibt Herbert Grönemeyer zum ersten Mal seit ca. 100 Jahren
wieder ein Konzert in der Stadt aus der er kommt und an der er hängt,
dann versuchen mehrere Tausend Irre möglichst schnell über
42 Km nach Dortmund zu rennen, statt zu versuchen, möglichst weit
davon weg zu kommen, und last but not least hatte der VfL endlich wieder
ein Sonntagsspiel zu bestreiten. Wir bekamen auch langsam Entzugserscheinungen.
Ach ja, Muttertag war auch noch. Vielleicht lag es ja daran, dass "nur"
2.500 Bochumer sich zur Almerstürmung aufmachten. Diese sollten
allerdings nicht bereuen, den nachmittäglichen Kaffe und Kuchen
mit der Familie verpasst zu haben.
Der Reihe nach:
Die Bielefelder Alm stand also auf dem Programm. Der Örtlichkeit
entsprechend habe ich festes Schuhwerk geschnürt und mich mit der
Befürchtung, in sportlicher Hinsicht mal wieder einen auf den leidgeplagten
VfL-Fandeckel zu kriegen, in Richtung "Taverne zur freundlichen
Elke" aufgemacht. Mit Mühe und Not konnten wir Zorne auf der
letzten Sitzung ein 13 Uhr als Zeitpunkt für unser Treffen abringen
und da der Sonntagsfahrplan der BoGeStra in Sundern keine große
Flexibilität aufkommen lässt, entschloss ich mich, lieber
30 Minuten zu früh zu erscheinen, statt 30 Minuten zu spät.
Lange hat es nicht gedauert, bis mit Roland der erste Treue eintraf.
Ein wenig gequatscht, ein bisschen getratscht und sich vorm Fernseher
über die oben erwähnten Irren gewundert, da war das Wirtshaus
auch schon ordentlich mit Treuen Zugfahrern gefüllt.
Na ja, so wahnsinnig viel waren es eigentlich nicht, die die Sonderbahn
in Anspruch nehmen wollten. Roland, Schweppes, Zorne, Macke, Martin,
Moppel (inkl. Bruder und Treuem a.D. Mario), Lüdi, ein offensichtlich
übernächtigter Kasi und meine Wenigkeit, um genau zu sein.
Die Zeit verflog, und wir beschlossen aufzubrechen, um uns beim Chinamann
noch mit der ein oder anderen Verpflegung für die beschwerliche
Reise zu versorgen.
Mein Entschluss, mich mit ein paar Fläschchen aus dem Hause Fiege
eizudecken, veranlasste Zorne zu dem Hinweis, dass ich damit ja nicht
durch die Polizeikontrolle am Bahnsteig kommen würde. Also flugs
das Ganze gegen die letzten Dosen einer lauwarmen Plörre getauscht,
was bedeutete, dass Zorne nun seinerseits umdisponieren musste, was
mir wiederum schon in dem Augenblick nicht mehr leid tat, in dem ich
bemerkte, dass es diesmal überhaupt keine Polizeikontrolle gab.
Aber egal, verdurstet sind wir alle nicht.
Die Fahrt verlief dann, wie üblich, ganz entspannt mit viel dummem
Gerede und Erinnerungen an alte Zeiten und dem Entschluss, den weiten
Weg zum Sportplatz in keinem Fall zu Fuß anzutreten.
In Bielefeld angelangt, ließen sieben fußfaule Treue den
Rest also erst mal losmarschieren, um sich ganz in Ruhe des einen Proviants
zu entledigen und sich mit neuem für die anstehende Taxifahrt zu
bestücken.
Nachdem der Fahrer des Großraumwagens uns das Versprechen abgenommen
hatte, mit unserer Verpflegung vorsichtig umzugehen, fuhr er uns, so
nah wie es die Polizei erlaubte, auf die Alm. 1 € hat der Spaß
pro Person gekostet. Dafür hätten wir nicht da hoch laufen
können. Außerdem sparten wir uns so das Gedrängel am
Einlass, da die restlichen Zugfahrer noch nicht den Ort des Geschehens
erreicht hatten.
Kerl, was sind wir manchmal pfiffig!
Nach kurzer Einlasskontrolle - ein Ordner beteuerte, dass ihm diese
Prozedur mindestens genauso unangenehm sei, wie mir - betraten wir die
Alm.
Aufgrund des unzulänglichen Angebotes verzichteten wir auf eine
Erfrischung und begaben uns auf unsere Plätze. Da wir aus leidvoller
Erfahrung die Sicht- und Raumverhältnisse auf den Gästestehplätzen
nur zu gut kannten, hatten wir uns diesmal entschlossen, gleich eine
ordnungsgemäße Akkreditierung für die Sitzplätze
zu besorgen.
Bomber, die Zörnchens und Hase waren auch da, wobei Letztgenannter
sich in einem für seine Verhältnisse recht außergewöhnlichen
Zustand befand...und das am Muttertag!!!
Bomber und Roland nahmen den Namen des Stadions wohl etwas zu wörtlich
und versuchten mit einer waghalsigen, geradezu lebensbedrohenden Klettertour
unsere Fahne an der Tribünenwand zu befestigen. Nach einigen Fehlversuchen
entschlossen sie sich aber, keine weiteren Risiken mehr einzugehen und
das Unternehmen abzubrechen, bevor die Bergwacht eingreifen musste.
Wir saßen ja alle in einer Reihe und konnten das Ding bei Bedarf,
der später reichlich vorhanden war, schön hochhalten.
Tja, und dann ging es los.
Zur Begrüßung der Mannschaften hatten sich die Bielefelder
richtig Mühe gegeben und eine tolle Blockfahne in den Farben Fiege-Grün
und VfL-Blau-Weiß entworfen, auf der sie kundtaten, dass unsere
große Liebe ihr großer Hass sei.
Leute glaubt mir, diese Bielefelder dürfen einfach nicht absteigen,
denn hier werden wir noch ernstgenommen und bekommen die tiefe Abneigung
zurück, die uns in gewissen anderen Städten aus überlegenheitstechnischen
Gründen immer verweigert wird. Danke dafür!
Das war dann aber auch so ziemlich alles, was uns die Ostwestfalen bieten
konnten.
Die Stimmung war doch eher mau.
Auf Bochumer Seite war eigentlich ganz gut was los, und es wurde bestimmt
nicht schlechter, als Freier den VfL in Führung schoss.
Leider schafften die Arminen kurz vor der Pause den Ausgleich, wobei
Vorbereiter Momo Diabang durch einen sehr reservierten Jubel auffiel.
Er ist halt Bochumer!
Nach der Pause - in Bielefeld wird übrigens dringend Aufklärung
benötigt, welche Bundesligavereine aus Westfalen stammen; sie würden
staunen - gab es weiter ein flottes Spielchen, bei dem beide Mannschaften
der Defensive irgendwie nicht wirklich Bedeutung zuzumessen schienen
(unterhaltsam war dieser Abend allemal, auch wenn 3 Bielefelder Aluminiumtreffer
die Herzkranken unter uns einige Male schwer in Bedrängnis brachten).
Was soll's? Nach einem Bielefelder Handspiel gab es Gelb-Rot und Elfmeter,
den "Christiansen oho" lässig zu seinem 19. Saisontreffer
nutzte, wobei hier ruhig erwähnt werden darf, dass dies bei einem
aufmerksamen Schiri eigentlich schon der dritte Elfer und so die Gelegenheit
zu Treffer 21 hätte sein müssen.
Das Spiel dauerte an und war man zunächst skeptisch, ob es diesmal
wirklich schon zur entgültigen Rettung reichen sollte, stiegen
der Optimismus und die Stimmung in den Bochumer Blöcken je näher
das Ende rückte.
Als dann ein an diesem Abend sehr starker Buckley wieder ein Sahnetörchen
der Marke Gelsenkirchen erzielte, brachen alle Dämme. Der Jubel
erinnerte doch sehr an den in der Arena.
Abpfiff! Nie mehr zweite Liga!!! Christiansen oho Christiansen ohohoho!!!
Dieser fiel auf die Knie und betete in Richtung Treue! Van Duijnhoven
führte einen Veitstanz auf! Sören Colding schnappte sich eine
Fahne der Ultras und pflanzte sie in den Rasen! Wir wollten und bekamen
den Trainer zu sehen! Wen lieben wir? Vau eff Ell!!! Ach, wat war dat
widda ma schön!
Aber irgendwann sahen wir ein, dass man doch ein Ende finden musste
und machten uns diesmal zu Fuß auf den Weg.
Auf diesem fielen uns die vielen Müllsäcke auf, die uns auch
beim letzten Mal schon auf den Straßen aufgefallen waren. Sind
die immer noch nicht abgeholt worden? Ist ja auch egal, jedenfalls scheinen
sie zum Bielefelder Stadtbild zu gehören, wie der Förderturm
zu Bochum.
Im Zug wurde noch viel vom Europapokal gesungen, und auch sonst herrschte
allerlei Kurzweil.
In Bochum gingen wir noch auf ein Stündchen zu Elke, und hier sollte
dann der einzige Wehrmutstropfen in einem ansonsten geilen Fußballtag
erwähnt werden: Sonntagsspiele sind alleine deswegen schon scheiße,
weil man nicht befreit feiern kann, wenn am nächsten Tag die Arbeit
ruft! Obwohl...nach dem, was über die Feier im Tauffenbach zu hören
war, scheint diese Aussage auch nicht so ganz richtig zu sein.
Trotzdem bleibe ich
Lars das pro 15.30 und 1.Liga Law
P.S.: Würde mich nicht wundern, wenn die Feier nach dem HSV-Spiel
nachgeholt werden würde.
|