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Tja...Derby, Großkampftag, Spiel gegen unseren Lieblingsfeind,
die ganze Woche diesem Tag entgegengefiebert und am Ende enttäuscht
mit ner Schlappe im Gepäck nach Hause gefahren...mehr gibts
eigentlich nicht zu sagen! Doch: Scheiße!
Aber wenn sich auch alles in uns dagegen sträubt, so wollen wir
doch unserer Chronistenpflicht nachkommen und eine kurze Erzählung
über die Geschehnisse zum Besten geben. Wir stellen dabei auch
fest, dass der Tag gar nicht so übel war:
Wie gesagt, tagelanges Entgegenfiebern, Karten verteilen, Treffpunkt
und Zeit verabreden bestimmten die Woche.
Block A wollte bereits um 10 Uhr unser Wirtshaus heimsuchen und Blumi
hatte sich mit einem 12-Mann-Mob aus der oberbayerischen Metropole Valley
ebenfalls zu füher Stunde angesagt.
Die meisten Treuen konnten zu diesem Zeitpunkt noch nicht, und so waren
es zunächst Roland, Martin und (mit leichter Verspätung) ich,
die verhinderten, dass Elke ausschließlich fremdes Fußballvolk
bewirten musste.
Nachdem die ersten traditionellen Pöbeleien mit unseren blau-weißen
Freunden von Block A, die übrigens unter sich sein wollten und
sich in den Westflügel des Gasthauses zurückzogen, abgeschlossen
waren, besprachen wir einige Clubinterna und harrten der Dinge, die
da kommen sollten.
Zunächst trudelten nach und nach weitere Treue ein, die Schenke
füllte sich, Elke setzte um und ließ den Plattenteller glühen.
So tranken und sangen wir uns Mut und Kampfgeist für die bevorstehende,
gefahrvolle Reise an.
Irgendwann mussten wir dann auch mal los, wollten wir doch um 13.16
Uhr die Sonderbahn erreichen, die Platz für 600 Unerschrockene
bieten sollte.
Ein Zwischenstopp beim Chinamann hielt uns etwas auf, da wir nach Möglichkeiten
suchten, das Dosenpfand zu umgehen. Auch wieder so ne Schikane,
die man sich extra für Fußballfans ausgedacht hat!
Uns fiel jedenfalls was ein, und ab gings zum Hbf:
Wir ergatterten noch ein paar Sitzplätze und beim Blick auf den
Bahnsteig fiel uns auf, dass einige der BGSler, die uns begleiteten,
aussahen, als wären sie ausgebildet, im Nahen Osten Paläste
zu stürmen und Diktatoren zu eliminieren.
Dann sprach mich aber einer der Herren an, indem er mit schüchterner
Stimme "Entschuldigen Sie bitte, aber würden Sie vielleicht
die Zigarette ausmachen? Wir kriegen dahinten alle keine Luft mehr."
zu mir sagte, und wir verwarfen solche Überlegungen.
Auf direktem Weg fuhren wir ins "Feindesland" und erreichten
die Haltestelle Westfalen...was eigentlich? -park, -stadion oder -halle?
Egal, jedenfalls gab es die üblichen Prozeduren: Pipi machen, Borussen
anpöbeln, durchsuchen lassen und wieder pöbeln.
So heftig wie früher ist es aber nicht mehr. Da passt die Polizei
schon auf!
Sehr intelligent finde ich persönlich, sich auf 50 Meter Entfernung
und mit hunderten von Polizisten dazwischen zuzurufen, man möge
doch rüberkommen, wenn man sich traut.
Dann standen wir vorm Westfalenstadion!
Dunkel und bedrohlich ragte es vor uns in den Himmel. Beklemmung legte
sich auf unsere Gemüter, und wir fühlten uns noch nicht bereit,
den düsteren Ort zu betreten.
Ich schwörs, ich hatte so ein Gefühl, als ob etwas Böses
von ihm ausgeht...irgendwelche dunklen Mächte sind dort am Werk
und wenn es tatsächlich so etwas wie das Tor zur Hölle geben
sollte, dann liegt es höchstwahrscheinlich in den Katakomben dieses
Stadions verborgen ;-)
Wir beschlossen den Hinweis eines Polizeibeamten, der uns eine Kneipe
in der Nähe und in Bochumer Hand empfahl, zu ignorieren und suchten
den nächstgelegenen Bierstand auf.
Da dort DAB-"Bier" verkauft wurde, gesellten sich zu meiner
Beklemmung noch Übelkeit und Sodbrennen. Toddek kam damit wohl
besser zurecht und schmiss nach Roland gleich noch ne zweite Runde
hinterher.
Dann hatten wir aber wirklich genug von dem Zeug, und wir riskierten
den Eintritt ins Stadion.
Hier ist es Zeit, einmal zu erwähnen, dass wir an diesem Tag fast
ausschließlich auf äußerst freundliche Polizisten/-innen
trafen (Was ist los? Neue Deeskalationsstrategie?).
Ganz im Gegensatz zu diesem beschmierten Volk im Stadion, das sich Ordnungsdienst
schimpft!
Nicht alle, aber viele von denen waren ständig auf Konfrontationskurs,
teilweise besoffen und sich auch nicht zu schade, mit 5 oder mehr Leuten,
in am Boden liegende Bochumer reinzutreten.
Die Polizei suchte Zeugen, um, so wörtlich, "gegen diesen
Ordnungsdienst vorgehen zu können". Aber wer meldet sich schon
zu so etwas!?!
Zurück: Da wir wissen, dass man sich für das Westfalenstadion
nur dann freiwillig Karten für die Gästestehplätze kauft,
wenn man dortige Platz- und Sichtverhältnisse noch nicht erleben
durfte, hatten wir Sitzplatzkarten erstanden. Wie immer wurden diese
zum großen Teil in Stehplätze umgewandelt und natürlich
gab es das übliche Kartengemauschel, um einige Freunde und Kollegen
auch an dem Sitzplatzluxus teihaben zu lassen.
Wir nahmen also unsere Plätze ein und ich gebe zu, die Südtribüne
bietet immer wieder ein beeindruckendes Bild.
Optisch also beeindruckt, erwartet man also einen akkustischen Orkan,
der einem aus zigtausend Kehlen entgegendröhnt...aber weit gefehlt!
Das Einzige, was wirklich zu hören ist, sind die extrem lauten
Boxen, aus denen Norbert Dickel hinausblökt, als wollte er das
ganze Stadion ohne Lautsprecherunterstützung erreichen. Richtig
zu verstehen war er dennoch, oder gerade deswegen, nicht.
Vielleicht bessert sich die Akkustik ja, wenn die Ecken dicht gemacht
sind (Habt ihr in Dortmund wirklich fast 30 Jahre gebraucht, um zu merken,
dass es zieht, wenn die Ecken offen sind?), aber macht euch bitte nicht
mehr lustig, liebe Borussen, im Ruhrstadion hättet ihr nix von
den Bochumern gehört!
Diese waren übrigens mit 5 - 6.000 Leuten anwesend und versuchten,
sich immer wieder bemerkbar zu machen. Optisch von einer dieser stinkigen
Rauchbomben unterstützt, wollte man sich Gehör verschaffen
und nach dem 1:0 durch Buckley wirds wohl auch mal geklappt haben.
Im VfL-Block herrschte jedenfalls eine wunderbare Glückseligkeit.
Aber leider nicht für lange Zeit Dortmund erhöhte den
druck, erspielte sich Chance um Chance und irgendwann war der Traum
vom Sieg ausgeträumt.
Verlieren wir nicht mehr viele Worte darüber, nur soviel:
Der VfL war gar nicht mal sooo schlecht, hat aber dennoch verdient verloren.
Der Schiri war auch nicht schuld an der Niederlage. Es bleibt aber dennoch
zu sagen, dass er fast jede zweifelhafte Situation gegen Bochum gepfiffen
hat und bei der Kartenverteilung mit zweierlei Maß vorgegangen
ist.
Naja...lange Verletztenliste, Wosz und Freier gesperrt...hoffen wir
fürs Spiel in Rostock das Beste.
Spätestens nach dem 4:1 war also allen klar, dass es hier und
heute keinen Blumentopf zu gewinnen gab.
Dafür fiel aber allen auf, dass bei einem solchen Spielstand auch
die Südtribüne mal richtig einen losmachen kann. Ja! Ehrlich!
Nach dem 4:1 haben wir sie gehört!
Und noch was: In Bochum regt man sich immer über einen Teil des
Sitzplatzpublikums auf, aber das in Dortmund ist der Hammer!
Riesige Tribünen, voll bis unters Dach, nur...Stimmung machen se
nich!
Kaum Anfeuerungsrufe und statt die Mannschaft für eine gute Leistung
zu feiern, ist 10 Minuten vorm Abpfiff über die Hälfte der
Zuschauer verschwunden.
Ist der Preis des Erfolges wirklich, dass man sich 20 oder 30.000 Leute
dieses Operettenpublikums ins Stadion holt?
Als "echtem Fan", von denen die Dortmunder zweifelsohne viele
Tausend haben, würde mir die Galle hochkommen.
Was solls? Das sind Probleme, die wir in Bochum so schnell nicht
haben werden. Uns reicht es, wenn uns im nächsten oder übernächsten
Jahr irgendwelche Vögel, die man die ganze Zeit im Stadion nicht
zu Gesicht bekommen hat, die Karten für UEFA-Cup-Spiele wegschnappen
wollen.
Aktuell ging es aber darum, wie man möglichst schnell seinen Weg
in die geliebte Heimat zurückfinden sollte. Aus randaletechnischen
Gründen wir ab Stadion ja kein Zug nach Bochum mehr eingesetzt.
SraBa? Zu voll, zu viele falsche Farben. Also zu Fuß.
Ein kleiner Trupp, u.a. aus Treuen, Panthern und Herne Constantinern
bestehend, machte sich auf, den Sonderzug ab Dortmund Hbf. zu erreichen.
Nachdem ich die Frage, ob ich einen Sack am Arsch hätte, durch
einen Griff an mein Gesäß eingehend überprüft,
erleichtert verneinen konnte zogen wir weiter auf der Suche nach Bahnhof
und Getränken.
Eine Trinkhalle entdeckt und mit Proviant versorgt gingen wir friedlich
unseres Weges, als plötzlich mehrere Polizei-Mannschaftswagen neben
uns hielten und eine halbe Hundertschaft diesen entstieg.
Auf unsere Frage, ob wir ihnen weiterhelfen könnten, kam es schnell
zum Gespräch und beide Seiten stellten amüsiert fest, dass
die Polizei auf der Suche nach über 40 randalierenden Bochumern
endlich fündig geworden war.
Vielleicht hat da ein besorgter Bürger die Gesänge des einzigen
weiblichen Treuenmitglieds falsch verstanden.
Den Beamten und uns wars egal. Wir gingen friedlich und scherzend
weiter. Nur ein Treuer war nicht einverstanden und rannte rufend und
Flugzeug spielend auf die andere Straßenseite er versuchte immer
wieder, lautstark auf sich aufmerksam zu machen, und ich wies unsere
Begleiter ständig auf seine Gefährlichkeit hin, aber er wurde
stur ignoriert. Dies änderte sich auch nicht, als er noch Gesellschaft
in Form des nicht minder gefährlichen Herrn Q. aus HER bekam.
Das war aber schon das Aufregenste am Rückweg, und nach kurzer
Zugfahrt landeten wir da, wo wir hingehören.
Elkes Wirtshaus füllte sich wieder, die oberbayerische Delegation
sah teilweise nicht so aus, als gäbe es im Westfalenstadion nur
Leichtbier, aber nach kurzer Zeit hatten die Treuen ihre Gesichtszüge
angepasst.
Das heißt...bis auf unseren Präsi natürlich, der z.Zt.
eine Wandlung vom Saulus zum Paulus durchmacht und weiter an seiner
Rolle des Hernn Vernünftig festhält.
Jedenfalls war der Abend noch recht laut und lustig, auch wenn mir die
Musik teilweise auf den Zeiger ging. Aber dafür wurde ein verschollen
geglaubtes Würfelspiel wiederentdeckt (sehr zum Leidwesen meiner
geldbörse).
So um 4 Uhr war die Fete ziemlich am Ende angelangt und es wurde Zeit
für mich, aufzubrechen.
Fazit: Mal wieder eine Klatsche eingefangen und trotzdem einen lustigen
Fußballtag erlebt.
Es sind diese Kleinigkeiten, die mich stets überzeugen, dass es
- Niederlage hin oder her - genau das Richtige ist, Bochumer und speziell
bei den Treuen zu sein.
Auch wenn die Toten Hosen in ihrem Song "Auswärtsspiel"
einen anderen Verein meinen, kann man einfach nicht besser ausdrücken,
was wir denken: "Ihr könnt uns schlagen so hoch und so oft,
wie ihr wollt, es wird trotzdem nie passieren, dass auch nur einer von
uns mit euch tauschen will,..."
In diesem Sinne noch einen ganz, ganz herzlichen Glückwunsch an
Hase und seine Familie, die mit ihrem Nachwuchs ein Stück dazu
beitragen, dass eine weitere Generation Bochumer/Treuer gesichert ist.
Lars dat Law
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