15.02.03 BXB-VfL


Tja...Derby, Großkampftag, Spiel gegen unseren Lieblingsfeind, die ganze Woche diesem Tag entgegengefiebert und am Ende enttäuscht mit ’ner Schlappe im Gepäck nach Hause gefahren...mehr gibt’s eigentlich nicht zu sagen! Doch: Scheiße!
Aber wenn sich auch alles in uns dagegen sträubt, so wollen wir doch unserer Chronistenpflicht nachkommen und eine kurze Erzählung über die Geschehnisse zum Besten geben. Wir stellen dabei auch fest, dass der Tag gar nicht so übel war:

Wie gesagt, tagelanges Entgegenfiebern, Karten verteilen, Treffpunkt und Zeit verabreden bestimmten die Woche.
Block A wollte bereits um 10 Uhr unser Wirtshaus heimsuchen und Blumi hatte sich mit einem 12-Mann-Mob aus der oberbayerischen Metropole Valley ebenfalls zu füher Stunde angesagt.
Die meisten Treuen konnten zu diesem Zeitpunkt noch nicht, und so waren es zunächst Roland, Martin und (mit leichter Verspätung) ich, die verhinderten, dass Elke ausschließlich fremdes Fußballvolk bewirten musste.
Nachdem die ersten traditionellen Pöbeleien mit unseren blau-weißen Freunden von Block A, die übrigens unter sich sein wollten und sich in den Westflügel des Gasthauses zurückzogen, abgeschlossen waren, besprachen wir einige Clubinterna und harrten der Dinge, die da kommen sollten.
Zunächst trudelten nach und nach weitere Treue ein, die Schenke füllte sich, Elke setzte um und ließ den Plattenteller glühen.
So tranken und sangen wir uns Mut und Kampfgeist für die bevorstehende, gefahrvolle Reise an.

Irgendwann mussten wir dann auch mal los, wollten wir doch um 13.16 Uhr die Sonderbahn erreichen, die Platz für 600 Unerschrockene bieten sollte.
Ein Zwischenstopp beim Chinamann hielt uns etwas auf, da wir nach Möglichkeiten suchten, das Dosenpfand zu umgehen. Auch wieder so ’ne Schikane, die man sich extra für Fußballfans ausgedacht hat!
Uns fiel jedenfalls was ein, und ab ging’s zum Hbf:
Wir ergatterten noch ein paar Sitzplätze und beim Blick auf den Bahnsteig fiel uns auf, dass einige der BGSler, die uns begleiteten, aussahen, als wären sie ausgebildet, im Nahen Osten Paläste zu stürmen und Diktatoren zu eliminieren.
Dann sprach mich aber einer der Herren an, indem er mit schüchterner Stimme "Entschuldigen Sie bitte, aber würden Sie vielleicht die Zigarette ausmachen? Wir kriegen dahinten alle keine Luft mehr." zu mir sagte, und wir verwarfen solche Überlegungen.

Auf direktem Weg fuhren wir ins "Feindesland" und erreichten die Haltestelle Westfalen...was eigentlich? -park, -stadion oder -halle? Egal, jedenfalls gab es die üblichen Prozeduren: Pipi machen, Borussen anpöbeln, durchsuchen lassen und wieder pöbeln.
So heftig wie früher ist es aber nicht mehr. Da passt die Polizei schon auf!
Sehr intelligent finde ich persönlich, sich auf 50 Meter Entfernung und mit hunderten von Polizisten dazwischen zuzurufen, man möge doch rüberkommen, wenn man sich traut.

Dann standen wir vorm Westfalenstadion!
Dunkel und bedrohlich ragte es vor uns in den Himmel. Beklemmung legte sich auf unsere Gemüter, und wir fühlten uns noch nicht bereit, den düsteren Ort zu betreten.
Ich schwör’s, ich hatte so ein Gefühl, als ob etwas Böses von ihm ausgeht...irgendwelche dunklen Mächte sind dort am Werk und wenn es tatsächlich so etwas wie das Tor zur Hölle geben sollte, dann liegt es höchstwahrscheinlich in den Katakomben dieses Stadions verborgen ;-)

Wir beschlossen den Hinweis eines Polizeibeamten, der uns eine Kneipe in der Nähe und in Bochumer Hand empfahl, zu ignorieren und suchten den nächstgelegenen Bierstand auf.
Da dort DAB-"Bier" verkauft wurde, gesellten sich zu meiner Beklemmung noch Übelkeit und Sodbrennen. Toddek kam damit wohl besser zurecht und schmiss nach Roland gleich noch ’ne zweite Runde hinterher.
Dann hatten wir aber wirklich genug von dem Zeug, und wir riskierten den Eintritt ins Stadion.

Hier ist es Zeit, einmal zu erwähnen, dass wir an diesem Tag fast ausschließlich auf äußerst freundliche Polizisten/-innen trafen (Was ist los? Neue Deeskalationsstrategie?).
Ganz im Gegensatz zu diesem beschmierten Volk im Stadion, das sich Ordnungsdienst schimpft!
Nicht alle, aber viele von denen waren ständig auf Konfrontationskurs, teilweise besoffen und sich auch nicht zu schade, mit 5 oder mehr Leuten, in am Boden liegende Bochumer reinzutreten.
Die Polizei suchte Zeugen, um, so wörtlich, "gegen diesen Ordnungsdienst vorgehen zu können". Aber wer meldet sich schon zu so etwas!?!

Zurück: Da wir wissen, dass man sich für das Westfalenstadion nur dann freiwillig Karten für die Gästestehplätze kauft, wenn man dortige Platz- und Sichtverhältnisse noch nicht erleben durfte, hatten wir Sitzplatzkarten erstanden. Wie immer wurden diese zum großen Teil in Stehplätze umgewandelt und natürlich gab es das übliche Kartengemauschel, um einige Freunde und Kollegen auch an dem Sitzplatzluxus teihaben zu lassen.

Wir nahmen also unsere Plätze ein und ich gebe zu, die Südtribüne bietet immer wieder ein beeindruckendes Bild.
Optisch also beeindruckt, erwartet man also einen akkustischen Orkan, der einem aus zigtausend Kehlen entgegendröhnt...aber weit gefehlt! Das Einzige, was wirklich zu hören ist, sind die extrem lauten Boxen, aus denen Norbert Dickel hinausblökt, als wollte er das ganze Stadion ohne Lautsprecherunterstützung erreichen. Richtig zu verstehen war er dennoch, oder gerade deswegen, nicht.
Vielleicht bessert sich die Akkustik ja, wenn die Ecken dicht gemacht sind (Habt ihr in Dortmund wirklich fast 30 Jahre gebraucht, um zu merken, dass es zieht, wenn die Ecken offen sind?), aber macht euch bitte nicht mehr lustig, liebe Borussen, im Ruhrstadion hättet ihr nix von den Bochumern gehört!

Diese waren übrigens mit 5 - 6.000 Leuten anwesend und versuchten, sich immer wieder bemerkbar zu machen. Optisch von einer dieser stinkigen Rauchbomben unterstützt, wollte man sich Gehör verschaffen und nach dem 1:0 durch Buckley wird’s wohl auch mal geklappt haben.
Im VfL-Block herrschte jedenfalls eine wunderbare Glückseligkeit.
Aber leider nicht für lange Zeit — Dortmund erhöhte den druck, erspielte sich Chance um Chance und irgendwann war der Traum vom Sieg ausgeträumt.

Verlieren wir nicht mehr viele Worte darüber, nur soviel:
Der VfL war gar nicht mal sooo schlecht, hat aber dennoch verdient verloren.
Der Schiri war auch nicht schuld an der Niederlage. Es bleibt aber dennoch zu sagen, dass er fast jede zweifelhafte Situation gegen Bochum gepfiffen hat und bei der Kartenverteilung mit zweierlei Maß vorgegangen ist.
Naja...lange Verletztenliste, Wosz und Freier gesperrt...hoffen wir für’s Spiel in Rostock das Beste.

Spätestens nach dem 4:1 war also allen klar, dass es hier und heute keinen Blumentopf zu gewinnen gab.
Dafür fiel aber allen auf, dass bei einem solchen Spielstand auch die Südtribüne mal richtig einen losmachen kann. Ja! Ehrlich! Nach dem 4:1 haben wir sie gehört!
Und noch was: In Bochum regt man sich immer über einen Teil des Sitzplatzpublikums auf, aber das in Dortmund ist der Hammer!
Riesige Tribünen, voll bis unters Dach, nur...Stimmung machen se nich!
Kaum Anfeuerungsrufe und statt die Mannschaft für eine gute Leistung zu feiern, ist 10 Minuten vorm Abpfiff über die Hälfte der Zuschauer verschwunden.
Ist der Preis des Erfolges wirklich, dass man sich 20 oder 30.000 Leute dieses Operettenpublikums ins Stadion holt?
Als "echtem Fan", von denen die Dortmunder zweifelsohne viele Tausend haben, würde mir die Galle hochkommen.
Was soll’s? Das sind Probleme, die wir in Bochum so schnell nicht haben werden. Uns reicht es, wenn uns im nächsten oder übernächsten Jahr irgendwelche Vögel, die man die ganze Zeit im Stadion nicht zu Gesicht bekommen hat, die Karten für UEFA-Cup-Spiele wegschnappen wollen.

Aktuell ging es aber darum, wie man möglichst schnell seinen Weg in die geliebte Heimat zurückfinden sollte. Aus randaletechnischen Gründen wir ab Stadion ja kein Zug nach Bochum mehr eingesetzt.
SraBa? Zu voll, zu viele falsche Farben. Also zu Fuß.
Ein kleiner Trupp, u.a. aus Treuen, Panthern und Herne Constantinern bestehend, machte sich auf, den Sonderzug ab Dortmund Hbf. zu erreichen.
Nachdem ich die Frage, ob ich einen Sack am Arsch hätte, durch einen Griff an mein Gesäß eingehend überprüft, erleichtert verneinen konnte zogen wir weiter auf der Suche nach Bahnhof und Getränken.
Eine Trinkhalle entdeckt und mit Proviant versorgt gingen wir friedlich unseres Weges, als plötzlich mehrere Polizei-Mannschaftswagen neben uns hielten und eine halbe Hundertschaft diesen entstieg.
Auf unsere Frage, ob wir ihnen weiterhelfen könnten, kam es schnell zum Gespräch und beide Seiten stellten amüsiert fest, dass die Polizei auf der Suche nach über 40 randalierenden Bochumern endlich fündig geworden war.
Vielleicht hat da ein besorgter Bürger die Gesänge des einzigen weiblichen Treuenmitglieds falsch verstanden.
Den Beamten und uns war’s egal. Wir gingen friedlich und scherzend weiter. Nur ein Treuer war nicht einverstanden und rannte rufend und Flugzeug spielend auf die andere Straßenseite er versuchte immer wieder, lautstark auf sich aufmerksam zu machen, und ich wies unsere Begleiter ständig auf seine Gefährlichkeit hin, aber er wurde stur ignoriert. Dies änderte sich auch nicht, als er noch Gesellschaft in Form des nicht minder gefährlichen Herrn Q. aus HER bekam.

Das war aber schon das Aufregenste am Rückweg, und nach kurzer Zugfahrt landeten wir da, wo wir hingehören.
Elkes Wirtshaus füllte sich wieder, die oberbayerische Delegation sah teilweise nicht so aus, als gäbe es im Westfalenstadion nur Leichtbier, aber nach kurzer Zeit hatten die Treuen ihre Gesichtszüge angepasst.
Das heißt...bis auf unseren Präsi natürlich, der z.Zt. eine Wandlung vom Saulus zum Paulus durchmacht und weiter an seiner Rolle des Hernn Vernünftig festhält.
Jedenfalls war der Abend noch recht laut und lustig, auch wenn mir die Musik teilweise auf den Zeiger ging. Aber dafür wurde ein verschollen geglaubtes Würfelspiel wiederentdeckt (sehr zum Leidwesen meiner geldbörse).
So um 4 Uhr war die Fete ziemlich am Ende angelangt und es wurde Zeit für mich, aufzubrechen.

Fazit: Mal wieder eine Klatsche eingefangen und trotzdem einen lustigen Fußballtag erlebt.
Es sind diese Kleinigkeiten, die mich stets überzeugen, dass es - Niederlage hin oder her - genau das Richtige ist, Bochumer und speziell bei den Treuen zu sein.
Auch wenn die Toten Hosen in ihrem Song "Auswärtsspiel" einen anderen Verein meinen, kann man einfach nicht besser ausdrücken, was wir denken: "Ihr könnt uns schlagen so hoch und so oft, wie ihr wollt, es wird trotzdem nie passieren, dass auch nur einer von uns mit euch tauschen will,..."

In diesem Sinne noch einen ganz, ganz herzlichen Glückwunsch an Hase und seine Familie, die mit ihrem Nachwuchs ein Stück dazu beitragen, dass eine weitere Generation Bochumer/Treuer gesichert ist.

Lars dat Law


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