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Da König Jürgen I von Bochum-Ost einen seiner Ritter ins Rheinische
befohlen hat und dieser dort eine gemütliche Schenke betreibt, war
es mal wieder an der Zeit, eine Busreise zu organisieren und dieser Pinte
einen kleinen Besuch abzustatten.
Gnädig, wie der König nun einmal ist, erlaubte er uns, dieses
selbst zu tun, damit wir auch einmal ein paar Mark in die gebeutelte Fanclubkasse
einstreichen können. Ja so ist er, der gute Herrscher.
Gleichzeitig befahl er aber auch, dass unsere Abreise spätestens
um 8.00 Uhr erfolgen müsse, da Aachen doch in ordentlicher Entfernung
liege, das Spiel schon um 15.00 Uhr beginne und er sonst nicht genug Zeit
habe, einen Rausch zu bekommen, der eines Königs würdig ist.
Also ging es um 6.30 Uhr aus den Ferdern, und meine Aufregung war schon
nicht mehr zu toppen. Dachte ich jedenfalls.
Mein Schätzchen schmierte mir 'ne Stulle für sofort und eine
für später, wegen der Grundlage. Sie ist halt immer in Sorge
um mein Wohlbefinden.
Daher erklärte sie sich auch bereit, mich zum Bahnhof zu fahren.
Anja und Roger konnten wir auf dem Weg auch gleich einsammeln und ab ging's.
Einige Treue und Ostler waren bereits vor Ort, der Bus (diesmal ein Doppeldecker)
traf bald ein und nach und nach füllte sich unser Gefährt mit
einer ganzen Menge Gefährten.
Ostler und Treue bildeten den Löwenanteil, aber auch viele andere
gesellten sich zu uns. Block A (ich grüße Block A), Eagles,
wilde Jungs einige freischaffende Fans und und und...
Ich weiß ehrlich gesagt nicht mehr so ganz genau, wer alles dabei
war. Bitte nicht böse sein.
Dann ging die Fahrt auch schon los, eine Runde Dosenbier wurde verteilt
und ohne Zwischenfälle kamen wir am ersten Etappenziel an: Gerade
noch rechtzeitig, nämlich so ca. um 9.45, erreichten wir das Gasthaus.
Hier wurde gefeiert, gesungen und getrunken. Die Spannung stieg und irgendwann
war es dann endlich soweit, der Aufbruch zum Tivoli stand an.
Dort angekommen torkelten wir aus dem Bus und schleppten uns zum Ort des
Geschehens.
Viele, viele Bochumer hatten die gleiche Idee gehabt und es war nicht
einfach, mit unseren Stehplatzkarten noch einen brauchbaren Standort zu
finden.
Da hatte jemand, ich habe keine Ahnung wer, den Einfall, auf die Sitzplätze
auszuweichen. Gesagt, getan, der Ordner wurde überzeugt, dass wir
dringend auf die Tribüne müssen, weil doch unsere einzigen Freunde
dort weilten, und schon hatte man einen Platz gefunden, der unserer würdig
war.
Gut 8.000 Bochumer hatten den Weg nach Aachen gefunden, und es war so
etwas wie Bundesligafeeling zu spüren.
Leider waren die Blau-weißen etwas blöde im Stadion verteilt,
dann ist der Tivoli von seiner Bauart her auch nicht gerade stimmungsfördernd
und irgendwie waren alle extrem angespannt, so dass erstmal nur zeitweise
richtig gute Stimmung in unseren Reihen aufkam.
Was sich dann aber abspielte zeigte, warum man Fußballfan ist und
nicht etwa zum Tennis oder Golf geht.
Dramen sag' ich Euch, Dramen!!!
Zunächst entdeckte ich meine beste Freundin Andrea mit ihrem "Versprochenen"
ein paar Reihen über mir. Da ich aber nicht wusste, dass es in Aachen
auf den Sitzplätzen keinen Streudienst gibt, zo ich mir erstmal schwerste
Prellungen und Blutergüsse zu (oder war das erst später? Ich
habe keine Ahnung).
Dann begann das Spiel und viele immer mit einem Ohr am Radio. 90 Minuten
zwischen Hoffnung, Freude und Enttäuschung.
Eine gelb-rote Karte für Sebastian Schindzielorz, das Elfmetertor
(Christiansen) zum 1:0, das 2:0 durch Slawo Freier, ein Beinahe-Spielabbruch,
wegen zu viel Qualm auf dem Platz, die Falschmeldung über das 2:0
von Union Berlin (teilweise war sogar von 3:0 die Rede), obwohl es noch
0:0 stand, dann eine rote Karte für den Aachener Bediako, eine kurze
Verschnaufpause zur Halbzeit, der Aachener Anschlusstreffer, es war schon
nix für schwache Nerven.
Dann kam die Meldung vom Berliner Führungstreffer. Tausendmal nachgefragt
und abgesichert, diesmal kein Zweifel, der VfL stand mit einem Bein in
der 1. Liga.
Bald darauf aber die Hiobsbotschaft: Ausgleich für Mainz! Erst einmal
Totenstille auf Bochumer Seite, (Schaden-) Freude bei den Aachenern. Die
sangen "Bochum, Bochum 2. Liga! Oh, wie ist das schön euch wieder
zu sehen!". Na ja, ich kann sie ja verstehen. Wer sieht uns nicht
gerne wieder?
Und dann, als man schon nicht mehr dran glaubte passierte es: Die Nachricht
von der erneuten Führung Berlins traf ein.
An einigen Stellen wurde gejubelt, woanders noch skeptische Blicke und
hektische Anrufe in die Heimat, bis es irgendwann alle wussten.
Dann noch 3:1 für Berlin und 3:1 für Bochum.
Jetzt brachen alle Dämme! Waaaaahnsinn! Woran lange keiner mehr geglaubt
hatte war eingetroffen. Der VfL schafft zum vierten Mal den direkten Wiederaufstieg!
Alle stürmten auf den Platz, feierten und umarmten sich, oder sie
saßen einfach nur da und weinten, zitterten noch vor Aufregung (gell,
Andrea?) oder guckten ungläubig auf den Platz.
Echt, ich habe gedacht, dass ein erneuter Aufstieg in mir keine großen
Emotionen mehr hervorrufen könnte. Wenn man dieselbe Kacke zum vierten
Mal innerhalb kürzester Zeit mitmachen muss, nervt es irgendwann
nur noch.
Aber ich bin, wie viele andere auch, der Meinung, dass dies unser schönster
Aufstieg war. Einfach, weil keiner mehr damit gerechnet hatte und weil
es so "herrlich" knapp, spannend und dramatisch war.
Jeder Bekannte oder Unbekannte wurde gedrückt und geknutscht. Es
war einfach geil!
Ein kleines Scharmützel mit den Alemannen soll es wohl auch gegeben
haben, kann ich aber nix zu sagen, habe ich nur von gehört. Wird
schon nicht so schlimm gewesen sein.
Später gingen wir dann zum Bus zurück, den Weg hätte ich
allein nie wieder gefunden, und das Unglück nahm seinen Lauf.
Ich machte den Fehler und schlief ein, was eine bestimmte Person, sie
soll hier nicht namentlich erwähnt werden, nutzen wollte, um ein
Foto von mir zu machen. Stattdessen machte sie die ca. 40 Fotos, die ich
geschossen hatte, zunichte.
Bilder, für die Ewigkeit bestimmt, für immer ausgelöscht!!!
Hier nochmal ein kleiner Englischkurs: "erase
all?" heißt "alle löschen?"
O.K., Schwamm drüber. Aber dass mir das nicht nochmal vorkommt!
Nach diesem Eklat kamen wir in Bochum an, und wir gingen zum Feiern zu
Elke.
Es wurde noch lange gezecht und getanzt, wobei sich Herr Moschner als
richtige Stimmungskanone erwies. So um 1.00 Uhr konnte ich dann aber nicht
mehr (man wird halt nicht jünger) und bestieg ein Taxi, um in Richtung
Bett zu fahren, in das ich dann besoffen aber glücklich hineinplumpste.
Wir sehen uns wieder in der 1. Liga
Euer Lars
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