05.04.02 Aachen-VfL Bochum


Da König Jürgen I von Bochum-Ost einen seiner Ritter ins Rheinische befohlen hat und dieser dort eine gemütliche Schenke betreibt, war es mal wieder an der Zeit, eine Busreise zu organisieren und dieser Pinte einen kleinen Besuch abzustatten.
Gnädig, wie der König nun einmal ist, erlaubte er uns, dieses selbst zu tun, damit wir auch einmal ein paar Mark in die gebeutelte Fanclubkasse einstreichen können. Ja so ist er, der gute Herrscher.
Gleichzeitig befahl er aber auch, dass unsere Abreise spätestens um 8.00 Uhr erfolgen müsse, da Aachen doch in ordentlicher Entfernung liege, das Spiel schon um 15.00 Uhr beginne und er sonst nicht genug Zeit habe, einen Rausch zu bekommen, der eines Königs würdig ist.

Also ging es um 6.30 Uhr aus den Ferdern, und meine Aufregung war schon nicht mehr zu toppen. Dachte ich jedenfalls.
Mein Schätzchen schmierte mir 'ne Stulle für sofort und eine für später, wegen der Grundlage. Sie ist halt immer in Sorge um mein Wohlbefinden.
Daher erklärte sie sich auch bereit, mich zum Bahnhof zu fahren. Anja und Roger konnten wir auf dem Weg auch gleich einsammeln und ab ging's.
Einige Treue und Ostler waren bereits vor Ort, der Bus (diesmal ein Doppeldecker) traf bald ein und nach und nach füllte sich unser Gefährt mit einer ganzen Menge Gefährten.
Ostler und Treue bildeten den Löwenanteil, aber auch viele andere gesellten sich zu uns. Block A (ich grüße Block A), Eagles, wilde Jungs einige freischaffende Fans und und und...
Ich weiß ehrlich gesagt nicht mehr so ganz genau, wer alles dabei war. Bitte nicht böse sein.
Dann ging die Fahrt auch schon los, eine Runde Dosenbier wurde verteilt und ohne Zwischenfälle kamen wir am ersten Etappenziel an: Gerade noch rechtzeitig, nämlich so ca. um 9.45, erreichten wir das Gasthaus.
Hier wurde gefeiert, gesungen und getrunken. Die Spannung stieg und irgendwann war es dann endlich soweit, der Aufbruch zum Tivoli stand an.
Dort angekommen torkelten wir aus dem Bus und schleppten uns zum Ort des Geschehens.
Viele, viele Bochumer hatten die gleiche Idee gehabt und es war nicht einfach, mit unseren Stehplatzkarten noch einen brauchbaren Standort zu finden.
Da hatte jemand, ich habe keine Ahnung wer, den Einfall, auf die Sitzplätze auszuweichen. Gesagt, getan, der Ordner wurde überzeugt, dass wir dringend auf die Tribüne müssen, weil doch unsere einzigen Freunde dort weilten, und schon hatte man einen Platz gefunden, der unserer würdig war.
Gut 8.000 Bochumer hatten den Weg nach Aachen gefunden, und es war so etwas wie Bundesligafeeling zu spüren.
Leider waren die Blau-weißen etwas blöde im Stadion verteilt, dann ist der Tivoli von seiner Bauart her auch nicht gerade stimmungsfördernd und irgendwie waren alle extrem angespannt, so dass erstmal nur zeitweise richtig gute Stimmung in unseren Reihen aufkam.
Was sich dann aber abspielte zeigte, warum man Fußballfan ist und nicht etwa zum Tennis oder Golf geht.
Dramen sag' ich Euch, Dramen!!!
Zunächst entdeckte ich meine beste Freundin Andrea mit ihrem "Versprochenen" ein paar Reihen über mir. Da ich aber nicht wusste, dass es in Aachen auf den Sitzplätzen keinen Streudienst gibt, zo ich mir erstmal schwerste Prellungen und Blutergüsse zu (oder war das erst später? Ich habe keine Ahnung).
Dann begann das Spiel und viele immer mit einem Ohr am Radio. 90 Minuten zwischen Hoffnung, Freude und Enttäuschung.
Eine gelb-rote Karte für Sebastian Schindzielorz, das Elfmetertor (Christiansen) zum 1:0, das 2:0 durch Slawo Freier, ein Beinahe-Spielabbruch, wegen zu viel Qualm auf dem Platz, die Falschmeldung über das 2:0 von Union Berlin (teilweise war sogar von 3:0 die Rede), obwohl es noch 0:0 stand, dann eine rote Karte für den Aachener Bediako, eine kurze Verschnaufpause zur Halbzeit, der Aachener Anschlusstreffer, es war schon nix für schwache Nerven.
Dann kam die Meldung vom Berliner Führungstreffer. Tausendmal nachgefragt und abgesichert, diesmal kein Zweifel, der VfL stand mit einem Bein in der 1. Liga.
Bald darauf aber die Hiobsbotschaft: Ausgleich für Mainz! Erst einmal Totenstille auf Bochumer Seite, (Schaden-) Freude bei den Aachenern. Die sangen "Bochum, Bochum 2. Liga! Oh, wie ist das schön euch wieder zu sehen!". Na ja, ich kann sie ja verstehen. Wer sieht uns nicht gerne wieder?
Und dann, als man schon nicht mehr dran glaubte passierte es: Die Nachricht von der erneuten Führung Berlins traf ein.
An einigen Stellen wurde gejubelt, woanders noch skeptische Blicke und hektische Anrufe in die Heimat, bis es irgendwann alle wussten.
Dann noch 3:1 für Berlin und 3:1 für Bochum.
Jetzt brachen alle Dämme! Waaaaahnsinn! Woran lange keiner mehr geglaubt hatte war eingetroffen. Der VfL schafft zum vierten Mal den direkten Wiederaufstieg!
Alle stürmten auf den Platz, feierten und umarmten sich, oder sie saßen einfach nur da und weinten, zitterten noch vor Aufregung (gell, Andrea?) oder guckten ungläubig auf den Platz.
Echt, ich habe gedacht, dass ein erneuter Aufstieg in mir keine großen Emotionen mehr hervorrufen könnte. Wenn man dieselbe Kacke zum vierten Mal innerhalb kürzester Zeit mitmachen muss, nervt es irgendwann nur noch.
Aber ich bin, wie viele andere auch, der Meinung, dass dies unser schönster Aufstieg war. Einfach, weil keiner mehr damit gerechnet hatte und weil es so "herrlich" knapp, spannend und dramatisch war.
Jeder Bekannte oder Unbekannte wurde gedrückt und geknutscht. Es war einfach geil!
Ein kleines Scharmützel mit den Alemannen soll es wohl auch gegeben haben, kann ich aber nix zu sagen, habe ich nur von gehört. Wird schon nicht so schlimm gewesen sein.
Später gingen wir dann zum Bus zurück, den Weg hätte ich allein nie wieder gefunden, und das Unglück nahm seinen Lauf.
Ich machte den Fehler und schlief ein, was eine bestimmte Person, sie soll hier nicht namentlich erwähnt werden, nutzen wollte, um ein Foto von mir zu machen. Stattdessen machte sie die ca. 40 Fotos, die ich geschossen hatte, zunichte.
Bilder, für die Ewigkeit bestimmt, für immer ausgelöscht!!!
Hier nochmal ein kleiner Englischkurs: "erase all?" heißt "alle löschen?"
O.K., Schwamm drüber. Aber dass mir das nicht nochmal vorkommt!
Nach diesem Eklat kamen wir in Bochum an, und wir gingen zum Feiern zu Elke.
Es wurde noch lange gezecht und getanzt, wobei sich Herr Moschner als richtige Stimmungskanone erwies. So um 1.00 Uhr konnte ich dann aber nicht mehr (man wird halt nicht jünger) und bestieg ein Taxi, um in Richtung Bett zu fahren, in das ich dann besoffen aber glücklich hineinplumpste.

Wir sehen uns wieder in der 1. Liga
Euer Lars

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