Treuen-Reiseführer Kreta


Geographie
Kreta ist eine Insel und zwar die größte aller griechischen!
Weil ziemlich schmal, wirkt sie noch länger als sie eigentlich ist.
Außerdem besteht sie hauptsächlich aus Bergen.
Weiterhin ist Kreta, da nun mal eine Insel, komplett von Wasser umgeben, welches leider selten durch Sandstrände vom Land getrennt wird.
Meistens bestehen die Strände aus Beton oder Felsen, die heimtückisch und glitschig bis ins Wasser hineinragen und nur darauf warten, dass unbedarfte Touristen, ihren Safeschlüssel in der Badehose tragend, sich zum ersten Mal ins Wasser wagen, um z.B. Haie zu jagen, mit bloßen Händen Barrakudas zu fangen oder einfach 10 Seemeilen ins offene Meer hinauszuschwimmen. Dann macht es ganz schnell "platsch", und mit den ersten, aber bei weitem nicht letzten, Wunden ist man schon gezwungen, in mehreren Tauchgängen den Meeresboden abzusuchen.
Da Kreta ansonsten keine weiteren geographischen Gefahrenquellen für die Touristen parat hat, haben sich die Einheimischen noch eine ganz perfide Gemeinheit einfallen lassen:
Damit man sich nicht nur verletzt wenn man das Meer betritt, sondern auch beim Verlassen desselben - z.B. von einem Schiff - haben sie fiese Mauern errichtet, die so geschickt getarnt sind, dass sie, einen leichten Schwips vorrausgesetzt, teilweise erst erkannt werden, wenn der Tourist zum vierten Mal davor gerannt ist.

Klima
Kreta ist warm und trocken. Hin und wieder taucht über den Bergen eine Schlechtwetterfront in Form einer Schäfchenwolke auf, erreicht die Touristenstrände aber nie. Da meistens ein Wind weht und eine geringe Luftfeuchtigkeit herrscht, lassen sich die Temperaturen dennoch gut ertragen.

Tierwelt
Ziegen, Schafe, Esel und Mulis sind die bevorzugten Nutztiere.
Wildlebende Tiere sind selten anzutreffen.
Die Fauna besteht hauptsächlich aus schlafraubenden Mücken. Die zwei letzten Kakerlaken sind tot (ein juristischer Hinweis: Zu wenig Schaben auf dem Hotelzimmer sind kein Minderungsgrund!), Eidechsen gibt es auf Grund der Fahrkünste einiger Touristen immer weniger, und den einzigen Seeigel findet man nur, wenn man ohne Badeschlappen ins Meer steigt.

Anreise
Wer sich von solchen Kleinigkeiten nicht stören lässt, besucht dies schöne Eiland am besten mit mind. 26 Personen und zwar mit einem Airbus ab Düsseldorf, Freitags um 6.00 Uhr (zwei bayerische Extrawürste zählen nicht!).
Diese sollten sich nach Möglichkeit bereits am späten Abend zuvor in ihrer Stammkneipe treffen, um die anstehende Reise noch einmal durchzusprechen, Uhren zu vergleichen und vielleicht ein oder zwei Getränke gegen die Flugangst zu sich zu nehmen.
Nach Düsseldorf geht es dann mit der Regional- und nicht mit der S-Bahn, da auch kurze Fahrten ohne Raucherabteil und insbesondere ohne Toiletten quälend lang erscheinen können.
Aber Vorsicht! Vorher informieren, ob die gewünschte Bahn zur gewünschten Uhrzeit auch wirklich am jeweiligen Wochentag fährt!
Sitzt man dann endlich im Zug, sollten Bier und Spirituosen zur Stärkung zu sich genommen und entspannt der Urlaub eingeläutet werden.
Am Flughafen heißt es, in eine lustige Schwebebahn umzusteigen, die die reisenden sicher zum Terminal bringt.
Nun ist ein bisschen Konzentration gefragt: Einchecken, kurz warten, Handgepäck- und Personenkontrolle, kurz warten, Bordkarten vorzeigen und rein in den Flieger.
Noch einmal Obacht geben! Rasierklingen, Scheren und Korkenzieher sind wichtig, gehören aber ebenso wenig ins Handgepäck, wie Messer oder sonstige Stichwaffen bzw. Dinge, die sich als Stichwaffen missbrauchen lassen! Gleiches gilt natürlich auch für den Rückflug!
Im Flieger werden dann Frühstück und diverse Getränke zu sich genommen oder kurz geschlafen, wobei beachtet werden sollte, die Mitreisenden nicht durch zu lautes Schnarchen zu verärgern.
Wenn man ganz lieb bettelt, wird übrigens auch Erwachsenen erlaubt, dem Piloten einmal über die Schulter schauen zu können.
Aber schon wieder Achtung! Auch wenn versprochen wurde, ins Cockpit zu dürfen, wird es meist nicht gerne gesehen, wenn ausgerechnet während des Landeanflugs auf die Einlösung des Versprechens bestanden wird!
Ohne weitere Zwischenfälle erreicht die Reisegruppe den Flughafen von Heraklion, wo neben der üblichen Konzentration auch eine gehörige Portion Geduld und Sinn für den kretischen Humor gefragt sind.
Der Raum mit den drei Gepäckbändern ist recht übersichtlich und sollte eigentlich ohne Schwierigkeiten zu meistern sein. Da die Koffer aus dem Düsseldorfer Flieger aber noch lange nicht auf dem Band erscheinen, auf dem Düsseldorf dran steht, sollte man sich nicht großartig über den Verbleib des Gepäcks wundern, sondern lieber mal umschauen. Es könnte nämlich sein, dass sie längst lustig und unbeachtet auf einem anderen Band ihre Runden drehen.
Mit seinen Brocken verlässt man dann das Gebäude und sucht sicht unter Hunderten seinen Bus aus.
Dieser ist nicht klimatisiert und wird von einem mürrischen Fahrer gesteuert, der sich lauthals über Kekskrümel beschwert und sein Gefährt erst mal einer Grundreinigung unterzieht. Mehrfach täuscht er dann die Abfahrt an, schnell wird aber festgestellt, dass er lediglich Platz für andere Busse macht, die wirklich den Ort verlassen.
Ist nach Stunden auch das letzte Rentnerpärchen eingetroffen, geht es dann aber wirklich los.
Nun muss man nur noch eine knapp einstündige Fahrt ertragen, auf der der gemeine Fußballasi einige Hotels bewundern darf, die er sich nicht leisten kann, bis er seine eigene Unterunkunft erreicht hat.
Der Urlaub kann endgültig beginnen!

Hotel
Das Hotel heißt "Eri Beach Club" und liegt am östlichen Ortsende von Chersonissos (es gibt ca. 100 Schreibweisen für diesen Ort).
Es ist ziemlich groß und sicher keins der oben erwähnten Luxushotels.
Es entspricht aber auch in keiner Weise den Horrorberichten und -beurteilungen, die man vor Antritt der Reise auf diversen Internetseiten lesen musste.
Die Zimmer sind einfach, aber zweckmäßig und, vorrausgesetzt, dass die Reinigungskräfte nicht tagelang hinausgejagt werden, auch sauber. Die Betten sind bequem und wenn er Glück hat, kann der Kretatourist vom Balkon, der möglichst nicht ohne Bier betreten werden sollte, aus auf einen Wasserfunpark blicken, wo ihm für einen kleinen Obulus u.a. Bungeejumping (eine halben Meter am Fels vorbei), Wasserrutschen, Paragliding und Bananenboot zur Verfügung stehen. Bringt er etwas Geduld mit, sieht er auch schon mal eine Touristin aus 30 Metern Höhe auf die Zuschauer brechen. Dass den ganzen Tag lautes Technogewummer hinüberdröhnt, ist natürlich Geschmackssache.
Das Publikum besteht in der Vorsaison hauptsächlich aus deutschen Familien mit Kleinkindern, ein paar Rentnern und jüngeren, erlebnisorientierten Menschen. Letztere stammen allerdings häufig von einer bekannten europäischen Insel. Probleme gibt es damit aber nicht, und manch einer, insbesondere wenn er selbst am liebsten auf dieser Insel die Post austragen würde, sieht diesen Aspekt sogar als Vorteil an.
Das Klischee vom blassen, tätowierten Engländer stimmt übrigens zum Teil. Schaut man sich dann aber mal in den eigenen Reihen um...naja.
Das Essen im Eri Beach ist reichhaltig, abwechslungsreich und schmeckt zum größten Teil sogar. Dadurch, dass der große Speisesaal morgens, mittags und abends sehr lange zur Verfügung steht, muss man auch nicht, wie einige der oben beschriebenen Inselbewohner, schon eine Viertelstunde vor Öffnung an den Türgittern rütteln und mit den Hufen scharren.
Weitere Informationen zum Hotel folgen in den nächsten Kapiteln.

Fun und Action auf Kreta am Tage
Wird eine All-Inclusive-Reise gebucht, ist der allgemeine Tagesablauf schon vorprogrammiert.
Hierfür stehen ein kleiner Pool direkt am Meer und - etwas zurück - eine große Anlage jeweils mit Bar zur Verfügung. Für Fußballfanclubs ist es zu empfehlen, sich für die kleinere Variante zu entscheiden, da sie ja sicher selbst mal etwas lauter sein und diesen Part nicht den Kindern überlassen möchten. Außerdem lässt sich von hier aus der clubeigene Stuntman und Abenteurer besser bei seinen Wassershows beobachten.
Um mit allen Reisenden in diesen ungetrübten Genuss kommen zu können, ist es aber wichtig, dass eine junge Dame dabei ist, die nicht lange schläft und früh morgens eine entsprechende Anzahl von Liegen besetzt. Sollten ihr dazu nicht genügend Handtücher zur Verfügung stehen, tun es auch ein paar Schlüpper oder BHs. Klappt dies alles über den gesamten Urlaub reibungslos, sieht man ihr auch für diese Zeit nach, dass sie bezüglich ihres Lieblingsvereins einem schweren Irrtum unterliegt.
Zur Not gibt es übrigens immer einige Sitzgelegenheiten an der Bar, was ja auch seine Vorteile hat.
Im Besitz einer Ruhegelegenheit, kann man sich nun endlich Gedanken über seine Getränke machen (bis 10 Uhr bleiben die Zapfhähne skandalöserweise geschlossen).
Die Auswahl an den Selbstbedienungstheken beschränkt sich dabei leider auf Bier bzw. Biermixgetränke, Wein, Weinbrand und selbstverständlich Ouzo. Hin und wieder kann es dabei passieren, dass man die Fässer auch schon mal selbst wechseln muss und sich dafür aber zur Belohnung den Schnaps direkt aus der Flasche in den Kopf schütten darf.
Aufgrund eines Mangels an Abwechslung ist es ratsam, ein paar Platten mitzubringen und die anderen Hotelgäste ungefragt mit dem eigenen Musikgeschmack zu konfrontieren.
Aber Vorsicht: Nach einigen Tagen kann es passieren, dass es anderen auf die Nerven geht und sie die Anwesenheit von Kindern als Begründung für einen Wechsel des Musikstils vorschieben!
Jedenfalls bleibt ein leicht fader Beigeschmack bei der ganzen Sache zurück, und man fragt sich, was den Kindern mehr schadet: Ein paar witzige, völlig harmlose Lieder von dicken Titten u.ä. oder einseitige Ernährung durch Gummibärchen und Spagetti, zu der die lieben Kleinen täglich über Lautsprecher aufgefordert werden.
Aber was soll's? Wenn die mitgebrachte Musik nicht erwünscht ist und ausreichend Mut angetrunken wurde, kann der Kretatourist sich einmal Zeit nehmen, um nachzuschauen, was im benachbarten Funpark so los ist.
Folgende Attraktionen sind dabei besonders empfehlenswert:
Da wären zunächst einmal die Rutschen.
Vier verschiedenen Typen stehen für 8 € bis 18.00 Uhr Menschen mit hitzeunempfindlichen Füßen (ganz wichtig, da Wege und Treppen ca. 300 Grad heiß sind!) zur Verfügung:
Eine einfache Wasserrutsche, die gut für Einsteiger geeignet ist und auch im Doppelsitzer benutzt werden darf, nach kurzer Zeit aber langweilt.
Eine Wasserrutsche, die schwarz und komplett geschlossen ist, so dass man während der wilden Fahrt nix sehen kann. Aber auch diese verliert schnell ihren Reiz, wenn die Strecke einmal bekannt ist. Außerdem ist sie wohl die erste Wasserutsche der Welt, auf der man nassgeschwitzt unten ankommt.
Längeren Kurzweil bietet da schon die doppelte Wellenrutsche, da hier die Möglichkeit besteht, Wettrennen und Rutschturniere auszufechten.
Denkt aber bitte daran, dass 65kg-Kassenwarte gegen 95kg-Fanbeauftragte oder 95kg-Webmaster aus physikalischen Gründen chancenlos sind. Gebt ihnen also einen Vorsprung oder erlaubt ihnen, die abstrusesten Starttechniken auszuprobieren, sonst verlieren sie schnell die Lust.
Träger des goldenen Rutschrings 2003 wurde übrigens o.g. Fanbeauftragter, der in einem Herzschlagfinale den Verfasser dieser Zeilen knapp und nur auf Grund des deutlich besseren Starts hinter sich ließ. Den Kampf um den dritten Platz gewann Präsidentenbruder Zörnchen deutlich - mit mehr als einer Welle Vorsprung und genügend Zeit für ein paar Pirouetten - vorm niedergeschlagenen Kassenwart.
Dann wird noch eine Doppelrutsche angeboten, auf der sich Unerschrockene nahezu senkrecht in die Tiefe stürzen können und die, im Gegensatz zu den anderen, nur auf dem Podex befahren werden darf. Hat man sich aber einmal überwunden, langweilt man sich auch schnell wieder, da außer Wasser in der Nase und Schmerzen im Kreuz, diese Attraktion nicht viel zu bieten hat. Interessant ist sie allerdings für Zuschauer, da hier einerseits Hochgeschwindigkeitsmoppel zu beobachten sind, und andererseits kommt auch die Erotik nicht zu kurz, da hier so manche 08/15-Badehose in einen aufregenden String verwandelt wird.
Genug gerutscht, es gibt schließlich noch einige andere Angebote, bei denen sich Fußballfans den, ihrer Altersgruppe angemessenen, Kick holen können.
Das Paragliding über dem Meer, gezogen von einem Motorboot, kann man alleine oder besser, weil billiger, zu zweit unternehmen. Hat man nun eine Freundin, die sich alleine nicht traut, man selbst will aber nicht mit, aus Angst, sich zu blamieren und wie einige andere Touristen, immer wieder schon beim Start ins Wasser zu platschen, so setze man sie einfach auf den clubeigenen Gefahrensucher an, und das Problem ist schnell gelöst.
So hat man auch genügend Zeit, sich auf eine lustige Bananenfahrt einzustimmen. Geschwindigkeit und der Kampf zwischen Bananenbesatzung und Bootsfahrer, der sie natürlich im Wasser landen sehen will, bereiten schon Freude, sind aber nichts gegen den Spass, den man hat, wenn man selbst schon, kurz zuvor im Meer gelandet, das Gefährt wieder erklommen hat und nun die anderen bei ihren verzweifelten Anstrengungen beobachten kann.
Hier wieder ein Hinweis auf eine kleine Gefahrenquelle: Achtet ein bisschen auf Eure Mitfahrer. Es kann passieren, dass sie es endlich auf die Banane schaffen, dann aber auf der anderen Seite wieder hinunterfallen und so überrascht, ja geradezu geschockt, sind, dass sie zu schwimmen vergessen. Da heißt es dann schnell "Schweppes treibt ab"!
Was für die Bananenfahrt gilt, gilt auch, wenn man sich auf Ringen hinter dem Boot herziehen lässt; nur noch etwas verstärkt. Jedenfalls werden seit diesem Jahr keine Fahrten für sechs Ringe gleichzeitig mehr angeboten.
Natürlich gibt es noch andere Möglichkeiten, hier seine Freizeit zu gestalten, aber an einem Gummiseil in die Tiefe zu springen oder sich an einem ebensolchen in einer drehenden Kugel in die Luft katapultieren zu lassen, ist einfach nichts mehr für den Club des Verfassers.
Aber egal, was ihr macht, seht zu, dass dabei nicht die Präsidentin in der Nähe ist. Blutergüsse, Zerrungen, Stauchungen und Hörstürze sind sonst unausweichlich die Folge!
Aber all-inclusive hin oder her, man kann ja nicht nur im Hotelbereich rumgammeln, und macht so auch ein oder zwei...

Ausflüge auf Kreta
Hierzu empfehlen sich besonders zwei Möglichkeiten: Mit dem Schiff und mit dem Auto.
Um eine schöne Bootsfahrt erleben zu können, schickt man am besten seinen Kassenwart los, um ein Boot nur für den Club klar zu machen.
Hat dies geklappt, wird man einige Tage später in kleineren Gruppen mit einem Kleinbus vom Hotel abgeholt und zum Hafen kutschiert. Hat man dann den etwas schmalen und leicht wackligen Bootsteg sicheren Tritts gemeistert, wir man von einer Möwe mit gebrochenem Flügel empfangen, die von der Besatzung liebevoll gepflegt und mit altem Fisch hochgepeppelt wird. Das der Kapitän zugibt, den Vogel angefahren zu haben, sollte das Vertrauen in seine nautischen Fähigkeiten nicht schmälern.
Er heißt übrigens Costas und wird bei seinen Anstrengungen, dem Touristen eine möglichst angenehme Tour zu bieten, von Hilfsmaat Dimitri unterstützt. Wenn man dann noch, wie sich später herausstellte, Kapitän Ahab an Bord hat, steht einer zünftigen und sicheren Seefahrt nichts mehr im Wege.
Nun macht man es sich auf dem Sonnendeck bequem oder sucht sich im Heckbereich ein schattiges Plätzchen, befestigt eine kleine Deutschlandfahne mit VfL-Wappen am Fahnenmast, schnappt sich ein Mythos und genießt den Tag.
Nach kurzer Zeit erreicht man die erste Badebucht, die sonst eher von Pötertieren und Nackedeis genutzt wird. Da lässt sich der Fußballfan natürlich nicht lumpen, schwimmt zur nahe gelegenen Höhle und präsentiert eine ordentliche Arschparade.
Da die Toiletten an Bord etwas gewöhnungsbedürftig sind, ist hier auch eine gute Gelegenheit, sich etwas Erleichterung zu verschaffen.
Dabei sollte es aber nicht übertrieben werden, denn sonst heizt sich das Wasser in der kleinen Bucht zu sehr auf und bietet keine vernünftige Erfrischung mehr!
Schließlich geht es dann weiter. Der Mythos lebt, es werden einige Anektoden zum Besten gegeben, Verliebte spielen berühmte Szenen aus "Titanic" nach und man lauscht griechischer Folklore und Hartmann.
So erreicht die Gruppe den nächsten Badeplatz und hüpft erfreut ins anfänglich kühle Nass. Ganz Verwegene nutzen dabei natürlich die Reling als Sprungbrett und stören sich auch nicht daran, dass der Tank des Bootes ein wenig leckt und sich ein etwas unangenehm riechender, aber in wunderschönen Farben schimmernder Film, auf dem Wasser gebildet hat. Nachdem eine unbekannte junge Dame, die die Zeit alleine auf einem kleinen Steg verbringen muss, kurz von ihrer Einsamkeit befreit wird, geht es dann weiter in Richtung eines kleinen Ortes (Sisi oder so ähnlich) mit einem malerisch gelegenen Hafen, wo leckere Cocktails Abwechslung in den Getränkeplan bringen und Costas für die Auffüllung seines überforderten Mythosvorrates sorgt.
Die Gelegenheit zu einigen Fototerminen wird genutzt und die Rückreise beginnt nicht, ohne den Kapitän darauf hinzuweisen, auf der Fahrt noch mindestens eine Bade- bzw. Pinkelpause einzulegen.
Bevor es dazu kommt, ist es allerdings an der Zeit, sich mit einem kleinen Imbiss zu stärken. Hierzu servieren die Gastgeber Salat, Schafskäse, Brot und riesige aber lecker gewürzte Fleischlappen vom Grill. Die angebotenen Würstchen hingegen schmecken so wie sie aussehen und sollten daher besser den Fischen oder Möwen überlassen werden...ist aber Geschmackssache.
So gekräftigt, hüpft man noch ein letztes Mal ins Wasser und stellt bei der Rückkehr entsetzt fest, dass das letzte Mythos geleert wurde.
Costas wäre aber kein Grieche, wenn er nicht Abhilfe in Form eines leckeren Weins aus der 5l-Lenorflasche schaffen könnte. Ehrlich gesagt, ist das Getränk nicht wirklich lecker, aber manchem kann es doch zumindest etwas über die Zeit helfen.
Danach sollte nur nicht vergessen werden, dass größerer Weinkonsum nach 30 Dosen Mythos zu einer gewissen Hilfsbedürftigkeit führen kann und die unvernünftigen Konsumenten beim Anziehen der Schuhe oder Verlassen des Schiffes eine gewisse Unterstützung durch ihre Clubkameraden benötigen.
Warnung vor den Kaimauern!
Abgesehen von solchen Kleinigkeiten bietet Costas aber für 'ne relativ kleine Mark einen lohnenswerten Ausflug abseits der überteuerten Angebote anderer Anbieter und Reiseunternehmen.

Aber nicht nur zu Wasser, auch zu Land kann man auf Kreta einiges unternehmen.
Hierzu sollte man sich in kleinere Gruppen aufteilen, Autos mit offenem Verdeck und Allradantrieb mieten und dann das machen, was worauf die Gruppe sich geeinigt hat.
Die Möglichkeiten auf Kreta sind vielfältig und würden, alle aufgezählt und beschrieben, hier den Rahmen sprengen.
Aber egal ob Knossos, Heraklion, Badebuchten, Bergpässe, Hochebenen, sagenumwobene Tropfsteinhöhlen, Schluchten oder ursprüngliche kleine Dörfchen abseits des großen Touristentrubels, einige Regeln sollten immer beachtet werden, wenn man auf Kretas' Strassen unterwegs ist:

Wer nicht bereit ist, dass Tempo der Einheimischen mitzufahren, sollte, um Ärger zu vermeiden, immer den Standstreifen als Fahrspur nutzen.

Möglichst wenig bremsen, aber viel hupen...

...insbesondere vor Kurven, die selbstredend stets geschnitten werden!

Niemals von gut ausgebauten Strassen täuschen lassen und unbeschwert die Landschaft geniessen! Sie gehen ohne Vorwarnung urplötzlich in Feldwege oder ungesicherte Baustellen über. Auch 1 Meter tiefe Schlaglöcher kommen vor.

Beim Linksabbiegen möglichst nicht den Gegenverkehr abwarten! Das führt nur zu Unstimmigkeiten mit den Einheimischen hinter Euch.

Die Vorfahrt nur beachten, wenn Ihr ein großes Stoppschild seht! Ansonsten gilt der Grundsatz "wer bremst, verliert".

Wer diese wenigen Regeln beachtet, sollte auf Kreta keine Probleme bekommen und kann sich auf viele Eindrücke und Erlebnisse freuen.

Der Abend auf Kreta
Dieser verläuft eigentlich ziemlich unspektakulär.
Einige möchten sich vielleicht noch ein wenig ausruhen, andere nehmen an der zweiten Poolbar noch ein paar Absacker, bevor sich alle beim mehr oder weniger gemeinschaftlichen Abendessen wiedersehen.
In der Regel geht es dann zurück zur Bar, wo man ein paar Mythen verzehrt und sich in aller Ruhe auf die Nacht vorbereitet. Wer es mag, kann auch ein deutschsprachiges Animationsprogramm bewundern.
Aber egal wie, wichtig ist ja eigentlich...

Kreta bei Nacht
Bei Nacht ist Kreta natürlich dunkel, aber wo kann man die Nacht zum Tag machen?
In Chersonissos ist das ziemlich einfach, da dieser Ort so etwas wie das "Arenal" der Insel ist.
Zahllose Tavernen, Bars, Kneipen und Diskotheken laden zum Verweilen bei einem Gläschen Wein ein (allerdings sind auch diese nur schwer zu finden, wenn man sich, noch fremd und unbedarft, am ersten Abend auf die Orts- und Fremdsprachenkenntnisse des Wahlbajuwaren im Club verlässt.).
Besser ist es da, die von der Reiseleitung angebotene Discotour mitzumachen, wobei man sich nicht gleich zu Beginn enttäuscht zeigen sollte, dass es etwas klein und eng ist und die Wendeltreppe nur vorgaukelt, der Weg zur Tanzfläche zu sein, in Wirklichkeit aber lediglich zu den Toiletten führt. Man munkelt, es wird später besser.
Es besteht auch die Möglichkeit, ein Clubmitglied einen Tisch reservieren zu lassen, um einen Abend in einer Strandtaverne bei Livemusik zu genießen. Die dargebotene Mucke ist wirklich ansprechend, aber nicht jedermanns Geschmack, was auch für die wahllos in der Gegend herumbestellten Runden gilt. War trotzdem nett, der Geschmack des Verfassers wurde getroffen, und einem geschenkten Gaul schaut man bekanntlich nicht ins Maul.
In der Regel besucht man die Lokalitäten aber sicherlich nicht in organisierten Gruppen, sondern zieht irgendwann los und guckt, was so passiert.
Auf dem Weg vom Eri Beach zur Partymeile wundert sich der Bochumer Tourist über die erste Lokalität, die er antrifft, und fragt sich, ob ein in der Szene wohlbekannter Fanclub hier sein Clubheim errichtet hat. "No Name" heißt das Ding aber wohl nur, weil den Betreibern kein gescheiter Name eingefallen ist...soll ja vorkommen.
Ist aber ganz nett der Laden und ideal, um nach den ersten 5 von insgesamt ca. 15 Minuten Fußmarsch eine kleine Verschnaufpause einzulegen und Kräfte zu sammeln. Die ganz faulen verbringen auch mal den Rest des Abends hier.
Oder sie schaffen es noch bis zur nächsten Raststätte mit dem ebenfalls sehr originellen Namen "Treff". Genau das Richtige für alle, denen das sonstige Gastronomieangebot zu exotisch wirkt. Hier gibt es noch deutsches Bier, deutsche Musik und deutsch-österreichische Bedienung. Gibt es woanders auch, aber normalerweise nicht alles zusammen. Ist auch egal...für den ein oder anderen ist dieser Laden jedenfalls die letzte Station auf seinem Wege (in die Stadt). Es wird jedoch gemunkelt, dass die einem Drogen in den Gin Tonic mixen, so dass die Freundin verschlafen und verängstigt durch einen die Bettdecke würgenden und über die Tapete schimpfenden Partner aus den Träumen gerissen wird und keinen anderen Ausweg sieht, als sich auf den Balkon zurückzuziehen (natürlich mit einer Dose Bier).
Schafft der tourist es dennoch, sich von diesem heimeligen Ort loszureißen - vielleicht kehrt man ja auf einen Absacker oder ein Schnitzel zurück - gelangt er nach einigen Minuten in einen Ort voller Jubel, Trubel, Heiterkeit.
Nun ist der Autor dieses Reiseführers eher der Typ Kulturtourist und kein Mann für Szenegetränke und Technomusik. Daher kann er nicht so wahnsinnig viel von den Diskotheken berichten und liefert daher eine Kurzbeschreibung aus zweiter Hand:
Horrende Preise, am ersten Abend wird noch abgehottet, ab dem zweiten ist man körperlich so fertig, dass nur noch getrunken wird.
Zurück zum gehaltvolleren Amusement:
Das findet man z. B. in einer kleinen, lauschigen Bar namens "Samba", wo man auf dem Weg zum Klo von allen Seiten begrabbelt wird, betrunkene Norwegerinnen sich drei Meter neben ihren Stuhl setzen, ihre Landsmänner sich in Klopapier gewickelt auf die Straße legen, Engländerinnen einem schlafenden Vorsitzenden das Bier klauen wollen, Professionelle auf der gemischten Toilette ihrem Beruf nachgehen und hin und wieder auch mal blank gezogen wird. Kellner und Kellnerinnen beteiligen sich voll an den völkerverständigenden Festivitäten zur Musik von Ramstein und Metallica. Hat der Gast sich einmal zur Aussage "hier gehen wir ab jetzt jeden Abend hin" entschieden, begegnen die Angestellten ihm beim nächsten Mal aber schon viel reservierter als zuvor. Als hätte er irgendwas falsch gemacht!?
Aber egal, wo die Nacht verbracht wird, immer daran denken, dass um 4 Uhr die Bürgersteige hochgeklappt werden, der Hotelkellner sich merkt und am nächsten Tag darüber lustig macht, wenn man beim Absacker an der Poolbar (auf einmal haben sie jede Menge leckere Getränke zu schlimmen Preisen) mal kurz Kopf und Augen ein wenig von den Strapazen des Tages erholt und es bei übertriebenen Ausschweifungen dazu kommen kann, dass man mit Löchern von oben und unten im Zeh aufwacht (nein, das mit dem Seeigel ist eine andere Geschichte).

Der letzte Abend auf Kreta
Dieser sollte möglichst am Strand verbracht werden und dient in erster Linie dazu, noch einmal in gemeinsamer Runde die zurückliegenden Erlebnisse und Eindrücke Revue passieren zu lassen.
Hierfür werden Kerzen, Knabbereien und Säfte besorgt und, wenn der Club noch etwas Geld in der Kasse hat, auch einige Spirituosen und ein paar Paletten Bier.
Letzteres sollte eigentlich stilgerecht Mythos sein, da es aber sowieso warm getrunken werden muss, darf es auch gerne das nicht so leckere, aber billigere, Lindener Pilsener sein - immerhin das Beste aus Hannover!
Übrigens hat an diesem Abend der Abenteurer nach halbstündiger Vorbereitung die Gelegenheit zu seinem letzten großen Auftritt.
Außerdem sollte darauf geachtet werden, dass Leuten, die die Feier vorzeitig verlassen, keine Getränke für die Balkonfete mitgegeben werden. Dies könnte sich für die, die den Rest des Abend hier verbringen wollen, später als fataler Fehler erweisen.

Abreise
Nun hat auch die schönste Zeit einmal ein Ende und die Abreise steht an.
Den größten Teil des Tages genießt man noch einmal an der Bar, ein Zimmer wird gegen ein paar Euro für diese Zeit noch belegt, so dass Koffer sicher aufbewahrt und die Reisenden sich noch einmal Staub und Salzwasser von den Füßen duschen können.
Dann kommt irgendwann der Bus, welcher diesmal schnell und klimatisiert den Flughafen von Heraklion erreicht.
Hier heißt es dann geduldig sein, Nerven bewahren und sich durch nichts und niemanden provozieren lassen.
Um die Vorfreude auf Kreta nicht zu nehmen, wird an dieser Stelle der Mantel des Schweigens über diesen...tja, was ist das eigentlich...gedeckt.
Nur ein kleiner Tipp nach Kreta: Reißt mindestens ein Drittel Eurer Hotels wieder ab und lasst nicht so viele Touristen ins Land, oder baut Euch einen Flughafen, der technisch ausgereifter und größer als der Bochumer Busbahnhof ist.
Positiv ist hier allerdings die Möglichkeit zu verzeichnen, eine letzte 0,33l-Dose Mythos für unglaublich günstige 2,80 € erstehen zu können.
Hat man dann noch mit Entsetzen eine Dealerin bei der Arbeit und die Folgen beobachten können, geht es endlich in den verspäteten Flieger, dessen Pilot im Schweinsgalopp nach Hause fliegt, wo die lieben Daheimgebliebenen für einen herzlichen Empfang und eine zügige Heimfahrt sorgen.
Nach allgemeiner Verabschiedung geht eine sehr angenehme Woche zu Ende.

Zum Schluss
Wir hoffen, wir haben Euch ein wenig Lust gemacht, auch mal diese schöne Insel besuchen zu wollen.
Falls ja, hier noch ein kleiner Sprachkurs, der aber eigentlich gar nicht nötig ist, da auf Kreta neben Deutsch, Englisch und natürlich Griechisch auch so multinationale Sprachschätzchen wie "dos Schinkenbaguettes" verstanden werden.
Nur vier Worte also:
"Jammas" (Lautschrift) heißt "Prost", kann aber auf sämtliche Lebensbereiche angewandt werden. "Jammas" passt eigentlich immer.
"Mythos" heißt "ich will was zu trinken" und "Hoffmann" ist der Namensgeber für eine Vielzahl von Speisen. So ist beispielsweise "Hühnchen Hoffmann" ein "Hähnchenbollen" und "Schnitzel Hoffmann" ein "Cordon Bleu".
Bestellt man in einer Taverne "Nutten", werden diese auch i.d.R. prompt vom freundlichen Ober herangeschafft. Meistens handelt es sich dabei um gesalzene Erdnutten, teilweise sind aber auch Cashewnutten oder Mandeln erhältlich.

Das war es jetzt aber endgültig. Es wäre schön, wenn wir Euch ein paar nützliche Tipps geben konnten. Solltet Ihr Euch dennoch nicht auf Kreta zurechtfinden, orientiert Euch einfach an unseren Aufklebern. Sie weisen Euch den rechten Weg.
Den nächsten Treuen-Reiseführer gibt es in genau 5 Jahren.
Wie er heißen wird, steht noch nicht fest..."Treuen-Reiseführer Südsee" oder so..

Euer braungebrannter Lawsen


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